Ein Toter im Kreis Rottweil Blitzeis und Schnee bringen Südwesten ins Schleudern

Von dpa/lsw 

Blitzeis-Bilanz im Südwesten: Die Polizei zählte während der Glatteis-Warnung in Baden-Württemberg 1073 Verkehrsunfälle. Vereiste Oberleitungen brachten am Montagmorgen den gesamten Straßenbahnverkehr in der Kurpfalz zum Erliegen.

Bei einem Glatteisunfall aus der Autobahn 6 bei Sinsheim sind am Sonntag zwei Fahrzeuge in die Leitplanken gerutscht. Foto: dpa 3 Bilder
Bei einem Glatteisunfall aus der Autobahn 6 bei Sinsheim sind am Sonntag zwei Fahrzeuge in die Leitplanken gerutscht.Foto: dpa

Stuttgart - Neuer Schnee und weiterhin tückisches Glatteis haben auch am Montagmorgen für jede Menge Ärger bei Berufspendlern im Südwesten gesorgt. In der Rhein-Neckar-Region fuhren keine Straßenbahnen, auf den Autobahnen bildeten sich kilometerlange Staus und immer wieder krachte es - wobei es aber meist bei Blechschäden blieb. Besonders tragisch: in Sulz am Neckar (Kreis Rottweil) verunglückte ein Rentner tödlich. Laut Polizei wollte er den Gehweg streuen, stürzte er auf den Hinterkopf und starb am Sonntagnachmittag an seinen Verletzungen.

 

Die Blitzeis-Warnung galt nur bis Sonntagabend, in der Nacht zum Montag bildete sich aber vereinzelt neue Glätte. Allein während der Glatteis-Warnung zählte die Polizei in Baden-Württemberg 1073 Verkehrsunfälle mit einem Gesamtschaden von geschätzten drei Millionen Euro, wie das Innenministerium am Montag berichtete. 14 Menschen wurden schwer verletzt, 44 leicht.

ICE kommt nur im Schritttempo voran

Eis und Frost waren auch schuld an etlichen Bahn-Verspätungen. So legte ein wohl witterungsbedingter Schaden an einem Stromabnehmer laut Bahn am Montagmorgen einen ICE zwischen Bruchsal und Stuttgart lahm. Der Zug konnte seine Fahrt zwar aus eigener Kraft langsam fortsetzen, die Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart blieb aber über Stunden gesperrt. Der ICE selbst kam mit einer Stunde Verspätung in Stuttgart an, die Streckensperrung und die Umleitung des Fernverkehrs wirkte sich aber auf den gesamten Bahnverkehr aus. Am Ende waren 34 Züge im Schnitt 20 Minuten zu spät.

Auf der Autobahn 81 von Heilbronn nach Stuttgart stand der Verkehr laut Polizei am Montagmorgen auf über 23 Kilometern. Der Grund auch hier: schlechte Sicht und Eisglätte. Auch der Luftverkehr am Stuttgarter Flughafen war am Morgen durch das Winterwetter eingeschränkt. Es kam zu Verspätungen und Flugausfällen. Eine Landebahn war für Räumungsarbeiten zeitweise gesperrt.

Rhein-Neckar-Kreis: Straßenbahnen stehen still

In der Rhein-Neckar-Region standen die Straßenbahnen still. Am Montagmorgen konnte wegen vereister Oberleitungen keine Straßenbahn fahren. Der Verbund Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) versuchte, die Ausfälle mit Bussen aufzufangen. Viele mussten aufs Auto umsteigen, das aber oft zunächst von einer dicken Eisschicht befreit werden musste. Aus Sicherheitsgründen konnten die gefrorenen Leitungen nach Angaben der RNV nur per Hand vom Eis befreit werden - eine chemische Enteisung war aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Der Verkehrsverbund transportiert täglich normalerweise rund eine halbe Million Menschen, davon einen großen Teil mit den Straßenbahnen.

