Fellbach
 
Ein selbstbestimmter Lebensabend will geplant sein
"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", 16.05.2011 02:45 Uhr
Fellbach. Obwohl alle älter werden, bleiben die Massen bei der Messe "Daheim" in der Alten Kelter aus. Von Eva Herschmann

Katja Ehle hatte das Problem erkannt. Diejenigen, die das Älterwerden verdrängten, seien eben noch immer die größte Personengruppe, sagte die junge Frau. In der Schreinerei Ehle in Deizisau beschäftigt man sich schon lange mit seniorengerechten Umbauten und Einbauten. "Aber die wenigsten kümmern sich frühzeitig darum, wie ihr Leben im Alter aussehen soll, die meisten verdrängen das Thema so lange es geht." Wer an dem Punkt ist, an dem es nicht mehr geht, der war bei der Messe "Daheim" am Wochenende in der Alten Kelter richtig. 40 Aussteller aus der Region, dem Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland zeigten, wie das Leben im Alter einfacher, abwechslungsreicher und mobiler werden kann. Zu bieten hatte die Messe viel. Edgar Leitinger, der die "Daheim" organisiert, war aber etwas enttäuscht über die Besucherresonanz. "Es ist schade, dass nicht noch mehr die Möglichkeit zu unverbindlichen und kostenlosen Beratungsgesprächen genutzt haben."

Die Messe "Daheim" will den Herausforderungen begegnen, die eine immer älter werdende Gesellschaft mit sich bringt. Hauptzielgruppe der Aussteller sind Menschen zwischen 50 und 75 Jahren. Die beiden Freundinnen aus Schmiden, 81 und 84 Jahre alt, fühlten sich ebenfalls angesprochen. "Das ist die richtige Messe für uns. Ich will mehr Bequemlichkeit und habe mir die elektrisch verstellbaren Sessel angeschaut", sagte die Ältere von beiden. Ihre Begleiterin fand auch, dass es für sie langsam an der Zeit sei, über kleinere Hilfestellungen im Alltag nachzudenken. "Und ein erhöhter Sitz erleichtert das Aufstehen. Man wird ja nicht jünger."

Leire Pagalday hat sich in ihrem Stuttgarter Architekturbüro auf ältere Menschen spezialisiert. "Ich gehöre zu den wenigen Architekten, die sich diesem Bereich widmen, dabei bedeutet barrierefrei doch eigentlich nur komfortabel zu wohnen." Zu ihr kämen Menschen ab 50 Jahren, die vorsorgen wollten, sagte sie. "Aufzüge sind ein großes Thema, aber auch Bäder und Türverbreiterungen und Schwellenabbau." Sie weiß, dass der Wunsch, seinen Lebensabend in der gewohnten Umgebung zu verbringen mit steigendem Alter immer größer wird. "Wer rechtzeitig vorsorgt, kann sich seine Selbstständigkeit in der eigenen Wohnung länger erhalten."

Den Wunsch im eigenen Zuhause zu bleiben, haben auch der Onkel und die Tante von Lisa und Werner Mayer aus Berglen. "Sie sind jetzt beide fast 90 Jahre und stehen an der Schwelle zur Pflegebedürftigkeit. "Wir wollen uns informieren, wie wir ihnen helfen können", sagte die 43-Jährige. Bisher hätten sie und ihr Mann sich über Alter und Pflege keine Gedanken gemacht. Erst seit es in der eigenen Familie einen akuten Fall gibt, hätten sie begonnen, sich über ihre eigene Zukunft Gedanken zu machen. "Eins ist sicher, wir werden vorher was tun und nicht abwarten, bis etwas passiert, und wir nur noch reagieren können", sagte Werner Mayer. Für den Stettener Rolf Dreher hingegen ist das noch kein Thema. Der 68-Jährige, Mitglied im Kernener Seniorenrat, wollte sich über Bereiche informieren, die im Gremium von Interesse sein könnten. Außerdem war er neugierig, was Nachbarn und Kollegen vom Fellbacher Stadtseniorenrat bieten.

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