Eine Stadt bekämpft Vorurteile Das Lernziel in Uhingen heißt Toleranz

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Im vergangenen Herbst haben Neonazis in der Stadt für Unruhe gesorgt und Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Jetzt wollen die Uhinger die Konfliktthemen bearbeiten.

Vorurteile abbauen, für Toleranz werben und die demokratischen Grundrecht verteidigen – darauf zielen die Aktivitäten in Uhingen ab. Foto: Pascal Thiel
Vorurteile abbauen, für Toleranz werben und die demokratischen Grundrecht verteidigen – darauf zielen die Aktivitäten in Uhingen ab. Foto: Pascal Thiel

Uhingen - Vorurteile abzubauen und mit Konflikten gewaltfrei umgehen zu lernen, das haben sich die Uhinger für ihre Toleranzwochen im September auf die Fahnen geschrieben. Und manche Schulen haben schon vorgearbeitet. Brisanz hat das Themenfeld in der Stadt offenbar durch die Auseinandersetzungen im vergangenen Herbst erhalten, als beispielsweise Neonazis versucht hatten, eine Kundgebung zu stören, die Anhänger der antifaschistischen Szene im Vorfeld einer Gemeinderatsdebatte über die Unterbringung von Flüchtlingen im Ortsteil Nassachmühle veranstaltet hatten.

Festgefahrene Meinungen überdenken

Mit den Toleranzwochen möchten die Hauptinitiatorinnen Martina Bartos und Roswitha Heinemann vom Agenda Büro und dem Agenda-Arbeitskreis die Uhinger nicht nur für Toleranz sensibilisieren. Den beiden Macherinnen geht es auch darum, Vorurteile abzubauen und festgefahrene Meinungen zu überdenken. „Damit wollen wir Mut dazu machen, für die Verteidigung unserer demokratischen Grundrechte einzutreten“, erläutert die Pädagogin Heinemann die Initiative. Die stadtweiten Toleranzwochen, die von Vertretern der Vereine, den Kirche, dem Jugendhaus und der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit veranstaltet werden, bieten eine Ausstellung, einen Theaterabend, Lesungen und eine Diskussionsrunde.

„Jeder Einzelne ist wichtig“, lautet das Schulmotto

Die Uhinger Schulen sind teilweise bereits jetzt sehr aktiv. In der Hieberschule schwebe die Toleranz schon das gesamte laufende Schuljahr als Leitmotiv über einer ganzen Menge von kleineren und großen Projekten im Schulalltag, berichtet die Rektorin Claudia Leber. „Jeder Einzelne ist wichtig“, das sei der passende Leitsatz für die 500 Mädchen und Buben der Schule, von denen 60 Prozent einen Migrationshintergrund hätten und damit eine große kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt in die Schule trügen, sagt die Rektorin.

Gleichzeitig erlebten viele ihrer Schulkinder zuhause keine strukturierenden Rituale mehr, beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten, und auch die Wertevermittlung lasse oft zu wünschen übrig. Hier möchte Claudia Leber ansetzen, die es als große Chance betrachtet, die Kinder an ihrer Ganztagesschule vier Tage in der Woche jeweils acht Stunden lang dank eines engagierten Kollegiums ganzheitlich zu erziehen. Dies sei ein Ansatz, der an der Hieberschule Tradition habe.

Kinderwegweiser in englischer Sprache

In diesem Schuljahr haben sich beispielsweise die Dritt- und Fünftklässler mit den Themen Respekt und Disziplin auseinandergesetzt, als sie sechs Monate lang mit einem Judotrainer arbeiten durften. Außerdem haben Fünftklässler einen Kinderwegweiser für Uhingen in englischer Sprache verfasst, es gab Lesungen über Fluchtgeschichten und ein Patenprojekt für die rund 20 Flüchtlingskinder, die die Schule besuchen. Außerdem bereiten die Achtklässler ein Theaterstück über Flucht und Ankommen vor.