Diplomatensiedlung Stuttgart Killesberg Streit über Radonbelastung 

Thomas Faltin, 03.12.2013 17:37 Uhr

Stuttgart - Am Killesberg, in der denkmalgeschützten „Diplomatensiedlung“ am Albrecht-Dürer-Weg, ist ein heftiger Streit zwischen den Mietern der zwölf Gebäude und dem Bund als Eigentümer entstanden. Auslöser ist Radon, ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das in der Bevölkerung weitgehend unbekannt ist – aber in höherer Konzentration sogar Lungenkrebs auslösen kann. Die Werte liegen in den Kellern bei bis zu 2300 Becquerel pro Kubikmeter, in Wohnzimmern wurden bis zu 448 Bq/m³ gemessen. Ab 200 hält die Strahlenschutzkommission eine Sanierung von Wohnräumen für sinnvoll.

Gernot Stollhoff, einer der Mieter am Killesberg, wirft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) vor, die Sanierung zu verschleppen. Seit 20 Monaten wisse man mindestens von der hohen Belastung, doch „wir laufen bei der Bima gegen eine Wand“. Er habe privat in seinem Keller sogar 3000 Bq direkt über dem Fels gemessen. Auch eine Einliegerwohnung im Untergeschoss sei stark belastet gewesen; sie sei seit Bekanntwerden der Werte geräumt. Und in den am stärksten betroffenen Häusern leben laut Stollhoff sechs Kinder. Wie man hört, ist eine Person in der Siedlung an Lungenkrebs erkrankt. Daneben kritisieren die Mieter, dass die Bausub­stanz schlecht sei, die Heizung erhebliche Mängel habe und die Bima sich nicht um den Denkmalschutz kümmere.

Die wenigsten Mieter wollen weg

Da der Bund die Gebäude jetzt verkaufen will , intensivieren die Mieter ihre Anstrengungen. Denn der Verkauf könnte dazu führen, dass sie ausziehen müssten – jedoch frühestens in drei Jahren, da das Mietverhältnis so lange geschützt ist. Nur wenige wollen aber weg, was vielleicht auf die vorzügliche Wohnlage und die niedrige Miete zurückzuführen ist, die angeblich unter acht Euro pro Quadratmeter liegt. Mit Plakaten in der Siedlung weisen die Mieter Interessenten auf den Mieterschutz und die Radonbelastung hin – Ersteres steht nicht im Exposé der Bima, Zweiteres schon. Bei Privatleuten, die selbst in einem Bungalow wohnen wollen, könnte der Umstand das Interesse senken.

Claus-Peter Rehwald vom Stuttgarter Büro der Bima kann sich über eine mangelnde Nachfrage trotzdem nicht beklagen: „Die Resonanz ist sehr groß“, sagt er. Die Kritik der Mieter weist er zurück. Nachdem das Stuttgarter Amt für Umweltschutz die Werte im November 2011 gemessen und der Bima mitgeteilt habe, sei seine Anstalt im Frühjahr 2012 aktiv geworden und habe 100 Tage lang Geräte aufgestellt: „Das ist zeitnah und in Ordnung so“, sagt Rehwald. Da es keine verbindlichen Grenzwerte gebe, könnten die Bewohner nicht einmal eine Mietkürzung geltend machen.