Ein Meister der Sprache erzählt grandios beiläufig
"Leonberger Kreiszeitung", 06.06.2011 02:36 Uhr
Weil der Stadt Konstantin Schmidt präsentiert in der Kulisse "listige Lieder". Von Barbara Bross-Winkler

Am Ende des Abends in der Kulisse gibt es wieder mal ein paar Schmidtwisser mehr. Auch wenn es nicht viel mehr als zwei Dutzend sind, haben sie sich beim Kabarettisten, Musiker und Maschinenbauer Konstantin Schmidt für sein "schmidtreißendes" Programm "Schmidternacht" mit herzlichem Applaus bedankt.

Konstantin Schmidt und seine 88 Freunde, die schwarzen und die weißen Tasten, haben eine Menge zu bieten. Was mit "Ebony and Ivory lived together in perfect harmony" harmlos-nett anfängt, wird im Lauf eines unterhaltsamen, vergnüglichen Abends immer frecher, subtiler und absurder. Mit einem Kreisler-Lied hat Schmidt, dessen Vater Chorleiter war, während seines Maschinenbau-Studiums Freunde begeistert, und glücklicherweise mag man die Geschichte, dass er nach vier Jahren Unterricht seinen Klavierlehrer nicht mehr leiden mochte, angesichts seines virtuosen Spiels nicht wirklich glauben. Auch wenn Schmidt, anders als sein Vorbild Kreisler, in seinen "listigen Liedern" niemanden gallig-giftig vor den Kopf stößt, ist er doch längst nicht so musterschülerhaft bieder, wie es seine kreuzgerade Haltung, das verbindlich-freundliche Lächeln im Große-Jungen-Gesicht und die sonore, vertrauenheischende Stimme suggerieren sollen.

Politisch sind Schmidts Lieder nur am Rande, etwa wenn er von sich als dem letzten Arbeitnehmer Deutschlands singt. Viel näher sind ihm die alltäglichen Absurditäten, die kleinen Fluchten kleiner Leute, die wahrhaft wunderlichen Wendungen, die das eigene Wohlergehen nehmen kann, wenn man sich mal weniger an Gesetz und Ordnung orientiert und dafür mehr am eigenen Wollen.

Da besingt der Wahl-Karlsruher den Familienvater, der lustlos am Strand von Antalya hockt, weil die Gattin es so wollte, und doch viel lieber daheim im Büro wäre. Wie gut, dass er den Strand von ein paar Zigarettenkippen befreien kann, dabei auf eine Kehrmaschine stößt, dann eine unverputzte Wand entdeckt, schließlich Feldwege ausbessert und in Antalya den darniederliegenden Verkehr regelt - was schließlich zur Aufnahme der Türkei in die EU führt. Oder er lässt den frustrierten und immer braven Karlsruher Straßenbahnfahrer einmal im Leben anarchisch ausflippen und außerplan- und außergleismäßig durch die Straßen rasen. Ein ums andere Mal spielt er, stets flott reimend, mit den Erwartungen seines Publikums. Etwa wenn er vom Koffer seiner Oma singt, den er am Gleis 8 abgestellt hat - und der keine Bombe, sondern die Asche der bahnverliebten Großmutter enthält.

Bei alldem ist Schmidt ein Meister der Sprache, erzählt seine Geschichten mit grandioser Beiläufigkeit. Kurios ist seine kurze Geschichte der Kommunikation, ungewöhnlich sein Lied über die 81 Provinzen der Türkei und urkomisch der "Tango Quarantän" eines Kreditkartenbetrügers in Buenos Aires. Und wie um Himmels willen soll man die spannende und wildromantische Schwarzwaldoper rund um Trachimo, Melina, den Ritter Kruscht vom Kruschtelberg, den Krawattenschorsch und einen in Flammen aufgehenden, besonders trockenen Jahrgang der Stuttgarter Zeitung zusammenfassen? Das Publikum hat auch das mit größtem Vergnügen gehört.

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