"Ein Bild ohne Rahmen ist ein Stilbruch"

Von "S-Innenstadt" 

Schlosserstraße Der Vergolder Horst Gaiser zeigt morgen, wie man Kunst und Möbel zum Glänzen bringt. Von Sybille Neth

Schlosserstraße Der Vergolder Horst Gaiser zeigt morgen, wie man Kunst und Möbel zum Glänzen bringt. Von Sybille Neth

Dagobert Duck rennt zwischen Swarowski-Steinen und einer Dollarnote seinem Reichtum hinterher. Die Disneyfigur nebst den Kristallen und anderem Mini-Pomp steckt in einem antikgolden verzierten Kassettenrahmen. Eine gewagte Kombination in Horst Gaisers Atelier für Kunst und Rahmen in der Schlosserstraße. Aber es ist die Leidenschaft des Mannes mit dem Ausnahmeberuf Vergoldermeister, extravagante Verbindungen aus Kunst und Rahmen zu knüpfen. So lässt er auch drei Pop-Art Portraits in zierlichen goldenen Rokokorahmen an der Wand glänzen. "Meistens lasse ich mich vom zeitgenössischen Stil des jeweiligen Bildes leiten", sagt er und zeigt eine Sepiazeichnung, die der schwäbische Maler Albert Kappis um 1900 angefertigt hat, und die Gaiser von einem Kunsthändler zur Restaurierung überlassen wurde. "Dazu würde Silber gut passen", sagt er.

Das Bild hat einen Säureschaden und Gaiser arbeitet in solchen Fällen mit einem Papier-Restaurator zusammen, bevor er den adäquaten Rahmen anfertigt. Etwa 10 000 Leistenformen und 130 Models für barocke oder klassizistische Verzierungen lagern in seinen Werkstatträumen im Keller und im Nebenhaus. Er und seine beiden Mitarbeiter verwandeln sie mit Blattgold und Silber in Unikate. "Ein Bild ohne Rahmen aufzuhängen, ist Stilbruch", findet er und sieht für seinen Berufsstand inmitten des minimalistischen Zeitgeistes einen Silberstreif am Horizont. "Die Leute wollen allmählich wieder mehr Drumherum haben."

Auch das gänzlich mit vergoldetem Engels- und Girlandenzierrat bestückte Bettgestell aus der Zeit um 1850, das Gaisers Verkaufsraum fast ausfüllt, wird er jetzt nach der äußerst aufwendigen Restaurierung der Möbelruine in seiner Werkstatt an einen Polsterer weitergeben. Der wird die Textilverkleidung an Kopf- und Fußende erneuern. Der betuchte Besitzer des ehemaligen französischen Adelsbettes will es nicht als Museumsstück bei sich haben, sondern es tatsächlich als Schlafstatt in seinem privaten Schlösschen benutzen.

Unzählige Arbeitsstunden stecken in diesem Stück. Macken und Scharten haben Gaiser und seine Mitarbeiter geschnitzt oder aus Gips nachgeformt, bevor ihre eigentliche Arbeit als Vergolder begonnen hat. Der Untergrund wird zehn bis 15-mal mit einem Gemisch aus Kreide, Leim und Wasser grundiert. Auf jede dieser Lagen folgt ein Zwischenschliff. Danach kommen bis zu acht Aufträge mit Alkohol. Branntweinvergoldung nennt sich das, denn früher wurde mit echtem Schnaps gearbeitet. "Der Vergolder hat dann halt mal den Pinsel durch den Mund gezogen, um die Konzentration zu prüfen", scherzt Gaisers Mitarbeiter Martin Schaar. Er hat ebenfalls das früher weit verbreitete und heute fast ausgestorbene Handwerk des Vergolders erlernt. "Heute trinken wir den Schnaps aber lieber selbst und nehmen Ethanol für das Holz", sagt der Chef.

Der Alkoholanstrich wirkt wie Klebstoff für das Blattgold oder die feine Silberauflage. Die Blättchen zwischen Seidenpapier sind hauchdünn. "Jeder Luftzug stört beim Anschießen auf den Rahmen, weil sich dadurch das Material sofort in Falten legt. Diese Arbeit erfordert höchste Konzentration." Nur mit einem Dachshaarpinsel oder mit einem feinen Metallspatel darf es berührt werden. Erst wenn die Auflage aufgebracht ist, kommt der entscheidende Moment, sagt Gaiser: das Polieren.

Mit einem Achat klopft er auf das Werkstück und je nach Klang weiß er, ob der Trocknungsprozess so weit gediehen ist, dass er mit dem Achatstein polieren kann - jede kleine Kerbe, jede Wölbung wird so bearbeitet. Das kostet Zeit. Dabei hat er schon böse Überraschungen erlebt. Sobald eine der Grundierungsschichten zum Beispiel durch Nässe oder einen Fingerabdruck verunreinigt wurde, löst sich an dieser Stelle das Edelmetall. "Dann muss alles wieder runter. Ausbessern lässt sich das nicht, denn man würde das immer sehen."

Vorführung Morgen, 22. Oktober, beginnt um 17 Uhr in der Reihe M22 der Markusgemeinde eine Veranstaltung in Horst Gaisers Atelier in der Schlosserstraße 30. Der Vergolder zeigt, wie er hochwertige Bilderrahmen herstellt.

Die Gäste dürfen es auch selbst probieren.