Dioxin-Skandal „Gesundheit nicht beeinträchtigt"
Tanja Volz, 08.01.2011 17:11 Uhr
Stuttgart - "Selbst wenn jemand mehrere mit Dioxin belastete Eier gegessen haben sollte, muss er nun nicht mit gesundheitlichen Folgen rechnen", sagt Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Auf Grund der Verdünnung bei der Futtermittelherstellung gehe es derzeit nur um eine geringfügige Überschreitung des Grenzwertes für Eier, etwa um das Vierfache des zulässigen Höchstwertes. Durch eine "kurzfristige Aufnahme" dieser Eier drohe keine gesundheitliche Beeinträchtigung. Kurzfristig schließe dabei einen Zeitraum von vier Wochen ein. Allerdings, so betont man im BfR, sollte aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes die Belastung mit Dioxinen so weit wie möglich reduziert werden. Daher seien unnötige und vermeidbare zusätzliche Belastungen nicht hinnehmbar.

Die langfristige Wirkung auf den menschlichen Körper ist schwieriger zu beurteilen. Im Tierversuch hat sich die Stoffklasse der Dioxine – davon gibt es etwa 200 Varianten – als krebserregend erwiesen. Das Gift hemmt zudem den Zellstoffwechsel. Auch das Nerven- und Immunsystem sowie der Hormonhaushalt nehmen Schaden. Eine Dioxinvergiftung erkennt man an der charakteristischen Hautentzündung, der sogenannten Chlorakne. Allerdings reagieren verschiedene Tierarten ganz unterschiedlich auf Dioxine: So unterscheiden sich die tödlichen Konzentrationen, bei denen die Hälfte der Versuchstiere stirbt, beispielsweise zwischen Maus und Hamster um mehr als das Tausendfache.

Auch Menschen scheinen unterschiedlich stark auf die Gifte zu reagieren. Doch gibt es nur wenig gut dokumentierte Fälle einer Dioxinvergiftung. Dazu gehört etwa der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko, der einen Giftanschlag 2004 nur knapp überlebte. In seinem Blut wurde eine 50.000-fach erhöhte Dioxinkonzentration gemessen. Die Fotos des durch die für die Vergiftung typische Chlorakne entstellten Gesichts des ehemals gut aussehenden Mannes gingen um die Welt.

Generell müssen Verbraucher, erklärt Thier-Kundke vom BfR, immer mit geringen Mengen Dioxin rechnen. Auch auf pflanzlichen Produkten kann sich ein Hauch dieser Substanzen ablagern. 95 Prozent aller Dioxine nimmt man jedoch über Milch, Fleisch, fettreichen Fisch und Eier auf. Weil die Substanzen kaum abgebaut werden, halten sie sich auch in verarbeiteten Produkten lange. Da sich Dioxine im Fett ablagern, sind auch Lebensmittel mit hohem Fettgehalt besonders anfällig.
Kommentare (5)
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JAN
11
Igor, 23:56 Uhr

...wieder nichts anderes als ein Medien-Spektakel

Norm #27633 wurde nicht eingehalten und ein paar pico-gramm von dem Gift X wurde in der Nahrung gefunden. Was denkt Ihr, wie oft das passiert? Ich vermute Mal grob ... jeden Tag. Dieses Mal wurde aber darüber Berichtet. Und was haben wir unter dem Strich? Medien haben wieder Mal großes Geld verdient und die Bauer können die Eier nicht verkaufen...ah ja .. und die Gesundheit ist sowieso nicht beeinträchtigt. Großartig.

JAN
10
Bio-Eiermann, 12:16 Uhr

Giftmischer werden von Bundesegierung gedeckt.

Wir haben mit einer unfähigen CSU-Ministerin Aigner und einer noch unfähigeren CDU-Staatssekrätetärin Klöckner zu tun, die sich überflüssigerweise auch noch als "Ministerpräsidentin" für die Pfalz bewirbt. Die derzeitigen Ablenkungsdebatten um Zulassungsregeln für Futtermittelbetriebe oder eine Trennung zwischen der Herstellung von Futter- und Industriefetten verhindern eine echte Lösung. Frau Aigner und ihre Stellvertreterin Klöckner decken mit ihren Vorschlägen nur die Giftmischer in der Futtermittelindustrie, anstatt die offensichtlichen Sicherheitslücken im System zu schließen, wie es ihre Aufgabe wäre. Doch sie wollen überhaupt nicht, dass die riesigen Überwachungslücken geschlossen werden, weil sie von der Agrar-Lobby mächtig alimentiert werden. Korrektes Handeln müsste aber so aussehen: Die Ministerin muss die Unternehmen per Gesetz verpflichten, jede Charge jeder Futtermittelzutat selbst auf Dioxin zu testen und dies für die Behörden zu belegen. Bei Überschreitung des Grenzwertes muss die gesamte Lieferung vernichtet werden. Nur eine derartige Test- und Entsorgungspflicht für die Firmen schafft die nötige Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit. Staatliche Kontrolleure, auch wenn es zehn Mal so viele gäbe wie bisher, können immer nur Stichproben nehmen, könnten Korruption begünstigen, sogar bestochen werden. Könnten versagen, wie Frau Aigner und ihre Ausputzerin Klöckner. Doch ich sehe weiterhin in dieser Sache nur schwarz, die Verbraucher bleiben mit dieser Regierung weiterhin auf der Strecke.

JAN
09
ld, 21:16 Uhr

Strafverfolgung im Interesse der Bevölkerung.

Alle Gutmenschen werden aufschreien und den Verleich für unzulässig bezeichnen. Im Mannheimer Prozess wird Herr K. , der mehr als 10 Jahre lang alle paar Wochen einen Tag oder auch nur eine Nacht in Schwetzingen verbrachte, wegen des letzten Abends, wie auch immer der verlief, es geht eigentlich, wie die vielen Jahre vorher, niemand etwas an, verurteilt oder freigesprochen. Im Falle der Verurteilung muß er für 5 bis 15 Jahre ins Gefängnis. Falls er freigesprochen wird, zahlt der Steuerzahler die riesigen Prozesskosten. Schutz der Allgemeinheit? Wovor? Die Verbrecher, die Millionen von Bundesbürgern gefährden und Angst vor Nahrungsmitteln heraufbeschwören, werden geschickt eine Insolvenz herbeiführen und bis zum Sankt Nimmerkleinstag prozessieren. Am Schluß wird eine Geldstrafe stehen die sie, nachdem sie sich durch ihr verbrecherisches Handeln schon monatelang die Konten gefüllt haben, aus der Portokasse bezahlen. Rechtsstaat Deutschland. Danke.

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