
Wenn am 11. Februar in der Ditzinger Glemsaue die erste Boxnacht, die so genannte "Fight Night" veranstaltet wird, sind nicht alle über dieses Ereignis erfreut. Der Boxsport polarisiert wie kaum ein anderer Sport. Für manche ist es unschönes Verprügeln. Andere schätzen den Faustkampf, weil er sportlich anspruchsvoll ist und von Athletik, Technik und Taktik, Schnelligkeit bis hin zu Ausdauer alles von den Kämpfern abverlangt. Profikämpfe - vor allem die im Schwergewicht - liegen im Trend.
Sie zählen zu den best dotierten Sportwettbewerben und begeistern die Zuschauermassen. Genau davon distanziert sich Jürgen Wiedemann, Vorsitzender des Leonberger Vereins Ring-Frei sowie Präsident des neu gegründeten und fusionierten Boxverbandes Baden-Württemberg (BVBW). Erst kürzlich hatte Wiedemann die Aussagen von Peter Mural, dem Vorsitzenden des Leonberger Box-Clubs (BC) verurteilt, der erzählt hatte, unterm Engelberg hätten sich zu Hochzeiten des damaligen Bundesligisten in den 1980er Jahren geschätzte 500 Jahre Gefängnis vereint. Nicht selten seien Profi-Boxsportler auf Grund dunkler Geschäfte angeklagt worden. "Dieses Image will ich nicht haben, bei uns steht der Sport an vorderster Stelle. Wenn wir bei einem Kampf ein Rahmenprogramm organisieren, dann ein sportliches", sagt Jürgen Wiedemann.
An spektakulär aufgezogenen Profi-Veranstaltungen ist der BVBW-Präsident nicht interessiert. "Das sind oft Kämpfe, die die Welt nicht braucht. Da wird auch teilweise gelogen, geschoben und betrogen", sagt der Leonberger. Ausnahmen bestätigten allerdings die Regel, so Wiedemann. Wie beispielsweise Henry Maske oder die Klitschko-Brüder, die das Profi-Boxen salonfähig gemacht hätten.
Bei der "Fight-Night"-Premiere in Ditzingen stehen insgesamt zehn Kämpfe auf dem Programm: Klassische Boxkämpfe sowie in der Kampfsportart K 1, eine Kombination aus Boxen und Kickboxen. In letzterer Kategorie kämpft am 11. Februar der Ludwigsburger Dimitri Schäfer gegen Sven Amend um den Weltmeisterschaftsgürtel des offiziellen Weltverbandes "World Full Contact Association" (WFCA), der seinen Sitz in Holland hat. Titelverteidiger Schäfer ist für Jürgen Wiedemann kein Unbekannter. "Ich kenne ihn noch vom klassischen Boxen, da zählte er zur deutschen Spitze. Ein toller Sportler und ein angenehmer Mensch." Auch wenn sich Wiedemann von Profi-Veranstaltungen distanziert hegt er keine Zweifel, dass die Veranstaltung in Ditzingen nicht seriös sein könnte. "Ich kenne die Veranstalter."
Einer davon ist Heinz Betz von der Radsportakademie in Bad Wildbad, der mit seinem Geschäftspartner Gregor Braun für den Charity-Bike-Cup in Ditzingen verantwortlich ist. Betz hatte vor einiger Zeit Torsten Techel kennen gelernt, der neben seinem Beruf als Maler Box-Veranstaltungen auf die Beine stellt. Schnell waren sie sich einig, dass sie ein gemeinsames Event auf die Beine stellen wollen. "Torsten Techel hat als Co-Veranstalter ein Kleingewerbe angemeldet und besitzt eine Lizenz des Bund Deutscher Berufsboxer", sagt der Warmbronner Heinz Betz. Und dass ein Stuttgarter Sauna-Club als Sponsor der Ditzinger Veranstaltung auftritt, nimmt Betz sportlich. "Sie nutzen die Fight Night als Werbeplattform, das ist legitim."


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