|
|
Bild 1 von 5 |
|
zum Thema
Stuttgart - Ein Spaziergang im Park, ein Besuch im Museum, Shoppen auf der Königsstraße: In der Öffentlichkeit fühlen wir uns sicher - weil wir anonym sind. Doch was wäre, wenn ein völlig Fremder nur mit Hilfe eines Fotos, das er mit seinem Smartphone geknipst hat, unseren Namen, vielleicht sogar die Adresse, Hobbys und den Arbeitgeber herausfinden könnte? Was wie eine düstere Vision aus der Zukunft klingen mag, ist so unrealistisch gar nicht. Die entsprechende Technologie zumindest existiert bereits. Gesichtserkennung lautet das Zauberwort, das vielen Datenschützern derzeit den Schlaf raubt.
Technisch gesehen ist die Gesichtserkennung nicht besonders kompliziert. Denn obwohl jedes Gesicht in unseren Augen einzigartig und unverwechselbar ist, haben sie doch alle die gleiche Grundstruktur – Mund, Nase, Augen, Wangenknochen. Genau damit arbeitet Gesichtserkennungssoftware: Diese Programme erfassen mit einer Art digitalem Gitternetz die Abstände zwischen den Merkmalen eines Gesichts und kreieren so eine Schablone. Jede ist so einzigartig wie das Gesicht, auf dem sie basiert - sie ist fast so etwas wie ein Fingerabdruck. Und genau wie bei Fingerabdrücken können die so entstandenen Schablonen in einer Datenbank gespeichert und bei Bedarf mit anderen Gesichtern verglichen werden.
Google und Facebook
Lange Zeit verfügten nur Geheimdienste und das Militär über diese Art der Erkennungssoftware. Doch längst haben auch private Unternehmen deren Nutzen erkannt. Google zum Beispiel hat sich im Sommer 2011 eine eigene Gesichtserkennungssoftware zugelegt: Damals kaufte der Internetriese die amerikanische Firma Pittpatt. Auch Facebook setzt auf Gesichtserkennungssoftware. Lädt ein User bei Facebook ein Foto hoch, scannt das System die darauf abgebildeten Gesichter und macht Vorschläge, um welche Personen es sich handeln könnte. So sollen Nutzer Freunde und Bekannte schneller und einfacher auf Bildern markieren – "taggen" – können.
Für dieses Feature wird Facebook in Deutschland jedoch heftig kritisiert. Johannes Caspar, Hamburgs Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, will gerichtlich gegen die Gesichtserkennung im größten sozialen Netzwerk der Welt vorgehen. Dreh- und Angelpunkt der Argumentation: Facebook hat das Feature installiert, ohne die Mitglieder zuvor um ihre Einwilligung zur biometrischen Erfassung ihrer Gesichter zu bitten – laut Caspar ein Verstoß gegen den deutschen Datenschutz. In seinem Watchblog informiert er laufend über den Stand der Auseinandersetzung.
Google geht etwas vorsichtiger vor. Bei Google+ ist die "Find my face"- Funktion so lange standardmäßig deaktiviert, bis der Nutzer sie aktiv freischaltet.
Das Ende der Anonymität
Auch außerhalb seines sozialen Netzwerkes setzt Google die Gesichtserkennung ein. Bei der Bildersuche können Nutzer schon heute Fotos hochladen statt Begriffe einzutippen. Goggelt man ein Foto, stößt man zum Beispiel auf das Facebook-Profil der fotografierten Person und kann so zumindest den Namen erfahren, bei niedrigeren Sicherheitseinstellungen des Accounts vielleicht sogar den Wohnort, Hobbys oder den Arbeitsplatz. „So etwas birgt natürlich eine gesellschaftliche Gefahr. Damit gibt man die Anonymität in der Öffentlichkeit auf“, sagt Professor Norbert Pohlmann vom Institut für Internet-Sicherheit (Ifis) der FH Gelsenkirchen.
Die einzige Möglichkeit, sich davor zu schützen: „Man darf keine Fotos von sich hochladen.“ Zuverlässig funktionieren solche Fotosuchen allerdings bisher nur bei Prominenten oder Usern, die im Internet sehr aktiv sind und in mehreren Netzwerken ihre Spuren hinterlassen haben.


In den kommenden 4 Wochen stellen wir Ihnen alle 23 Stuttgarter Stadtbezirke näher vor >>

privatsphäre
mit diesem tool lassen sich dann alle urlaubsfotos vom ballermann, alle überwachungsvideos in der fußgängerzone und anderswo und alle passphotos im personalausweis abgleichen. also nicht mehr schwarzfahren, nicht mehr zu schnell fahren, nicht mehr in die ecke pinkeln. big brother is watching you. 1984 ist schon lange vorbei.