Digitalisierung Die Stadt in der Hosentasche

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Das Rathaus hat eine Handy-App für Bürger und Besucher programmieren lassen. Sie taugt für Beschwerden genauso wie als Fremdenführer.

So sieht die Startseite der offiziellen Sindelfingen-App aus. Foto: factum/Granville
So sieht die Startseite der offiziellen Sindelfingen-App aus. Foto: factum/Granville

Sindelfingen - Es ist nicht die erste App über die Stadt, aber „jetzt kann man ganz Sindelfingen in der Hosentasche herumtragen“, sagt Bernd Vöhringer, der Oberbürgermeister. Das neue Programm für das Smartphone ist jetzt sowohl für Android-Telefone als auch für das Pendant von Apple zu bekommen.

Wer sich allerdings die Stadt in die Tasche stecken will, muss zumindest vorerst noch eine Weile suchen. In den Listen der Apps, die man herunterladen kann, stehen andere Apps zur Stadt Sindelfingen viel weiter oben als die offizielle aus dem Rathaus. Private Anbieter haben schon welche programmieren lassen, aber auch offizielle Stellen wie die Volkshochschule. Die neue Version aus dem Rathaus heißt „Sindelfingen Official“ und ist mit dem grünen Logo der Stadt versehen. Je häufiger das Programm auf Telefone geladen wird, desto höher klettert es in der Liste. „Ich gehe davon aus, dass es ein Selbstläufer wird“, sagt Vöhringer, er rechnet mit 65 000 Downloads. So viele Einwohner zählt die Stadt.

Fremde können unter zwei Rundgängen wählen – bisher

Es könnten noch einige Downloads mehr werden, denn das Programm taugt auch als Fremdenführer. In der Rubrik Sehenswürdigkeiten sind alphabetisch markante Plätze aufgelistet – von der Abtgasse bis zum Wettbachplatz. Wer sie antippt, bekommt Kurzbeschreibungen der Orte zu lesen. Eine andere Rubrik bietet gleichsam Sindelfingen im Schnelldurchlauf. Fremde können unter zwei Rundgängen wählen, einem zu poetischen Orten der Stadt und einem zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Das Mobiltelefon lotst Ortsunkundige per Stadtplan zu den Anlaufstationen. Die beiden Strecken sind anderthalb und vier Kilometer lang. Weitere werden hinzukommen, denn generell „lebt diese App und entwickelt sich“, sagt die städtische Pressesprecherin Nadine Izquierdo. Sie zu programmieren hat rund 7000 Euro gekostet.

Außerdem wird sie mit einiger Gewissheit den Rathausbediensteten Mehrarbeit verschaffen. Unter der Rubrik Kontakt verbirgt sich die Meckerecke des Programms, getauft: „Sindelfingen will’s wissen“. Wer sich über einen Müllberg oder ein Schlagloch ärgert, kann den Missstand der Verwaltung melden. Dies mitsamt einem Foto. Zwar „versprechen wir sicher nicht, jedes Schlagloch am gleichen Tag zu füllen“, sagt Vöhringer. Aber zumindest bekommt der Beschwerdeführer noch am gleichen Tag eine Rückmeldung, und später erhält er eine Nachricht, wenn sein Anliegen erledigt ist. Sollte diese Funktion unerwartete Begeisterung wecken, „werden wir im Zweifel auch personell nachjustieren“, versichert der Rathauschef.

Hinzu kommen allgemeine Informationen über das Rathaus samt dem Gemeinderat, Nachrichten aus der Stadt und Notdienste. Im Veranstaltungskalender können Ausgehwillige erfahren, dass sie an diesem Freitag die Wahl haben zwischen der langen Musiknacht im Zentrum oder dem Weinfest in Darmsheim – unter anderem.