Dozent in Ludwigsburg sorgt für Ärger Entsetzen und Unverständnis unter den Lehrern

Von Claudia Bell 

Was eigentlich lustig gemeint war in seinem Buch, ging gewaltig nach hinten los. In einem Interview lästerte der Pädagoge Manfred Overmann über Gemeinschaftsschüler und erntet nun harsche Kritik.

Von eifrigen Schülerinnen wie dieser hat der Pädagoge Manfred Overmann in seinem  Interview nicht gesprochen. Foto: dpa
Von eifrigen Schülerinnen wie dieser hat der Pädagoge Manfred Overmann in seinem Interview nicht gesprochen. Foto: dpa

Ludwigsburg - Ob er sich das so vorgestellt hatte, als er seinen teilweise autobiografischen Roman verfasste und dieser Zeitung ein Interview dazu gab? Sicher nicht – doch nun hat Manfred Overmann, Dozent an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg, von den Lesern ein durchweg negatives Echo auf seine Aussagen erhalten. In dem von ihm zum Abdruck freigegebenen Interview spricht Overmann freimütig über seine Erfahrungen an einer Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Siegen Anfang der 90er Jahre und lässt kein gutes Haar an seinen ehemaligen Zöglingen. Mangelnder Respekt, unflätiges Benehmen und wenig Lust auf Lehre seien an der Tagesordnung gewesen, klagte er.

Pädagogen und Schüler sind entsetzt

Pädagogen und Schüler sind entrüstet über Overmanns harsche Worte. Er sei entsetzt über das Bild der Gemeinschaftsschule, das der Dozent zeichne, sagt etwa Norbert Zeller. „Die Aussagen sind skandalös und nicht zu akzeptieren“, betont der ehemalige Leiter der Stabsstelle für Gemeinschaftsschulen und Inklusion am Kultusministerium. Er halte es für äußerst bedenklich, dass jemand mit einem solchen Menschenbild an einer Hochschule für künftige Lehrer unterrichte. Dass allgemein im Schulbetrieb nicht immer alles rund laufe, sei klar; hier werde aber eine ganze Schulart zu Unrecht verunglimpft. Zudem gebe es immer Kinder, die aus einem zerrütteten Elternhaus kämen, dafür aber ja nichts könnten. „Und genau bei solchen Kindern hat die Lehrkraft einen besonderen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu leisten – das hat Herr Overmann offenbar nicht kapiert“, sagt Norbert Zeller. Nicht nur an den Gemeinschaftsschulen werde eine hervorragende Arbeit geleistet.

Pädagogen auf Augenhöhe

Das sieht auch Matthias Wagner-Uhl aus Neuenstein (Hohenlohekreis) so. Er ist Schulleiter einer Gemeinschaftsschule und der Vorsitzende des Vereins für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. „Die Aussagen von Herrn Overmann sind unangemessen, und es wundert mich sehr, dass gerade er angehende Lehrer unterrichtet.“ Natürlich herrsche an einer Gemeinschaftsschule große Heterogenität unter den Schülern, die Herausforderungen an die Lehrkräfte seien durchaus hoch. „Wenn aber ein Pädagoge auf Augenhöhe mit den Schulkindern bleibt, hat er auch Spaß an seinem tollen Beruf.“

Overmann selbst sieht sich in dem Interview nur einseitig wiedergegeben. „Die Anekdote mit dem Furz muss herhalten und erweckt den Eindruck, dass es in Siegen jeden Tag so zugegangen sei und ich die Schule als eine einzige Kloake empfunden hätte“, beschwert er sich. Er habe die Anekdote ganz anders gemeint und sie in seinem Buch auf einem „hohen, literarischen und fast schon philosophischen Niveau“ dargestellt. Im Übrigen habe er in seinem Buch nicht die Gemeinschaftsschüler kritisiert, sondern die Tatsache, dass diese Schulart im theoretischen Ansatz gut sei, politisch teilweise aber nicht vernünftig umgesetzt werde.

Schüler finden Overmanns Worte ungerecht

Auf Entrüstung und Widerspruch treffen die Aussagen Manfred Overmanns auch bei den Zehntklässlern der Blankenstein-Gemeinschaftsschule in Steinheim. „Wir finden es nicht gerecht, dass Sie alle Schüler der Gemeinschaftsschule über einen Kamm scheren“, schreiben sie in einem Leserbrief (siehe „Leserforum“ unten). „Wir Schüler können sagen, dass wir Lehrern, die uns wertschätzen, respektieren und ernstnehmen, auch den gleichen Respekt entgegenbringen.“

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Wir Schüler können sagen, dass wir Lehrern, die uns wertschätzen, respektieren und ernstnehmen, auch den gleichen Respekt entgegenbringen.“ : Da kenne ich aber ganz andere Aussagen von ehemaligen Lehrerinnen, die in der Lerchenrainschule in Stuttgart von Migrantenschülern als Christenvotzen bezeichnet wurden.So viel zum Respekt und zur Wertschätzung.Vielleicht haben sie den Mumm, STZ, dies auch so zu veröffentlichen,wie ich es geschrieben habe.

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