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Ditzingen Entlang der Schienen in die Zukunft

Franziska Kleiner, 22.10.2012 11:13 Uhr

Ditzingen - Der Wettbewerb um das Bahnhofsareal in Ditzingen ist entschieden. Die eigentliche Arbeit fängt jetzt jedoch erst an. Gefordert sind nun zuerst die Stadträte, sie müssen in ihrer November-Sitzung beschließen, ob sie der Entscheidung des Preisgerichts folgen und den siegreichen Entwurf umsetzen wollen. Nach der Entscheidung für das städtebauliche Konzept sind die Planer der Stadt sowie die Architekten des Entwurfs – mutmaßlich die Wettbewerbssieger, also das Freudenstadter Büro Lieb und Lieb – am Zug. Schließlich ist der Entwurf vor allem eine Idee, die nun mit den konkreten Anforderungen, mit der Praktikabilität abgestimmt werden muss. Die große Kunst werde es sein, die Idee, also die „wesentlichen Punkte, herauszuarbeiten und über die Realisierbarkeit zu retten“, sagt der Leiter des Stadtbauamtes, Oliver Ullrich.

Acht Stunden lang hatte das Preisgericht unter dem Vorsitz des Architekten Franz Pesch getagt. In dessen Vertretung würdigte der Architekt Gerd Baldauf bei der Bekanntgabe des Siegers die ersten drei Preisträger. Der Erstplatzierte habe überzeugt, auch weil er nicht zusammen hängende, sondern kleinere, überschaubare Kuben beidseits der Gleise geplant habe. Weil sie von dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude abgesetzt seien, käme dem Bahnhof auf diese Weise eine größere Bedeutung zu. Im Westen ist außerdem der Busbahnhof geplant, der allerdings größer ausfallen müsse, als bisher vorgesehen, so die Jury. Auch geplant ist die Ansiedlung eines Hotels sowie ein Einkaufsmarkt.

Bis das Gelände, das als letztes städtebauliches Filetstück gilt, umgestaltet ist, wird einige Zeit vergehen. Der Oberbürgermeister Michael Makurath rechnet mit fünf Jahren. Der Bahnhof wird im laufenden Betrieb von Bahn und Bus umgebaut. Zunächst ist geplant, die vier Hektar große Fläche an den Investor, die Marquardt Projektentwicklungsgesellschaft zu verkaufen. In dem Investorenwettbewerb waren Architekten und Investoren als Team angetreten. Die Entscheidung des Preisgerichts, in dem neben dem OB und Stadträten auch bundesweit renommierte Planer saßen, war nicht einmütig gefallen. Bei Platz zwei bemängelte die Jury die Baukörper, die „zu hart“ seien, so Baldauf. Beim dritten Preisträger missfiel ihr eine Diskrepanz zwischen „Architektur und innerem Gefüge“.

Für alle Planer hatte sich die selbe Schwierigkeit ergeben: Bahnhofsareale seien „lang schmal und hässlich“ so Baldauf. Auch in Ditzingen sei es ein „schmales Band“, auf dem „viele Funktionen untergebracht werden müssen“. Gleichwohl komme dem Bahnhof eine besondere Bedeutung zu, wenn Reisende dort in der Stadt ankommen würden: „Es gibt nur einen ersten Eindruck von einer Stadt.“

Wenngleich es bisher nicht als wahrscheinlich gilt – da die Beteiligten grundsätzlich gewillt sind, den Siegerentwurf weiterzuverfolgen – hat der Gemeinderat am 20. November die Möglichkeit, sich für einen anderen Entwurf zu entscheiden. Der OB spricht deshalb auch von einem – nach der Wettbewerbsentscheidung – „zweiten Meilenstein“, wenn das Gremium das Ergebnis der Jury diskutiere. Der OB hatte bei der Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses auf die Bedeutung hingewiesen, die das sieben Fußballfelder große Areal für die Stadt habe. Denn „mit dem Bahnhof hat einst die Entwicklung Ditzingens begonnen, „die bis heute anhält“.

Der Bahnhof gilt als Knotenpunkt der Stadt. Schließlich kommen dort täglich 7000 Menschen an oder fahren dort weg. Gleichwohl habe der Bahnhof „in seiner städtebaulichen Qualität ein wenig verloren“, sagte Michael Makurath. Er verwies auf die Scharnierfunktion des Gebiets. Es liegt zwischen dem Innenstadtcarrée, also dem Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort nördlich der Bahnlinie, sowie dem Gewerberstandort südlich der Gleise. Nicht zuletzt weil die Zahl derer, die mit der S-Bahn anreisen, mit neuen Industrieansiedlungen wie Thales „stark zunehmen“ werde, hat Michael Makurath die Hoffnung, die Kaufkraft stärker als bisher an den Ort zu binden. Bisher fließen 70 Prozent der Kaufkraft ab.

Um nicht nur schöne, sondern auch realisierbare Pläne zu erhalten, hatte sich die Stadt für einen Investorenwettbewerb entschieden – erstmals in ihrer Geschichte. Dabei treten Architekten und Investoren im Team an. Die Leistungsfähigkeit des Investors war ein Wettbewerbskriterium. Um die sieben Fußballfelder große Fläche uneingeschränkt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, hatte die Stadt Anfang des neuen Jahrtausends begonnen, nach und nach das gesamte Areal zu erwerben. Außerdem wurde es in ein Städtebau- Sanierungsprogramm aufgenommen.

Die Projektkosten werden auf 15 Millionen Euro geschätzt. Davon entfallen fünf Millionen Euro auf die Stadt und die Bahn, zehn Millionen auf private Geldgeber.