Ein Semester im Ausland Überwindung gehört dazu

Von Eva Tilgner 

Wie ein Magnet locken ferne Länder mit Auslandssemestern. So einfach wie im Studium wird es nie wieder, den Traum vom Leben in einer anderen Kultur zu erfüllen. Wer noch dabei sein will, sollte sich jetzt entscheiden und den Bewerbungsschluss nicht verpassen.

Das Wintersemester 2014/15 verbrachte Roland Schell in Australien. Das Studium im Ausland kann er jedem empfehlen, der zum Absprung in eine neue Welt bereit ist. Foto: Roland Schell 9 Bilder
Das Wintersemester 2014/15 verbrachte Roland Schell in Australien. Das Studium im Ausland kann er jedem empfehlen, der zum Absprung in eine neue Welt bereit ist.Foto: Roland Schell

Stuttgart - So richtig begeistert war die Mutter von Larissa Schöll nicht, als sie von den Plänen ihrer Tochter hörte: Im Ausland studieren, weit weg von daheim, viele Flugstunden entfernt. Muss das denn sein? „Es muss“, sagte Larissa und packte ihren Koffer. „Ich wollte beim Auslandssemester auf jeden Fall die Chance nutzen, in einem fernen Land eine neue Kultur kennenzulernen“, erklärt Larissa ihren Entschluss, das Wintersemester 2012 in Singapur zu verbringen. Ihr Fazit heute: „Das Studium in Asien hat sich so was von gelohnt.“

Zunächst einmal musste sie sich daran gewöhnen, dass Privatsphäre in Singapur für Studenten unbezahlbar ist. Wegen der hohen Lebenskosten bieten Wohnheime den Studenten günstigere Schlafmöglichkeiten: „Dort liegt man Bett an Bett in einem kleinen Doppelzimmer“, erzählt sie. An der Uni lernte sie neue Lebens- und Lerneinstellungen schätzen. Nicht nur das Wohnen, auch das Studium war ein Luxusprodukt. „Den Unterricht nehmen die Studenten deshalb viel ernster als wir“, erinnert sich Larissa. Kritische Diskussionen gab es im Vorlesungssaal kaum, dagegen viele aufmerksame Kommilitonen. In ihrer freien Zeit reiste sie mit dem Rucksack allein durch Asien. „Ich hab dort Sachen gemacht, die ich mir früher nicht vorstellen konnte“, wundert sie sich.

Studieren im Ausland bildet die Persönlichkeit

„Survivaltraining“ nennt der Rektor der Hochschule der Medien (HdM), Alexander W. Roos die Auslandserfahrungen von Larissa. Die Erlebnisse beim Auslandsstudium gehören für ihn zu den wichtigen Lernprozessen der Studierenden. „Wer sich in einem anderen Land zurecht findet, der entwickelt sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiter“, sagt Roos. Es sei das erklärte Ziel der HdM, die Hälfte ihrer Studierenden ins Ausland zu schicken.

Interkulturelle Erfahrungen bereiten sie für die Herausforderungen in ihrem zukünftigen Job vor. „Den lokalen Arbeitsplatz gibt es nicht mehr“, hält Roos fest. Er beobachte in fast allen Branchen den Trend zur Einstellung von Arbeitnehmern, die international flexibel sind und die sich in einer fremden Umgebung durchbeißen können. Das Konzept der Hochschule bietet deshalb in allen Studiengängen Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte an. Allerdings warnt Roos auch vor dem überstürzten Start an die fremde Uni: „Lernt erst mal hier fachlich eine Zeit lang klar zu kommen und dann geht ins Ausland“, rät er seinen Studenten.

Die Heimkehrer können sich über bessere Chancen am Arbeitsmarkt freuen: „Für die meisten Unternehmen ist ein Auslandsaufenthalt schon fast Grundvoraussetzung für eine Einstellung“, beobachtet Marion Echle, die stellvertretende Leiterin Dezernat Internationales der Universität Stuttgart. Aus ihrer Sicht bringen die Studierenden aus dem Ausland sowohl interkulturelle Kompetenz mit, als auch Eigenständigkeit, Flexibilität und Organisationstalent: „Deshalb gehen wir davon aus, dass ein Auslandsaufenthalt die Bewerbungschancen erhöht.“

Vom Urlaubsort zur Universität

Die Zahlen der Hochschulen in Stuttgart geben die Reiselust der jungen Menschen wieder: Nach Auskunft der Universität Stuttgart nehmen pro akademischem Jahr (Wintersemester und Sommersemester) etwa 450 Studierende an einem Austauschprogramm teil. Etwa 150 Studenten vermittelt die Hochschule der Medien pro Semester zum Studium im Ausland. Große Überzeugungsarbeit braucht es nicht – die Abenteuerlust zieht die jungen Menschen wie ein Magnet in die Ferne: „Einige suchen sich ein Ziel aus, in das sie sich im Urlaub verliebt haben. Andere wählen eine Universität, die sie in ihrem Studienfach weiterbringt“, erzählt Martina Schumacher, die stellvertretende Leiterin des Akademischen Auslandsamtes an der HdM.

„Beliebte Länder können sich schnell ändern“, berichtet Marion Echle von dem Dezernat Internationales der Universität Stuttgart. Traditionell seien die USA und Kanada sehr beliebt. Sechzig Prozent der Studierenden verbringen ihren Auslandsaufenthalt im Rahmen des Erasmus-Programms im europäischen Ausland – die Mehrheit davon in Frankreich, Spanien sowie den nordeuropäischen Ländern.

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