Dschungelcamp-Kolumne, Tag 13 Im Urwald brennt die heiße Luft

Von Thomas Hörner 

Das Unwichtigste zuerst: Brigitte Nielsen, die Dschungelkönigin der sechsten Staffel, ist raus. Der Rest der Schlangenmeute heuchelt - abgesehen vom lieben Menderes - wie immer Betroffenheit.

Dr. Bob erklärt DSDS-Heulboje Menderes die Dschungelprüfung. Foto: RTL / Stefan Menne 6 Bilder
Dr. Bob erklärt DSDS-Heulboje Menderes die Dschungelprüfung.Foto: RTL / Stefan Menne

Stuttgart - Die eigentliche Sensation aber ist dies: Mit ihrem Votum haben die Zuschauer ein Bekenntnis zum Krieg abgegeben. Sonst hätten sie Thorsten oder Helena den Laufpass geben müssen.

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" hat sich in der zehnten Staffel als ein gewaltiger Menschenversuch erwiesen. Die RTL-Produktion verlangt physisches und psychisches Durchhaltevermögen - vor allem von den Zuschauern. Die Werbepausen sind im Vergleich zum Hauptprogramm ein Quell an Inspiration. Das muss sich bis in den australischen Urwald herumgesprochen haben.

Billige Späße

Anders lässt es sich nicht erklären, dass Helena Fürst, im Hauptberuf Doku-Soap-Darstellerin, und Thorsten Legat, im Hauptberuf Ex-Fußballer, einen Streit vom Zaum brechen - oder müsste es angesichts der Umgebung nicht "vom Baum brechen" heißen? Aber lassen wir die billigen Späße, zu lachen gibt es auf beiden Seiten der Mattscheibe nichts.

Noch gehen die Streithähne nur verbal aufeinander los, aber dabei muss es nicht bleiben. Immerhin vertraut Helena einer ihrer Busenfreundinnen an: "Als Teenager war ich impulsiv." Da habe sie "durchaus den Jungs auch mal auf die Gosch gehauen". Gut, man darf nicht zu viel erwarten, sowohl die schmallippige Helena als auch der sprechende Muskel Thorsten sind keine ausgebildeten Schauspieler. 

Bewerbung für eine Doku-Spoap

Wenn Helena sagt "Thorsten, lass die blöden Bemerkungen. Du bist für mich ein ganz falscher Mensch. So einen Menschen würde ich nie in meine Wohnung zum Promi-Dinner einladen", dann klingt das, als wolle sie sich damit für eine neue Doku-Soap bewerben. Womöglich stammen die Sätze auch von einer solchen. Worum es bei dem ganzen Gezerfe geht? Weiß kein Mensch.

Auf jeden Fall wirft Helena Thorsten Frauenfeindlichkeit vor. Thorsten kontert elegant mit der Logik eines Ex-Fußballprofis, der den einen oder anderen Kopfball zu viel abbekommen hat: Er, ein Frauenfeind? Das könne nicht sein, schließlich habe er mitansehen müssen, wie sein Vater seine Mutter verprügelt habe. Später rudert er zurück: Sein Vater habe wenigstens Charakter gehabt, anders als diese Helena.

Spaßfaktor: Wir vergeben einen Stern von fünf möglichen. Und der gebührt dem lieben Menderes, mutmaßlich dem einzigen menschlichen Wesen in der Schlangengrube. Gleich dazu mehr.

Höhepunkt: Der liebe Menderes, der für seine Leute die Sterne aus dem Ekellabor holt, erweist sich als Rechengenie. Thorsten erzählt, wie das war, als er beim Mannschaftsfoto auf Schalke die Hose bis zum Stehkragen hochgezogen hat. 1000 DM habe er von seinen Mannschaftskameraden dafür bekommen. Vom Vereinspräsidenten Rudi Assauer sei er dann aber mit 20.000 DM zur Kasse gebeten worden. Menderes, wie aus der Pistole geschossen: "Also hat sich das nicht gelohnt, dass Du das gemacht hast." Wir haben's nachgerechnet: Stimmt!

Tiefpunkt: Wer mag einen Tiefpunkt ausmachen bei einer Schmierenkomödie, bei der so ziemlich alles darniederliegt?

Beste Sprüche: siehe unten, peinlichste Momente.

Peinlichste Momente: Im Grunde könnte man jeden Satz zitieren, der zwischen Helena und Thorsten gefallen ist. Eine echte Perle ist dies: "Du bist ein Protagonist", wirft Helena Thorsten vor. "Du hast Protagonistenerfahrung. Ich bin ein RTL-Gesicht." Wenn wir nicht irren, ist Protagonist ein anderes Wort für Hauptdarsteller. Wir lernen daraus: Geh nie ohne Fremdwörterlexikon in den Urwald. Ein Traum auch, wie Thorsten auf Rache sinnt: "Ich müsste sie eigentlich anzeigen." War das eine Bewerbung für eine Gerichts-Soap?

Dschungelbewohner des Tages: Da sich dieses Mal kein Getier ins Camp verirrt hat, fällt unser Wahl auf den lieben Menderes. Ein schlichtes Gemüt zwar, aber irgendwie auch ein netter Kerl. Muss raus: Eigentlich wäre die frontlastige Puffbetreiber-Gattin Sophia Wollersheim an der Reihe gewesen. Aber wer einen Rülpser mit der Bemerkung "Mir kommen die Hoden von gestern hoch" garniert, sollte noch eine Chance bekommen. Also fällt die Wahl an den faden Jürgen Milski, auf dass er die Schnapsnasen vom Ballermann mit seinem rheinischen Frohgesang beschalle oder wieder in der Versenkung eines viertklassigen Privatsenders verschwinde.

Alle Infos zu 'Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!' im Special bei RTL.de

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