Ebelu in Stuttgart-Nord Die Schülerin mit dem Organisationstalent

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Die 17-jährige Anna-Luisa Karl ist Preisträgerin des Zonta-Clubs, weil sie sich in vielfältiger Weise innerhalb und außerhalb der Schule für ihre Altersgruppe engagiert.

Anna-Luisa Karl ist eine sehr engagierte junge Frau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Anna-Luisa Karl ist eine sehr engagierte junge Frau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

S-Nord - Der Lehrer eilt zum Unterricht ins nächste Klassenzimmer. Doch für die Begegnung mit Anna-Luisa Karl im Treppenhaus legt er einen kurzen Stopp ein: „Ich habe heute im Unterricht mit deinen Materialien gearbeitet“, sagt er anerkennend und schon ist er wieder weg. Die 17-jährige lächelt stolz. „Es freut mich, wenn mein Thema etwas in den Köpfen bewegt“, sagt sie.

Das Thema war Lebensmittelverschwendung und darüber hat die Schülerin am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium (Ebelu) eine Seminararbeit gemacht. „Ich habe dazu so ein kleines Kochbuch verfasst mit Tipps, was kann man mit altem Brot oder mit braunen Bananen noch machen kann“, erzählt sie. Keine Frage, dass Anna-Luisa Karl auch für diese Arbeit eine glänzende Zensur erhalten hat. Sie gehört zu jenen Schülerinnen mit einem Eins-Komma-Schnitt.

Einladung nach Berlin

Kürzlich wurde sie vom Zonta Club mit dem Preis Young Women in Public Affairs Award ausgezeichnet, weil sie mehreren Bereichen ehrenamtlich engagiert ist und man fragt sich, ob ihr Tag mehr als 24 Stunden hat. Seit zwei Jahren ist sie Schülersprecherin und hat 2016 im Ebelu das Projekt „Schule ohne Rassismus“ angestoßen. „Uns war es wichtig, dass sich das Thema auch gegen Mobbing und Ausgrenzung richtet“, erklärt sie. Die Schule soll damit ein Zeichen für Toleranz setzen. Dafür wird einmal im Schuljahr ein Projekt geplant – unter der Federführung der Schülersprecherin. Für alle Klassenstufen wurden Referenten eingeladen, die über die Diskriminerung in unterschiedlichsten Lebenssituationen – sei es eine Behinderung, eine HIV-Infektion oder Homosexualität – mit den Schülern diskutierten.

Für den Geschichtskurs in der Oberstufe hatte sie Axel Smend, den Vorstandsvorsitzenden der „Stiftung 20. Juli 1944“ für das Andenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus als Referenten gewonnen. „Er hat uns daraufhin zur Gedenkfeier an den 20. Juli nach Berlin eingeladen“, freut sie sich.

Führungen für Schüler

Für Geschichte brennt die 17-jährige. Vor gut zwei Jahren meldete sie sich für die Führungen in der Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ als Begleiterin von Jugendlichen. „Ich war eigentlich noch viel zu jung“, erzählt sie. „Aber ich las damals gerade das Tagebuch der Anne Frank.“ Anna-Luisa Karl wurde genommen und später schloss sie sich dem Team von „Lernort Geschichte“, einem Projekt der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, an und leitet Führungen mit Schülern zu den Orten der Judenverfolgung und Deportation in Stuttgart.

Botschafterin für Mitmachen Ehrensache

Ganz nebenbei ist sie Botschafterin für „Mitmachen Ehrensache“ an ihrem Gymnasium. An ihrer Schule vertritt sie die alljährliche Benefizaktion bei der Schüler einen Tag lang jobben und das verdiente Geld für soziale Zwecke spenden. Der Fachbeirat entscheidet im Vorfeld, welche Projekte bedacht werden sollen – und da mischt die Schülerin ebenfalls mit. Nicht zuletzt wurde sie kürzlich Landessiegerin beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

Musizieren zur Entspannung

Zur Entspannung spielt die Jugendliche Geige und Klavier. Deshalb geht sie zweimal pro Woche zum privaten Musikunterricht und hat trotzdem noch Zeit für Tennis. Das Geheimrezept des Energiebündels:„Mir fällt das Lernen nicht so schwer. Eigentlich reicht es, wenn ich Unterricht aufpasse“, sagt sie lachend. Die zweite von vier Töchtern muss auch zuhause mithelfen. Von ihrer berufstätigen Mutter habe sie gelernt, wie man sich organisiert. „Ich habe immer meine To-do-Listen“, verrät sie. Und die lassen anscheinend sogar noch Luft, für den Chinesisch-Sprachkurs.

Über die Auszeichnung durch Zonta, für die sie sich nach einem Vorschlag durch die Schulleiterin Karin Winkler beworben hat, freut sie sich mächtig: „Vor zwei Jahren erhielt eine Mitschülerin den Preis und ich habe sie dafür sehr bewundert.“ Jetzt hat sie ihn selbst erhalten.

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