Direkte Auffahrt zur Datenautobahn

Von "Leonberger Kreiszeitung" 

Leonberg Nach jahrelangem Warten ist das sekundenschnelle Internet angekommen - aber noch nicht bei allen. Von Elisa Wedekind

Leonberg Nach jahrelangem Warten ist das sekundenschnelle Internet angekommen - aber noch nicht bei allen. Von Elisa Wedekind

Schwer zu glauben, aber wahr: Im Zeitalter von Internet und weltweiter Vernetzung sind die Warmbronner jahrelang mit angezogener Handbremse über die Datenautobahn geschlichen. Der Grund: der Leonberger Teilort liegt einfach zu weit weg vom Netzknoten der Telekom. Im Ort klagten die Menschen lange über eine äußerst lahme Verbindung, die vor allem das Laden großer Datenmengen quasi unmöglich macht. Damit ist Schluss. Der Anbieter Neckar-Com, eine Tochtergesellschaft der EnBW, sorgt künftig für eine schnelle Verbindung ins Netz. Seit gestern Nachmittag steht die rasend schnelle Leitung - sie ist allerdings noch nicht für allen Warmbronner offen.

Am vergangenen Mittwoch wurde das neue Breitbandnetz offiziell eingeweiht. "Ich habe nicht gedacht, dass es so kompliziert ist, schnelles Internet hierher zu bringen", sagte der Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler. Bislang galt Warmbronn im Landesvergleich als "weißer Fleck" auf der Landkarte des schnellen Internets. Dies werde sich jetzt ändern, versprach der Geschäftsführer der Neckar-Com, Jürgen Herrmann, den zahlreichen Warmbronnern, die gekommen waren.

Die Stadt hat ein eigenes Glasfasernetz aufgebaut. Dieses Netz garantiert Bandbreiten, die künftig auch in Warmbronn eine so genante Download-Rate - also die Menge von bis zu 50 Megabit in der Sekunde ermöglichen sollen. Damit hätten die Warmbronner das schnellste Internet weit und breit, so Jürgen Herrmann. In seinem Vortrag erläuterte der Geschäftsführer der Neckar-Com die technischen Hintergründe der Erschließung von Warmbronn und damit verbundene Probleme.

Thema war auch die auch die Verzögerung. Denn ursprünglich war geplant gewesen, Warmbronn im Frühjahr ans schnelle Netz zu hängen. Doch bei den Plänen für die Aufstellung der Neckar-Com-Verteilerkästen habe es Probleme gegeben. Bestimmte Verteiler hätten auf Privatgrundstücken stehen sollen, die Zustimmung einiger Eigentümer habe man aber nicht bekommen. Es mussten weitere Verhandlungen geführt und Alternativen gesucht werden. Das habe immer wieder Zeit gekostet, so Herrmann.

So kam es auch beim Verlegen der Kabelnetze zu Verzögerungen. Bei der Freigabe am Mittwochabend fehlten nur noch wenige Meter Kabel. "Ich bitte um Verständnis", sagte Jürgen Herrmann. Das hatten einige Warmbronnern im Saal nicht. "Wann bekomme ich denn nun meinen neuen Zugang?", lautete die am häufigsten gestellte Frage. Das hänge von der Laufzeit des jeweiligen Vertrages ab, so Michael Mess, ein Warmbronner Softwareexperte. Glück hätten diejenigen, deren Verträge in wenigen Monaten ausliefen. Die könnten bald zur Neckar-Com wechseln.

Für alle anderen heißt es dagegen: wer das schnelle DSL trotz altem Vertrag nutzen will, der muss zusätzlich ein Angebot der Neckar-Com buchen. Das bedeute Mehrkosten. "Einige Anbieter sind da vielleicht kulant und erlassen Ihnen den alten Internetvertrag", meinte Mess.

In Warmbronn gibt es 21 Kabelverzweiger der Telekom; die Neckar-Com hat nun sieben DSL-Vermittlungskästen aufgestellt. Diese werden mit den Kabelverzweigern verbunden und von dort aus fließt das neue Internet, mittels eines DSL-Modems in die Warmbronner Haushalte. Für die Grundschule im Ort hatte Jürgen Herrmann noch ein Geschenk im Gepäck dabei: Die Neckar-Com will hier einen kostenlosen Internet-Zugang einrichten.