E-Bikes Ein Jungunternehmer hilft Smart in den Sattel

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Die kleine Firma Grace aus Brandenburg baut künftig E-Bikes für den Daimler-Konzern. Im August wird das erste Smart-Bike präsentiert.

 Quelle: Unbekannt
Quelle: Unbekannt

Stuttgart - Die alte Wehrmühle in Biesenthal liegt direkt am Radweg von Berlin nach Usedom. Ein Naturidyll, mitten im Grünen, mit schöner Aussicht in das angrenzende Bachtal, auf Wiesen und Wälder. Für Michael Hecken der richtige Ort, einen Neustart zu wagen. Schon mit 22 Jahren gründete der Rheinländer seine erste Internetfirma in London, die zeitweise 65 Leute beschäftigte. Große Kunden wie T-Mobile zählten zu den Stammkunden für Websites und Online-Programme. Dann kam die Dotcom-Krise. Auch Heckens Firma musste kräftig schrumpfen, als die erste Internetblase platzte. Hecken gab den Chefposten ab.

Nordöstlich von Berlin hat der Betriebswirt eine neue Heimat gefunden. Er erwarb die verfallene alte Mühle mit einigem Land am Naturschutzgebiet, baute sich darin ein schickes Loft - und arbeitete an seiner zweiten Karriere. Zunächst verkaufte der Neu-Brandenburger einige Zeit Biomasse-Heizkraftwerke. "Dann kam mir auf einer Radtour von Bernau hierher die Idee, ein perfektes Bike zu bauen, sportlich, mit tollem Design und schnellem Elektroantrieb", erinnert sich der Naturliebhaber. Die Idee war geboren. Mitdem bekannten Fahrradkonstrukteur Karl-Heinz Nicolai aus Lübbrechtshausen bei Hannover fand sich bald ein engagierter Mitstreiter. "Das war natürlich ein Glücksfall", sagt Hecken. Beide gründeten nach einigem Vorlauf die Firma Grace, die nun gerade mal ein Jahr alt ist, doch schon einen guten Anfangserfolg vorweisen kann. Bereits tausend Elektroräder wurden bisher verkauft, zu Preisen von rund 4000 Euro aufwärts.

Grace besetzte die Marktlücke bewusst

Die Räder werden von einer großen deutschen Radfabrik montiert, ein kleines Kernteam arbeitet in Berlin-Mitte. Das erste Modell, eine Kleinserie mit handgefrästem Aluminiumrahmen, kostete sogar 8000 Euro pro Stück. "Das sind schon heute Sammlerobjekte, die vielleicht einmal viel Geld beim Wiederkauf bringen", meint Hecken und schmunzelt. "Verkaufen konnte ich schon immer gut", sagt der 35-Jährige. Sein Loft vermietet er gerne mal für Hochzeiten und Veranstaltungen. Prospekte, Fotos und Videos produziert das kleine Unternehmen selbst.

Die in Berlin und dem Umland gedrehten Werbespots mit dem bis zu Tempo 45 schnellen Grace E-Motorbike hatten vor allem auf der Internet-Plattform viele Klicks und weltweite Aufmerksamkeit zur Folge - auch bei großen Konzernen. Ganz bewusst besetzte Grace zunächst ein Marktlücke. "Man muss provozieren, um aufzufallen, das ist ganz klar", sagt Hecken. Die Testfahrer flitzen im Werbefilm ohne Helm durch die Stadt und über Radwege rund um Biesenthal - obwohl beides verboten ist. Denn für ein Zweiräder mit Antrieb und mehr als 25 km/h sind Helm, Versicherung, Kennzeichen und Führerschein Pflicht. Und auf Radwegen haben solche Fahrzeuge eigentlich nichts verloren.

Im September folgt das erste Smart-Bike

Das nächste Modell, das im September auf den Markt kommen soll, wird nun ein klassisches Elektrofahrrad sein, dessen Antrieb bei Tempo 25 abgeschaltet wird. Auf der Branchenmesse Eurobike in Friedrichshafen aber wird am 31. August wohl ein anderes Fahrrad im Mittelpunkt stehen, das ebenfalls aus dem Hause Grace kommt: das erste Smart-E-Bike.

Vor einem Jahr hatte der Daimler-Konzern mit den Brandenburgern Kontakt aufgenommen. Und dann musste alles ganz schnell gehen. "In nur 70 Tagen haben wir mit den Smart-Designern den ersten Prototyp konzipiert und dann vorigen Oktober auf dem Pariser Autosalon vorgestellt", erzählt Hecken mit sichtlichem Stolz.

