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Ein musikalisches Ferienlager
"Filder-Zeitung", 31.10.2011 02:43 Uhr
Bonlanden In der Waldorfschule auf den Fildern probt die junge Waldorf-Philharmonie für zwei große Konzerte. Von Sanja Döttling

Nach zwei Takten unterbricht Dirigent Patrick Strub das Streichorchester erneut. "Ihr spielt das wie lätschige Spaghetti, spielt das al dente!" ruft er den Musikern entgegen und führt mit seinem Taktstock die richtige, zackige Bogenführung vor. Die Jugendlichen kichern und nicken. In den Herbstferien verwandelt sich die Freie Waldorfschule auf den Fildern in den Proberaum der Jungen Waldorf-Philharmonie Süddeutschland. Jugendliche - nicht nur aus Süddeutschland, sondern auch aus Wien, Ungarn und Berlin - im Alter zwischen 13 und 23 Jahren musizieren und leben für eine Woche in den Räumen und proben für Konzerte am kommenden Wochenende in Freiburg und in der Liederhalle Stuttgart. Das bunt zusammengewürfelte Orchester wird vier klassische Werke vorführen.

Gerade proben sie Tschaikowskys Fantasie Ouvertüre "Romeo und Julia". "Nochmal!" ruft Strub. Weiter als fünf Takte kommen sie auch diesmal nicht. "Es geht hier um zwei verfeindete Herrschaftshäuser, die sich bekämpfen - das ist kein Computerspiel, hier geht es um Leben und Tod - also spielt das auch so!" Ein weiterer Versuch.

Seit 2004 gibt es diese Probewoche. Begonnen hatte sie damals als Projekt des Waldorfschülers Sebastian Brüning, der jungen Musikern die Möglichkeit geben wollte, klassische Stücke in einem Orchester zu spielen. Seitdem haben die Schüler die Organisation nicht aus der Hand gegeben. "Das Schöne und Einzigartige ist, dass diese Veranstaltung von Schülern für Schüler gemacht wird", sagt Barbara Deckers, "die Woche hat ein ganz besonderes Flair: Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, auf hohem Niveau zu proben, und abends gibt es ein buntes Programm". Die Verbindung von Musik und Ferienlager scheint vielen zu gefallen: Etwa 80 musizierende Jugendliche haben sich angemeldet.

Eine von ihnen kämpft gerade mit ihrem Cello. Strub unterbricht erneut. "Ihr müsst hier nachher rausgehen können, und sagen: Ich habe das Stück gespielt, nicht einfach gemimt", sagt er. Die Cellistin nickt mit zusammengepressten Lippen. Dann fährt er ruhiger fort: "Übe den Teil bis morgen und dann klappt das." Er schafft es, die Jugendlichen zu Höchstleistungen zu animieren - ohne dabei den Spaß zu vergessen.

Dirigent Patrick Strub ist von dem Projekt überzeugt. "Es ist eine wichtige Aufgabe, die Musik an junge Leute weiterzugeben", sagt er. Er ist außerdem beeindruckt von dem Eifer der Jugendlichen. Denn hier wird ernsthaft gearbeitet: Sechs bis sieben Stunden verbringen die Jugendlichen an den Instrumenten. Unterstützt wird Strub von hochkarätigen Berufsmusikern. Endlich ist der Abschnitt des Stücks geschafft. "Besser" kommentiert der Dirigent schwäbisch-knapp.

Das Konzert in der Liederhalle Stuttgart beginnt am Sonntag, 6. November, um 17 Uhr.

Karten kosten zwölf Euro (sechs ermäßigt) und können auf der Internetseite www.orchester.waldorfschueler.de reserviert werden.

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