Eclat-Festival in Stuttgart
Unterwegs zur Utopie
Annette Eckerle,
07.02.2011 19:30 Uhr
Der künstlerische Leiter des Eclat-Festivals: Hans-Peter Jahn. Foto: Archivbild: Heiss
Stuttgart - Als Pierre Boulez 1967 polemisch zugespitzt forderte, alle Opernhäuser in die Luft zu sprengen, machte er seiner Wut über einen museal gewordenen Betrieb Luft, in dem nach den Mustern von Übervorgestern geläufige Gurgeln, verpackt in hübschen Kostümen, präsentiert wurden. Polternd träumte Boulez von mutigen Komponisten, Sängern und Regisseuren, die um der Utopie willen den bequemen Mittelweg meiden und sich abenteuerlustig in unwegsames Gelände begeben, auf der Suche nach der Zukunft.
Bei der 31. Ausgabe des Eclat-Festivals für Neue Musik (ausgerichtet von Musik der Jahrhunderte in Zusammenarbeit mit dem SWR) vom 10. bis 11 Februar wird der Traum von Boulez weiter geträumt, in drei musiktheatralischen Projekten, in denen der künstlerische Leiter Hans-Peter Jahn Komponisten wie Interpreten die scheinbar einfache, aber hochkomplexe Frage gestellt hat, was den singenden Menschen als Individuum auf einer Bühne auszeichnet.
Am Ende mag sich dann vielleicht bewahrheiten, was Jahn 1995 in einem Essay so formuliert hat: "Singen an sich ist Theater. Der Singende stellt sich mit dem Gesang neben sich, neben die Tatsächlichkeiten seines Daseins. Der Singende ist immer ein freilaufendes Interieur des Opernhaften, ein Quäntchen Lebenslüge, ein Häufchen Illusion."
Ob sich das nun so verhält, wird zunächst in dem fünfteiligen Musiktheaterprojekt "geblendet" untersucht. An die Komponisten Michael Beil, Hans Jürgen Gerung, Mischa Käser, Manuel Hidalgo und Filippo Perocco erging die Aufforderung, für einen Countertenor (Daniel Gloger) und einen Schauspieler (Christian Brückner) zu schreiben, wahlweise auch von einem Streichquartett begleitet.
Im Konzert des SWR Vokalensembles Stuttgart (12. Februar, 17 Uhr) lädt Jahn die Hörer dazu ein, zu beobachten, wie "exaltiert singende Individuen auf ein Chorkollektiv" treffen. Der Abschlussabend am 13. Februar ist als mehrteiliges, vielformatiges audiovisuelles Gesamtkunstwerk angelegt. Daniel Kötter lässt in seinem Musiktheater "Arbeit und Freizeit", bezogen auf Schönbergs Monodram "Die glückliche Hand", 12 Protagonisten in einem multimedialen Aktionsraum aufeinandertreffen (16 Uhr).
Im nachfolgenden Konzert (18 Uhr) wird Mike Svobodas neuestes Werk, das sich ironiefrei in den tonalen Raum begibt, mit einer für Stimmen extremen Neukomposition von Samir Odeh Tamimi über einen Sufi-Text konfrontiert. Am Ende (19.30 Uhr) steht Jörg Widmanns Formenspiel "Chor für Orchester" auf dem Plan. Als vokale Wanderer zwischen den Eclat-Konzertwelten sind die Neuen Vocalsolisten unterwegs. Unter anderem konfrontieren sie vokalen mit instrumentalem Gesang beim Preisträgerkonzert zum 55. Kompositionspreis der Stadt Stuttgart (10. Februar) und natürlich im traditionellen eigenen Konzert (12. Februar, 20 Uhr).
www.eclat.org »
Bei der 31. Ausgabe des Eclat-Festivals für Neue Musik (ausgerichtet von Musik der Jahrhunderte in Zusammenarbeit mit dem SWR) vom 10. bis 11 Februar wird der Traum von Boulez weiter geträumt, in drei musiktheatralischen Projekten, in denen der künstlerische Leiter Hans-Peter Jahn Komponisten wie Interpreten die scheinbar einfache, aber hochkomplexe Frage gestellt hat, was den singenden Menschen als Individuum auf einer Bühne auszeichnet.
Am Ende mag sich dann vielleicht bewahrheiten, was Jahn 1995 in einem Essay so formuliert hat: "Singen an sich ist Theater. Der Singende stellt sich mit dem Gesang neben sich, neben die Tatsächlichkeiten seines Daseins. Der Singende ist immer ein freilaufendes Interieur des Opernhaften, ein Quäntchen Lebenslüge, ein Häufchen Illusion."
Vokale Wanderer zwischen den Eclat-Konzertwelten
Ob sich das nun so verhält, wird zunächst in dem fünfteiligen Musiktheaterprojekt "geblendet" untersucht. An die Komponisten Michael Beil, Hans Jürgen Gerung, Mischa Käser, Manuel Hidalgo und Filippo Perocco erging die Aufforderung, für einen Countertenor (Daniel Gloger) und einen Schauspieler (Christian Brückner) zu schreiben, wahlweise auch von einem Streichquartett begleitet.
Im Konzert des SWR Vokalensembles Stuttgart (12. Februar, 17 Uhr) lädt Jahn die Hörer dazu ein, zu beobachten, wie "exaltiert singende Individuen auf ein Chorkollektiv" treffen. Der Abschlussabend am 13. Februar ist als mehrteiliges, vielformatiges audiovisuelles Gesamtkunstwerk angelegt. Daniel Kötter lässt in seinem Musiktheater "Arbeit und Freizeit", bezogen auf Schönbergs Monodram "Die glückliche Hand", 12 Protagonisten in einem multimedialen Aktionsraum aufeinandertreffen (16 Uhr).
Im nachfolgenden Konzert (18 Uhr) wird Mike Svobodas neuestes Werk, das sich ironiefrei in den tonalen Raum begibt, mit einer für Stimmen extremen Neukomposition von Samir Odeh Tamimi über einen Sufi-Text konfrontiert. Am Ende (19.30 Uhr) steht Jörg Widmanns Formenspiel "Chor für Orchester" auf dem Plan. Als vokale Wanderer zwischen den Eclat-Konzertwelten sind die Neuen Vocalsolisten unterwegs. Unter anderem konfrontieren sie vokalen mit instrumentalem Gesang beim Preisträgerkonzert zum 55. Kompositionspreis der Stadt Stuttgart (10. Februar) und natürlich im traditionellen eigenen Konzert (12. Februar, 20 Uhr).
Informationen gibt es unter
www.eclat.org »
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