Die Flitzer sollen künftig in deutschalnd montiert werden

Derzeit stehen einige Elektroräder bei dem Stuttgarter Konzern auf dem Prüfstand und werden rundum getestet. Montiert werden sollen die Flitzer auch künftig in Deutschland. Sehr viel mehr darf er über die Liefer- und Kooperationsverträge mit Daimler nicht erzählen - und auch dort gibt man sich auf Anfrage noch recht einsilbig. Weder Stückzahlen noch Preise will man verraten. Nur den Verkaufsstart 2012 und die Vorstellung des ersten "seriennahen Modells" auf der Eurobike will ein Sprecher in Stuttgart bestätigen.

Denn die Konkurrenz schläft nicht. Bei der Mobilität der Zukunft gilt das Elektrofahrrad als fester Bestandteil, die Verkaufszahlen steigen schon jetzt rasant an, viele Anbieter arbeiten an Verkaufsstrategien. Anders als beim Auto ist die Batteriefrage halbwegs gelöst. Selbst beim bis zu 45 km/h schnellen und 32 Kilo schweren Grace-Flitzer reicht der große, im Rahmen verbaute Lithium-Ionen-Akkupack immerhin bis zu 60 Kilometer weit, wenn man den Antrieb sparsam einsetzt.

Grace-Chef Hecken erwartet für Elektroräder eine goldene Zukunft

Bei extremer Belastung, wie einer Bergfahrt oder ständigem scharfen Gegenwind, ist die Batterie indes schon nach 23 Kilometern leer - dann aber kann man immer noch mit den Pedalen weiterradeln. Beim Elektroauto geht das nicht.

Grace-Chef Hecken erwartet für Elektroräder eine goldene Zukunft. "Das wird ein riesiger Markt, das steht fest", sagt er. Denn die Megatrends - Klimaschutz, Ressourcenknappheit, Nachhaltigkeit - sprechen für den umweltfreundlichen Fahrradverkehr, besonders in den Städten.

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5 KommentareKommentar schreiben

Smart bikej: Alles schlauschwatzer, was glaubt ihr denn aus wieviel teilen ein Daimler gebaut wird die auch nicht von Daimler sind, ist doch auch egal, Hauptsache das eBike ist ein Renner. Habe es in paris gesehen, das ist ein Hammer, man konnte dort schon sehen und spüren, das wird ein Daimler.

Daimler pennt?: Offensichtlich nicht. Sieht so aus als würden die anderen pennen, sonst hätte es sich ja wohl ein anderes Unternehmen unter den Nagel gerissen. Und warum Daimler nicht mit Fahrrädern forscht? Vielleicht weil Daimler keine 2rad Sparte hat. Was Elektroangeht ist Daimler davon abgesehen ganz weit vorn dabei. Vielleicht einfach mal Fachjournals anstatt STZ, STN oder Bild lesen dann wäre man auch über aktuelle technische Stände und Entwicklungen informiert.

Ideenshopping: Das war auch mein Gedanke: warum ist Daimler nicht selber auf die Idee gekommen? Pennen die nur vor sich hin und kriegen gar nicht mit, was sich draussen in der Welt tut? Ein Armutszeugnis.

@Iris Kleinert: Die Strategie dahinter ist viel einfacher, als Sie denken: Jedes große Unternehmen ist ab einer bestimmten 'Masse' einfach zu träge geworden (Amöbeneffekt) und wabert um den eigenen Kern herum (kennt man auch bei Beamten). Stellt man nun fest, dass es eine Firma gibt, die einem gefährlich werden könnte (Konkurrenz) oder einem die Bilanz verschönen kann (Steuerersparnis) oder einem den Gewinn erhöhen kann (neues Marktsegment) oder aber - und das ist jetzt ganz neu - einem beim Aufpolieren des Images helfen kann (Green-Washing, Soziales/Ethisches Engagement), dann schluckt man den Mitstreiter (ebenfalls Amöbeneffekt). Die Gewinnmaximierer zerlegen nun den Betrieb, holen sich die Goldstücke und - Verzeihung - scheiden den Rest aus. Die Visionäre integrieren den Betrieb, um das Image nicht nur aufpolieren zu müssen, sondern ein einwandfreies Image (Markenwert) zu haben.

Mal eine blöde Frage....: ... kauft der Daimler-Konzern neuerdings alles nur noch 'zu'? Allmählich driftet dieses Vorgehen ins Armseelige ab. Es kann doch nicht sein, dass tausende Ingenieure in Untertürkheim und im Rest der Republik, sowas nicht selbst hinbekommen. Bei den E-Autos das gleiche Bild. Diese Anhängigkeit von extern in Grundlagenforschung von neuen Technologien, wird ganz schnell zum Bummerang. Wieder mal keine Strategie? Gegenwärtig die ganze Manpower in die Entwicklung von weiteren 500 PS-Boliden für den chinesischen Markt verplant? Dieser Konzern wirds glaub' nie lernen....

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