Einkaufsmeile in Stuttgart Fluxus soll ein Zeichen setzen

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Ohne große Reden und viel Pathos habe 16 Händler am Samstag die alternative Einkaufsmeile "Fluxus" in Stuttgart eröffnet. Dennoch richten die eine klare Botschaft an die großen Einkaufszentren.

Am Samstagabend hat Fluxus die Pforten in der Calwer Passage in Stuttgart geöffnet. Foto: www.7aktuell.de | Robert Dyhringer 80 Bilder
Am Samstagabend hat Fluxus die Pforten in der Calwer Passage in Stuttgart geöffnet.Foto: www.7aktuell.de | Robert Dyhringer

Stuttgart Sie wollen eine Alternative sein. Eine Alternative zu Milaneo und Gerber, den beiden neuen Einkaufszentren in Stuttgart. Und sie wollen eine Alternative sein zum Ketten-Einheitsbrei in der Landeshauptstadt. Daher haben die 16 Händler Samstagabend bei der Eröffnung der „Fluxus – Temporary Concept Mall“ in der Calwer Passage auf viel Tamtam und große Reden verzichtet. „Mein Name ist Hannes und ich bin nun seit Neuestem Centermanager.“ Das war alles, was Hannes Steim den wartenden Besuchern zur Begrüßung mitteilte.

Entgegen der Tradition bei der Eröffnung großer Shopping-Malls verzichtete Steim deshalb auch darauf, das Absperrband mit großem Pathos durchzuschneiden. „Wir zählen von zehn runter und dann rennt ihr das Band einfach alle um“, sagte er zu seinen Händlerkollegen. Damit war der Startschuss für ein in Stuttgart völlig neues Projekt gegeben. Im Fluxus sind Einzelhändler, Designer und Gastronomen nun bis Ende Januar zu Hause und betreiben ein alternatives Einkaufszentrum auf Zeit. Im Gegensatz zu den großen Einkaufstempeln sind dort nur kleine Einzelhändler aus der Region zu finden.

Und dem ersten Abend nach zu urteilen tun sie dies mit Erfolg. Hunderte ziemlich entspannt wirkende Menschen warteten kurz vor 20 Uhr auf Einlass. „Hier brauchen wir keine Wutbürger-Schilder“, sagte ein Besucher. Denn im Gegensatz zur Milaneo-Eröffnung gebe es nichts, wogegen er demonstrieren müsse.

Die Idee für das Fluxus-Projekt stammt von Steim selbst, Mitinhaber der Boutique Lá pour la in der Königstraße 1B. Die Inspiration dafür hat sich Steim in Berlin geholt. Er sei dort auf einer Modenschau in einer „Concept Mall“ gewesen. „Da dachte ich, was Berlin kann, kann Stuttgart schon lange.“ Deshalb hat er sich auf die Suche nach Locations gemacht, in der Calwer Passage wurde er fündig. „Sie hat wirklich Charme, wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen und irgendwie abgerockt“, schwärmte der Centermanager. Den Berliner Namen ergänzte er um das Wörtchen „temporary“ – zeitweise – und fertig war das Konzept für Fluxus. „Nach meinen Recherchen ist das weltweit die erste derartige Mall“, sagt Steim nicht ohne Stolz.

Einfache Idee, schwierige Umsetzung

Die Umsetzung sei dann aber nicht ganz so einfach gewesen wie die Idee zu entwickeln. „Ich hatte erst mal die Hosen voll“, gab er zu. Doch eine so einmalige Gelegenheit habe er nicht verstreichen lassen wollen. Das war vor zwei Monaten. Innerhalb dieser kurzen Zeit hatte sich Steim dann auf die Suche nach Händlern gemacht und mit diesen die Passage auf Vordermann gebracht.

Daniel Brunner und Nadia Hachoud von dem Label „Pop Rocky waren die ersten beiden, die sofort mit im Boot waren. „Ich fand das Konzept gleich cool“, sagte Brunner. Er glaubt, dass die Passage nun jugendlicher werde und mehr Menschen anlockt. Auch Antonia Kuhlmann, die in der Calwer Passage den Shop von „Geschwisterliebe“ betreibt, ist begeistert. „Das Konzept ist der absolute Hammer.“

Was nach den drei Monaten geschieht, ist bisher unklar. Das entscheide am Ende der Markt und natürlich der Vermieter, die Argon AG, so Steim. Doch einige Produkte scheinen schon gut anzukommen. Das findet zumindest die kleine Polly am Stand der „Landfrau“. „Kann ich bitte noch einmal das Quittengelee haben“, fragte die Siebenjährige. „Das schmeckt sooo lecker.“ Selbstgemachte Marmelade vom Killesberg schmeckt eben gleich ganz anders.

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Bin sehr gespannt,: ob die Concept Mall in der Calwer Passage nicht nur ein paar hundert Interessenten zur Eröffnung anzieht, sondern auch so viele Käuferinnen und Käufer, dass sie sich vom Umsatz her lohnt (und später irgendwo anders in Stuttgart weitermachen kann). Eigentlich müsste so eine Nische doch funktionieren in einer Millionenstadt (600.000 direkt in Stuttgart, 400.000 direkt drumherum). Wenn sich nicht genug kaufende Interessenten finden, dann ist damit bewiesen, dass eine Alternative zu Gerber und Milaneo gar nicht gebraucht wird. Wetten, dass das Scheitern dann aber wieder dem bösen Kommerz in die Schuhe geschoben wird? Selbstgerechtigkeit war schon immer ein Kennzeichen der Szene.

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