Disneys "Lustige Taschentücher" Jubiläum bei Donald & Co.
Frank Armbruster, Fotos: "Lustiges Taschenbuch" und Egmont Ehapa Verla, vom 09.03.2010 18:46 Uhr
Disneys "Lustige Taschenbücher" feiern Jubiläum: Am Dienstag erscheint der 400. Band rund um Donald & Co. Foto: „Lustiges Taschenbuch“ und Egmont Ehapa Verlag
Stuttgart - Es gibt wohl kaum eine Frage, die die Mitglieder der Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D) nicht schon wissenschaftlich erörtert hätten. Liegt Entenhausen in einem eigenen Universum? Wie funktioniert Fortpflanzung durch Veronkelung? Und warum tragen nur weibliche Enten Schuhe? Und so sollte es nicht wundern, wenn auf der nächsten Donaldistentagung die Frage diskutiert wird, ob auch Donald Duck von Transferleistungen lebt. Offensichtlich ist jedenfalls, dass die bekannteste Ente der Welt keiner geregelten Arbeit nachgeht.
Stattdessen versucht sie sich (schwarzarbeitend?) in wechselnden Kurzzeitjobs als Museumswärter, Reporter, Wüstenfarmer oder Kammerjäger, lebt dafür aber in durchaus geordneten Wohnverhältnissen in zentraler Lage von Entenhausen mit Vorgarten. Spätrömische Dekadenz kann bei Donald allerdings schon allein deshalb kaum aufkommen, da ihn sein schwerreicher Onkel Dagobert regelmäßig aus seinen Tagesschläfchen herauszureißen pflegt, um ihn zur Unterstützung bei irgendwelchen geldmehrenden Unternehmungen zu verpflichten.
1967 erschien die erste Ausgabe
Seit mehr als 75 Jahren gibt es Donald Duck - sein genauer Geburtstag wird mit dem 9. Juni 1934 angegeben, als der Erpel in einem Film namens "The wise little Hen" zum ersten Mal zu sehen war. Der amerikanische Zeichner Carl Barks gab Donald in den vierziger Jahren das bis heute gültige Profil. Dass seine Abenteuer seit den fünfziger Jahren auch in Deutschland eine wachsende Zahl von Anhängern gewonnen haben, lag nicht zuletzt an den kongenialen Übersetzungen von Erika Fuchs, die dadurch ein eigenes, Erikativ genanntes Idiom entwickelte, indem sie Verben auf den Wortstamm reduzierte. "Ächz, stöhn!" klagen noch heute Schüler angesichts kniffliger Mathematikaufgaben, und die Donaldisten pflegen gelungenen Beiträgen mit "klatsch, klatsch" zu applaudieren.
Da in Kulturnationen wie Deutschland Bücher traditionell ein besseres Image besitzen als Hefte, lag es für den Ehapa-Verlag nahe, Disney-Geschichten auch als Taschenbuch herauszubringen. Das Vorbild war das italienische "Il Topolino", so etwas wie das Zentralorgan der europäischen Disneyaner. 1967 erschien die erste Ausgabe der "Lustigen Taschenbücher" mit dem Titel "Der Kolumbusfalter".
Aktueller Band reicht nicht an die alten heran
Weitere folgten in unregelmäßigen Abständen, abwechselnd mit Geschichten von Donald Duck und Micky Maus, die bis heute großteils aus Italien stammen, wo Zeichner wie Romano Scarpa arbeiten. Auch Donalds Alter Ego Phantomias wurde dort kreiert. Die Trennung von Donald- und Micky-Geschichten wurde später ebenso aufgehoben wie der Wechsel zwischen farbigen und schwarzweißen Seiten - nicht zum Entzücken aller Donaldfans, die Micky oft langweilig finden. Trotzdem etablierten sich die Bücher: Seit dem Band 119 erscheinen sie monatlich. Von der Originalität und dem Sprachwitz der älteren Bände ist bei den jüngeren nicht viel geblieben. Waren die Geschichten früher immer von leiser Ironie grundiert, besteht der aktuelle Band überwiegend aus kruden Storys, selbst das Niveau der Zeichnungen erreicht nur selten das früherer Zeiten.
Da wünscht man sich doch wieder jenes gute alte Entenhausen zurück, bei dem sich trotz (oder wegen) seiner festgefügten Strukturen manche Analogien zur Jetztzeit aufdrängen: Nicht nur die, dass der schnöselige Gustav Gans als Sprachorgan der Bessergestellten auftritt wie Guido Westerwelle: In Band 69 lässt Dagobert zur Kontrolle seiner Buchführung ein riesiges "Elektronengehirn" installieren, dessen Gehäuse die Panzerknacker nutzen, um seinen Geldspeicher anzuzapfen. Für die Entstehungszeit 1980 erscheint diese Metapher auf Computerkriminalität geradezu prophetisch. Und wenn alle Vermögenden ihr Geld nicht den Banken anvertraut, sondern wie Dagobert eingelagert hätten, gäbe es auch keine Bankenkrise. Überhaupt: angesichts der Fantastilliarden, die in seinem Geldspeicher lagern, liegt doch die Lösung der Wirtschaftskrise auf der Hand: Entenhausen muss in die EU. Stellt sich bloß die Frage: Wie berechnet sich der Wechselkurs von Taler und Euro?
Ich war früher auch ein großer Fan des LTB, habe es dann aber lange Jahre nicht mehr gekauft. Irgendwann erschien dann eine Jubiläumsausgabe (Nr. 325 zum 70. Geburtstag von Donald). Also habe ich gedacht, schaust Du mal wieder rein. Was da zu sehen war, hat mich entsetzt. Lieblos gezeichnete, fast ins fratzenhafte abdriftende Figuren... Als Erholung von dem Schock musste ich erst mal ein paar alte Bände rauskramen... Seither kaufe ich nur noch Carl Barks, Don Rosa & Co.
MRZ
10
10:46 Uhr, geschrieben von Stefan Fleischer
Disneys "Lustige Taschentücher" Jubiläum bei Donald & Co.
Der Artikel ist weitestgehend richtig, nur ein Fehler hat sich eingeschlichen: Ab Band 119 wurde das Buchrückenmotiv eingeführt, monatlich erschien es allerdings erst ab Band 143! Da ich alle 400 Bände in meinem Regal stehen habe, und seit meiner frühesten Kindheit Fan von Donald & Co bin, kann ich das so nicht stehen lassen. Auch wäre noch zu erwähnen, dass im Band Nummer 120 das erste "Choice" Comic abgedruckt war (in dem der Leser die Möglichkeit hatte, an mehreren Punkten der Geschichte die Handlung nach unterschiedlichen Entscheidungen weiterlaufen zu lassen). Bisher gab es sechs solcher Geschichten.
MRZ
09
09:31 Uhr, geschrieben von Jürgen
Donald Duck
Schön geschrieben, mit viel Ironie. In der Tat sind die älteren Ausgaben der Taschenbücher die besten, also die Bände mit ein- und zweistelligen Nummern. Immer wieder lesenswert! Und ich gehöre zu denen, die mit Micky Maus und Goofy nie viel anfangen konnten, Donald Duck und seine Brut samt Dagobert, Dorette, Daisy usw. aber immer köstlich fanden.
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