Und im Elsass ärgerten sich zwei flüchtige Zigaretten-Räuber über die Glätte: Die Männer hatten nach Medienangaben nahe Haguenau ein Tabakgeschäft ausgeraubt und mehrere tausend Euro aus der Kasse genommen. Den Geschäftsinhaber bedrohten sie mit einer Tränengasgranate. Die beiden Flüchtigen rutschten auf Glatteis mit ihrem Fluchtauto in einen Graben und saßen fest. Sie baten einen Bauern, den Wagen mit seinem Traktor aus dem Graben zu ziehen. Doch die alarmierte Polizei war schneller.

 

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Licht: Neuwagen müssen damit ausgestatt werden (Pflicht ab 2011). Ansonsten ist es nur eine Empfehlung. Die gab es aber schon immer: bei Dämmerung Licht einschalten. Das versteht sich von selber. Im Sommer, wenn das Tageslicht etwa 100000 Lux hat, eine Lampe einzuschalten, welche gerade mal 100 Lux aus 20 Meter entfernung hat..?

@Nic, 08:32 Uhr: Das Taglicht kann man, wenn es automatisch angegangen ist, wieder ausschalten, wenn man die aktuell vorgefundenen Lichtverhältnisse für ausreichend empfindet – viele lassen es an. Bei ausgezeichneter Sicht und sehr wenig Verkehr lasse ich es auch ausgeschaltet – aber nur dann. Nach meiner Information ist das Einschalten des Taglichts Pflicht; falls man diese Pflicht nicht befolgt, wird es jedoch nicht geahndet. Sowohl Taglicht als auch Winterreifenpflicht sind erwiesenermaßen sehr nützlich.

Blitzeis: Das Verhalten der Leute hat teilweise etwas für einen Kalauer. Das Blitzeis bietet höchstens die Kulisse. Und Taglicht anschalten oder nicht: Viele haben gar nicht die Wahl, weil es automatisch angeht. Dann sind sicher noch eine ganze Menge falsch informiert und denken, dass es Pflicht wäre. Und dann gibt es, so wie mich, noch welche, die es bewußt tagsüber bei guter Sicht nicht einschalten. Gebracht hat weder Tagfahrlicht noch Winterreifenpflicht etwas.

@Nic, 09:37 Uhr: 1. Blitzeis hat nie was für einen echten Kalauer. Man könnte sich z.B. die Situation vorstellen, dass vor der Haustür und vor Ort Straßenverhältnisse herrschen, die mit Winterreifen mit ausreichendem Profil beherrschbar sind, und dass dann unterwegs – trotz vor Beginn des Fahrantritts unter Beachtung der aktuell herrschenden Außentemperaturen sorgfältig ausgewählter Route (die natürlich, wo es möglich ist, Steigungen ausspart) - wider Erwarten Blitzeis auftritt (wider Erwarten deshalb, weil die Situation vor Ort ja noch anders aussah). 2. Die überwiegende Mehrheit der BürgerInnnen/WählerInnen hinterfragt die verabschiedeten Gesetze kritisch – man sollte sie nicht unterschätzen. Sie hinterfragt auch das Gesetz zum Taglicht – und schaltet es weiter ein.

Gesetzgeber: 'Wenn der Gesetzgeber in Deutschland das Taglicht eingeführt und nicht wieder abgeschafft hat, so stützt er sich auf Erkenntnisse, die nicht von der Hand zu weisen sind.' Bei soviel vertrauen in den Gesetzgeber wird der sich sagen: na, klappt doch, wir können den Leuten verkaufen was wir wollen. Kritisch hinterfragt wird nicht. Vor dem Blitzeis wurde schon ein Tag vorher gewarnt. Mit Blitz war da nichts. Spätestens dann, wenn die Leute auf dem Weg zum Auto fast auf die Schnau... gefallen wären, hätte ihnen klar sein müssen, dass jetzt Auto fahren eine schlechte Idee ist. Viele haben es trotz dem gemacht und sich dann über das langsame Blitzeis aufgeregt, welches schon seit Stunden auf der Straße lag. Das hat was für einen echten Kalauer.

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