DTB-Pokal in Stuttgart Olympischer Aufschwung

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Die Olympischen Spiele 2016 in Rio machen’s möglich. Das fußball-begeisterte Brasilien hat plötzlich auch im Turnen Erfolg, wie aktuell beim DTB-Pokal in Stuttgart.

Brasilianer können nicht nur Fußball:  Sergio Sasaki, hier imTrikot des    MTV Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann
Brasilianer können nicht nur Fußball: Sergio Sasaki, hier imTrikot des MTV Stuttgart.Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Für so einen bulligen Typen hat der brasilianische Turner Sergio Sasaki einen ganz schön sanften Händedruck. Vielleicht ist es aber auch mehr Ausdruck seiner zurückhaltend-höflichen Art, die bei ihm auch genetisch bedingt sein mag. Sein Nachname verrät es ja schon ein bisschen: Sasaki ist die Nummer 14 auf der Liste der am meisten verbreiteten japanischen Nachnamen. Der Vater von Sergio Yoshio Sasaki Junior, wie er mit vollem Namen heißt, ist zu drei Vierteln Japaner.

Japanische Gene sind beim Turnen von Vorteil. Doch auch die brasilianischen Athleten ohne asiatische Einflüsse sind auf dem aufsteigenden Ast, was sie mit Platz sechs bei den Weltmeisterschaften 2014 und dann auch am Freitag zum Auftakt des 32. DTB-Pokals in der Stuttgarter Porsche-Arena gezeigt haben. In der Qualifikation der Team Challenge, dem Nebenwettbewerb des Weltcups, erreichte die Mannschaft um den Ringe-Olympiasieger Arthur Zanetti in einem gut besetzten Teilnehmerfeld den vierten Platz. Das reichte gerade so für den Einzug ins Finale, das an diesem Samstag (15.30 Uhr) nach dem Weltcup der Frauen (12.30 Uhr) ausgetragen wird.

Sergio Sasaki ist erst am Sonntag (12.30 Uhr) dran, beim Weltcup der Männer. Was er drauf hat, hat er aber schon kürzlich unweit von Stuttgart gezeigt. Beim Bundesligafinale in Karlsruhe hatte der kurzfristig verpflichtete 22-Jährige als Topscorer maßgeblichen Anteil am Kantersieg des MTV Stuttgart, der nach einer zwölfjährigen Durststrecke wieder den Titel in die deutsche Turnhauptstadt Stuttgart brachte.

Sergio Sasaki hat das Ganze so gefallen, dass er das MTV-Team auch in der nächsten Saison verstärken möchte. „Er hat noch ein riesen Steigerungspotenzial“, sagt der Stuttgarter Trainer und Turnierdirektor Valeri Belenki, der dem Brasilianer auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro viel zutraut: „Ich würde bei ihm nichts ausschließen.“ 2012 in London erreichte Sergio Sasaki als erster Brasilianer das olympische Mehrkampffinale und landete auf Rang zehn. Arthur Zanettis Gold an den Ringen bedeutete sogar die erste olympische Turnmedaille für das fußballverrückte fünftgrößte Land der Welt.

Beim DTB-Pokal ist auch Ricardo Leyser mit dabei, der Sekretär für Leistungssport des brasilianischen Sportministeriums. Es ist Teil seiner persönlichen Olympiavorbereitung inklusive eines Besuchs bei der Firma Spieth in Altbach, von der die Rio-Turngeräte kommen. „Wir wollen ein nachhaltiges Erbe hinterlassen, indem wir eine neue Kultur und Infrastruktur in Sportarten wie Turnen schaffen“, sagt Ricardo Leyser. „2020 könnte für uns deshalb noch viel besser werden als 2016.“

Seit 2010 gibt es in Brasilien ein Olympia-Förderprogramm. Seit 2012 fließt jährlich eine Milliarde Real (rund 315 Millionen Euro) in 15 Sportarten. Arthur Zanetti erhält als Medaillengewinner monatlich 15 000 Real (etwa 4700 Euro), Sergio Sasaki 11 000 Real (knapp 3500 Euro). Steuerfrei. „Wir wollen unter die ersten zehn des Medaillenspiegels“, sagt Ricardo Leyser.

Die Turner erinnern mit ihrem Aufschwung ein wenig an die mittlerweile in der Weltspitze etablierten Briten, die in London 2012 Bronze im Teamwettbewerb holten. Am Zuckerhut bringen wie auf der Insel osteuropäische Fachkräfte ihr Knowhow ein, wie der 2011 als Chefcoach verpflichtete Weißrusse Vladimir Vatkin oder die russische Legende Alexander Alexandrov seit 2013 als Frauen-Nationaltrainer.

Zurzeit entstehen zudem jede Menge neue Hallen für den Leistungs- und auch für den Breitensport. Das ist auch gut so, findet Sergio Sasaki. Er musste mangels einer adäquaten Trainingsstätte bisher mit seinem Trainer Renato Araujo viel auf Reisen gehen und andernorts üben wie in Cancun, Kienbaum (bei Berlin) oder Tokio.

„Bei uns gibt es beispielsweise keine Klimatisierung. Es ist wirklich schwierig, ich brauche endlich ein gute Trainingshalle“, sagt der 22-Jährige. Er glaubt, dass er auch deshalb von der WM 2013 zur WM 2014 zwei Plätze eingebüßt hat (von Rang fünf auf Rang sieben) anstatt zwei gutzumachen. Eine Medaille ist und bleibt trotz allem sein Ziel für Rio 2016. Hoffnung macht ihm da die für 14. Januar vorgesehene Eröffnung des neuen nationalen Trainingszentrums im olympischen Park. Am Sonntag geht der Brasilianer mit dem japanischen Nachnamen aber erst einmal in der Stuttgarter Porsche-Arena an die Geräte.