Eiermann-Areal in Stuttgart Ehemaliger Bürokomplex soll „Smart-City“ werden

Von Jörg Nauke 

Der Investor zeigt sich im Rathaus empfänglich für Nutzungsvorschläge und eine Bürgerbeteiligung. Man wolle am Erhalt des Denkmals und der Neubebauung festhalten. Wohnen sei „vorrangiges Thema“, trotz der Probleme wegen der nahen Autobahn.

Alle Optionen scheinen möglich zu sein, um den ehemaligen Campus mit Leben zu füllen. Foto: dpa
Alle Optionen scheinen möglich zu sein, um den ehemaligen Campus mit Leben zu füllen.Foto: dpa

Stuttgart - Der neue Eigentümer der ehemaligen IBM-Zentrale an der Autobahn in Vaihingen, Mathias Düsterdick mit seiner Gerchgroup, hat am Dienstag im Technischen Ausschuss eine enge Zusammenarbeit mit allen relevanten Gruppen bei der Entwicklung des 20 Hektar großen Areals zugesagt. Düsterdick ist den Stadträten bekannt durch den Kauf der Villa Berg und der SWR-Fernsehstudios sowie weiterer Projekte unter der Flagge der Firma PDI, deren Anteile er mittlerweile veräußert habe, und der des Stuttgarter Investors Bülow. Am Abend hat er sich im Bezirksbeirat Vaihingen vorgestellt.

Die Stadt hat das Gelände seit 2010 im Visier und infolge eines Insolvenzverfahrens des bisherigen Eigentümers immer wieder versucht, Interessenten zu finden. Der Zahn der Zeit nagt an der vor sechs Jahrzehnten aus dem Boden gestampften IBM-Zentrale – besser: an den Bürogebäuden, die Egon Eiermann, einer der bedeutendsten deutschen Architekten der Nachkriegszeit entworfen hat und die daher unter Denkmalschutz stehen. 2013 wurde auf Vorschlag von OB Fritz Kuhn (Grüne) ein Kolloquium organisiert mit dem Fazit, die Gebäude könnten für 100 Millionen Euro saniert und weiter genutzt werden. Damit es für einen Investor interessant wird, müsste durch die Baugenehmigung weiterer Häuser aber die Bruttogeschossfläche von bisher 55 000 auf fast 200 000 Quadratmeter fast vervierfacht werden.

Investor hält am Erhalt des Denkmals fest

Der Gemeinderat fasste auf dieser Grundlage im September 2013 einen Zielbeschluss, der nach einer deutlichen Ablehnung im Bezirksbeirat Vaihingen aber zurückgestellt wurde. Die Verwaltung strebt nun die Änderung des Flächennutzungsplans an und will einen Bebauungsplan aufstellen. Die Verfahren werden mindestes anderthalb Jahre in Anspruch nehmen.

Markus Pärssinen hat für die Gerch-Group deutlich gemacht, am Erhalt des Denkmals und der Neubebauung festhalten zu wollen. Das Kolloquiumergebnis sei die Grundlage ihres Vorhabens. Wohnen sei das „vorrangige Thema“, ein „neuer, großer Stadtteil“ trotz der Probleme, die eine Ansiedlung in direkter Nachbarschaft zur Autobahn mitbringe. Wohnen und Arbeiten will die Gerch-Group verbinden. Pärssinen denkt an Forschungseinrichtungen, Studentenwohnungen, an eine „Smart-City“, in der die aktuellen Themen wie Mobilität und alternative Energie verknüpft werden könnten.

Genaueres steht noch nicht fest

Genaue Vorstellungen sind noch Mangelware. Konkret ist lediglich das Vorhaben, die Wassereinbrüche zu unterbinden. Dafür seien bereits schadhafte Dächer und Kuppeln abgedeckt worden.

Geplant sind eine Bürgerbeteiligung mit einem Tag der offenen Tür und „Impulsvorträgen“, etwa zum Denkmalschutz und zu den Anforderungen an einen „Zukunftsstandort“. Dieser müsse allerdings – das betonten alle Fraktionen – gut an den ÖPNV angebunden werden. Pärssinen schlägt einen städtebaulichen Wettbewerb vor; dazu sollten hiesige Büros eingeladen werden. Jürgen Zeeb (Freie Wähler) ist das zu klein gedacht – dieses Projekt brauche den Input von Planern aus ganz Deutschland.