Ditzingen - Die Rathausverwaltung will freiwillig mehr Aufgaben übernehmen. Nicht dass sie nicht schon genug hätte und nicht wie andere Kommunen landauf, landab bisweilen über die zunehmende Last bei ausbleibendem finanziellen Ausgleich murren würde. Aber dennoch will sich der Bürgermeister und CDU-Kreisrat Ulrich Bahmer im Landratsamt dafür stark machen, Delegationsgemeinde auch für das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes zu werden. Sie ist es bisher bereits für Sozialhilfe und Grundsicherung. „Es ist sinnvoll, wenn es aus einer Hand von uns aus bearbeitet wird, weil das Landratsamt auch nicht weiß, wer Wohngeld bezieht“, erklärt der Ditzinger Rathaussprecher Guido Braun.
Das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes soll – etwa im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitssuchende – Kinder und Jugendlichen eine Teilnahme an Angeboten von Nachhilfe, Musikschule, Klassenausflügen oder Mittagessen in Hort und Schule ermöglichen. Das Bundessozialhilfegesetz gestattet den Landkreisen, kreisangehörige Kommunen für die Erfüllung von Sozialhilfeaufgaben heranzuziehen.
Bisher ist jedoch offenbar noch keine Stadt oder Gemeinde im Kreis Ludwigsburg mit einem Wunsch in Bezug auf das Bildungs- und Teilhabepaket an den Landrat Rainer Haas herangetreten. Man werde einen entsprechenden Antrag, so er denn im Kreishaus eingegangen ist, wohlwollend prüfen, meint dessen Sprecherin Stephanie Mayer grundsätzlich. Konkret dazu äußern will sich die Behördensprecherin nicht, ehe der Antrag tatsächlich vorliegt. Allerdings arbeite man im Bereich der Sozialhilfe bereits gut mit den Ditzingern als Delegationskommune zusammen, so Mayer.
Kreisweit einzigartig
Es wäre kreisweit also ein Novum, doch das schreckt den Sozialbürgermeister Ulrich Bahmer nicht, die Argumente für das Delegieren auch dieses Bereichs ins Feld zu führen. Bedeute dies aus seiner Sicht doch die konsequente Fortführung des bereits eingeschlagenen Weges. Das Bestehende soll ausgedehnt werden. „Die Basis bilden dabei Angebote, die wir für sinnvoll halten“, meint Bahmer. Von der Maßnahme, die innerhalb der Stadt mit der Schärfung des sozialen Davon einhergeht, profitieren die Bürger. Unklar ist, ob es sich als Standortfaktor im Werben um Neubürger auswirkt.
Vor diesem Hintergrund ist auch die Zusammenlegung von städtischer Sozialstation und der gemeinnützigen Gesellschaft So.Di zu verstehen. Diese „Non-Profit-Organisation“, wie sie der Oberbürgermeister Michael Makurath bezeichnet, bietet haushaltsnahe Dienstleistungen an– von Blumengießen bis Kinderbetreuung. „Zwei Anbieter, zwei Rechnungen – das versteht der Kunde nicht“, verweist Bahmer auf das komplizierte Verwaltungsverfahren in der Vergangenheit. Die Stadt selbst kann durch die Zusammenlegung teure Doppelstrukturen vermeiden und dafür anderweitig investieren. Denn die Aufgaben gehen ihr nicht aus. Nicht dass die Mitarbeiter ihren Einsatzbereich auf Nachbarorte ausdehnten. Laut Bahmer ist es im ambulanten Bereich ein ungeschriebenes Gesetz, nicht in den anderen Kommunen zu „wildern“. Und über mangelnde Kundennachfrage können sich die Ditzinger ohnehin nicht beklagen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte die SoDi 200 Kunden, darunter 70 Bewohner mit einem Hausnotrufanschluss. Die Nachfrage im Vergleich zum Geschäftsjahr 2009 war um mehr als das Doppelte gestiegen.
Statt also auf Kundenfang zu gehen, will Bahmer neue Aufgabenbereiche erschließen. Im SoDi-Aufsichtsrat bereits diskutiert wird ein Angebot einer Wohnumfeldberatung in Kooperation mit Architekten.

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