Dividendenstreit in Friedrichshafen Gewerkschaft spricht von Bereicherung

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Die IG Metall in Friedrichshafen warnt davor, dass das Friedrichshafener Rathaus mit Hilfe einer Dividendenerhöhung mehr Geld aus dem Unternehmen ZF AG abzieht.

Enzo Savarino, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, sitzt für die Arbeitnehmerseite  im Aufsichtsrat der ZF. Er übt heftige Kritik an der Stadt Friedrichshafen. Foto: dpa
Enzo Savarino, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, sitzt für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der ZF. Er übt heftige Kritik an der Stadt Friedrichshafen. Foto: dpa

Friedrichshafen - Seine Stellungnahme zur Dividendenerhöhung bei der Zeppelinindustrie in Friedrichshafen hat sich Enzo Savarino mehrere Tage lang überlegt. Er ist nicht nur 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, sondern er sitzt für die Arbeitnehmerseite auch im Aufsichtsrat der ZF.

Eine in diesen Tagen schwierige Nebenfunktion, denn bei der ZF trifft er regelmäßig auf den Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand, den Vorsitzenden des Stiftungsrats der Zeppelin-Stiftung. Dieser war die prägende Figur beim Beschluss der Unternehmensgesellschafter, die Dividende der Firma von 50 Millionen Euro jährlich auf 160 Millionen zu erhöhen. Anstatt die Dividende wie bisher von der Höhe des Stammkapitals abhängig zu machen, soll sie künftig an die Jahresgewinne gekoppelt werden. 18 Prozent nach Steuer sollen die Stiftungsunternehmen künftig abführen.

Abkehr von der „Philosophie des Ausgleichs“

Trotz der Möglichkeit, dass die nächste Begegnung mit Brand frostig verläuft, äußert Savarino nun heftige Kritik – und beschreibt die Forderungen der Arbeitnehmer, was die Zukunft anbelangt. Laut Savarino hat die Nachricht von der stark erhöhten Gewinnabschöpfung bereits Wirkung bei der Belegschaft gezeitigt. Allein am Stammsitz in Friedrichshafen sind 8800 Menschen beschäftigt. Unter ihnen verstärke sich die „Furcht“, so der Gewerkschafter, dass sie „noch mehr Leistungsdruck ausgesetzt werden, das erreichte Niveau der Arbeitsbedingungen infrage gestellt wird und besonders, dass erforderliche Investitionsentscheidungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung erschwert oder nicht getätigt werden“. Es habe sich an den Produktionsbändern „der Eindruck verstärkt, dass sich viele auf Kosten der Beschäftigten nun bereichern“. Die Vorstandspolitik bewege sich immer weiter weg von der „Philosophie des Ausgleichs“, von der die Stiftungskultur bisher geprägt gewesen sei.

Die Enttäuschung der Beschäftigten ist laut Savarino umso größer, als erst im September 2016 ein Sparprogramm durchgesetzt worden sei, das auch den Standort Friedrichshafen betreffe. Dazu gehört unter anderem, dass die diesjährige Tariflohnerhöhung in Höhe von zwei Prozent mit übertariflichen Zulagen verrechnet wurde. Im Gegenzug erhielten die Mitarbeiter eine einmalige Ausgleichszahlung und eine Beschäftigungsgarantie am Stammsitz bis Ende 2022. Der Beginn des Sparprogramms hatte praktisch dasselbe Datum wie die Gründung der gemeinnützigen Ferdinand-Gesellschaft auf Beschluss des Gemeinderats von Friedrichshafen.

Die Gewerkschaft will wachsam bleiben

Die IG Metall könne, so Savarino, den Zugriff der Gesellschafter nicht verhindern. Aber seine Gewerkschaft wolle künftig dafür kämpfen, „dass erforderliche Investitionen nicht gefährdet werden“.