Stuttgart - In seinem Kurzroman „Brot und Spiele“ hat Siegfried Lenz 1959 von dem Langstreckenläufer Bert Buchner erzählt, der unter dem zunehmenden Druck der Karriere nach und nach die Menschen verliert, die ihn geliebt und ihm geholfen haben. Dieter Baumann weiß, wovon die Rede ist. Schließlich war er selbst ein gefeierter und dann geschmähter Langstreckenläufer und Olympiasieger. Man erinnert sich: Zahnpasta hat in diesem realen Drama eine entscheidende Rolle gespielt.
Inzwischen versucht Baumann sich als Schauspieler. Nach seinem ersten Programm, das Kabarettcharakter hatte, zeigt er nun also, in der Regie von Carola Schwelien und im Bühnenbild von Illona Lenk, eine Bühnenfassung des Romans von Siegfried Lenz. Er spielt darin mehrere Rollen, zwischendurch rafft er erzählend die Handlung. Als Bert Buchner von einer erfolgreichen Amerikatournee zurückkehrt, ergreift ihn eine unerklärliche Unruhe. Sein Freund, den er in der englischen Kriegsgefangenschaft kennen gelernt hat und aus dessen Perspektive die Geschichte zum Teil rekapituliert wird, rät ihm, mit dem Laufen aufzuhören und zu studieren. Doch Buchner schafft diesen Schritt nicht. Das führt in die voraussehbare Katastrophe.
Dieter Baumann konzentriert seine Darstellung auf den Kontrast zwischen der pessimistischen Sicht des Freundes und dem eifernden Gebrüll eines Fernsehreporters. Beide beobachten den letzten Lauf Bert Buchners. Der Schluss – in einer Oper spräche man von einer Stretta – ist trotz der Voraussehbarkeit zugleich der Höhepunkt des Abends. Bert Buchners Niederlage ist Dieter Baumanns Triumph. Das unterscheidet das Theater vom Sport.


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