Ebersbach Verein baut in Nepal ein Geburtshaus

Von Sabine Riker 

Das Nepal-Schulprojekt – Zukunft für Kinder will dafür sorgen, dass Frauen in der abgelegenen Gebirgsregion Humla ihre Kinder nicht mehr in der Ecke eines Stalls zur Welt bringen müssen. Ein anderes Projekt in Kathmandu hilft behinderten Menschen.

Behinderte Menschen werden in Nepal von keinem sozialen Netz aufgefangen. Foto: Vöhringer
Behinderte Menschen werden in Nepal von keinem sozialen Netz aufgefangen. Foto: Vöhringer

Ebersbach - Die Baugrube ist bereits ausgehoben. Im Herbst wird schon viel von dem neuen Geburtshaus zu sehen sein, das der Ebersbacher Verein „Nepal Schulprojekt – Zukunft für Kinder“ zurzeit in Humla, einer abgelegenen Region des Himalayastaates errichten lässt. Astrid Vöhringer, die Gründerin und Vorsitzende des Vereins, ist froh, wenn das Haus so schnell wie möglich eröffnen kann. Denn in Nepal ist die Mütter- und Säuglingssterblichkeit sehr hoch, weil die Frauen ihre Kinder nach alter Sitte in einer Ecke im Stall zur Welt bringen. Frauen gelten in dem bitterarmen Land während der Geburt als unrein – des Blutes wegen.

Nepal ist nach wie vor sehr stark geprägt von alten Traditionen. Doch Astrid Vöhringer ist überzeugt davon, dass das Geburtshaus angenommen wird. „Viele jüngere Frauen sind mittlerweile gebildet. Sie möchten ihre Kinder nicht mehr in einem Stall gebären.“ Das ist nicht zuletzt der Arbeit des Vereins zu verdanken, der im Jahr 2000 auf Astrid Vöhringers Initiative hin gegründet wurde und seither vielen Kindern in Nepal einen Zugang zu Bildung ermöglicht hat. So baute das Ebersbacher Nepal-Schulprojekt vor zehn Jahren in Yalbang ein Schulzentrum, das mittlerweile knapp 400 Kinder besuchen. Auch ein Hostal ist dort entstanden – für Kinder, deren Schulweg zu weit wäre. „Viele von diesen Schülern gehen mittlerweile auf High Schools oder aufs College“, erzählt sie.

Auch Kranken wird geholfen

50 000 Euro kostet das Geburtshaus, das auch kranken Menschen offen stehen soll. „Das meiste haben wir schon beisammen“, sagt Astrid Vöhringer. Im Herbst wird sie noch einmal nach Nepal reisen, um sich vom Baufortschritt in Kermi, das nicht weit entfernt vom Schulzentrum in Yalbang liegt, zu überzeugen. Nur über einen dreitägigen Fußmarsch ist dieser abgelegene Ort zu erreichen. Astrid Vöhringer, die schon viele Jahre im Ruhestand ist, wird deshalb einen Teil der Strecke auf dem Pferderücken zurücklegen oder aber in einem Hubschrauber. Begleitet wird sie von einigen Unterstützern des Vereins aus dem Raum Ebersbach und aus Waiblingen sowie von einer nepalesischen Ärztin mit ihrem Team, die unterwegs die Ohren von Kindern untersuchen wird. „Viele Mädchen und Jungen haben so schwere Ohrenentzündungen, dass sie schwerhörig oder sogar taub werden“, berichtet Vöhringer.

Das Gebäude, das zurzeit in landestypischer Bauweise errichtet wird, ist einfach, aber funktional und „sehr hygienisch“, wie Astrid Vöhringer sagt. Eine Hebamme und eine Krankenschwester sollen dort künftig den werdenden Müttern beistehen. Das kostet weitere 8000 bis 9000 Euro im Jahr, die der Verein aufbringen muss.

Wie notwendig solche Einrichtungen sind, das zeigt die Geschichte einer Frau, die Astrid Vöhringer bei einem ihrer Aufenthalte in Nepal kennengelernt hat. Diese junge Frau ging in ein Hospital, um ihr Kind zur Welt zu bringen. Doch dort kümmerte sich vier Tage lang niemand um sie. „Dann wurde das Kind tot geboren“, erzählt Astrid Vöhringer. Und das sei kein Einzelfall. „Dieses Beispiel steht für viele.“

Baumaterial ist teuer geworden

Während es in Humla vorangeht, ist die Situation in Kathmandu nach wie vor schwierig. Noch immer leidet diese Region unter den Spätfolgen des katastrophalen Erdbebens vor zwei Jahren. „Der Aufbau geht nur schleppend voran, Baumaterial ist rar und teuer“, erzählt Vöhringer. Deshalb habe man in Kathmandu den Bau eines Gesundheitspostens erst einmal auf Eis gelegt. Dafür hat Astrid Vöhringer alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit zusammen mit einer anderen Hilfsorganisation ein staatliches Behindertenzentrum in Jorpati renoviert werden kann, in dem 90 schwerstbehinderte Menschen wohnen.

Daran angeschlossen ist eine Schule für 300 Kinder, von denen mehr als 100 ebenfalls schwerste Behinderungen haben. „Die Menschen lebten dort unter unvorstellbaren Umständen“, berichtet Astrid Vöhringer, die im Ebersbacher Ortsteil Weiler zu Hause ist und erst vor Kurzem aus Kathmandu zurückgekehrt ist. „Viele von ihnen saßen den ganzen Tag über auf dem kalten Betonboden. Dort aßen sie auch, verrichteten ihr Geschäft und wurden mit einem Schlauch abgeduscht.“ Auch kümmere sich niemand regelmäßig um diese Menschen.

Der Verein hat mittlerweile die Räume verschönert. Der Betonboden wurde durch spezielle Kacheln ersetzt, die die Wärme speichern. Auch eine Trinkwasseranlage mit einem Hochleistungsfilter wurde installiert. „Seither haben die Leute keinen Durchfall mehr“, sagt Astrid Vöhringer. Auch ein Duschhaus und eine Warmwasseranlage hat der Verein finanziert. Künftig wird das Heim auch einmal wöchentlich von einer Putzkolonne gereinigt, und Dolma Lobsang kümmert sich mit einer Gruppe Helfern um die Bewohner. Dolma Lobsang hat Astrid Vöhringer vor vielen Jahren bei einer privaten Reise nach Nepal kennengelernt. Berührt vom Elend der Menschen, startete sie gemeinsam mit ihr ein erstes Projekt: ein Kindergarten für Kinder von Teppichknüpfern in Kathmandu.