Einkaufszentrum Gerber Eine Aussichtsplattform für Schaulustige

Von Hildegund Oßwald 

Für das Einkaufszentrum Gerber ist in der Baugrube an der Paulinenbrücke der Grundstein gelegt worden – Neugierige können jetzt einen Blick auf die riesige Baustelle werfen.

Besuch in der Baugrube: Am Gerber ist der Grundstein gelegt worden. Foto: Steinert
Besuch in der Baugrube: Am Gerber ist der Grundstein gelegt worden.Foto: Steinert

Stuttgart - Die Innenstadt ist seit Freitag um eine kleine Attraktion reicher. Für Schaulustige gibt es an der Tübinger Straße jetzt eine großzügige Aussichtsplattform. Wer die 30 Stufen emporsteigt, wird mit einem Panoramablick in die riesige Baugrube des geplanten Einkaufszentrums Gerber belohnt. Wer will, kann in den nächsten Wochen und Monaten Augenzeuge einer der größten innerstädtischen Veränderungen der vergangenen Jahre werden. Auf Augenhöhe mit der Paulinenbrücke bieten sich zudem völlig neue Blickwinkel in die nahe Umgebung des Neubauprojekts, das zum Frühjahr 2014 fertiggestellt sein soll. Dann wird in diesem Teil des Gerberviertels nichts mehr so sein wie bisher.

OB spricht von „wichtiger Weichenstellung“

Am Freitag wurde inmitten der Baugrube, die in nächster Zeit noch weiter in die Tiefe wachsen wird, im Beisein von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster der Grundstein für das 250-Millionen-Euro-Projekt der Württembergischen Lebensversicherung gelegt, mit dem neben einem Einkaufszentrum mit 80 Läden sowie Lokalen, öffentlicher Tiefgarage und Büroflächen auch 80 neue Mietwohnungen entstehen werden. Schuster sprach von einer wichtigen Weichenstellung in der Stadtentwicklung und dankte der Württembergischen Lebensversicherung für ihr Bekenntnis zum Standort Stuttgart. Die Nachbarn, die mit dieser und zwei benachbarten Baustellen starken Belastungen ausgesetzt sind, würden bis in zwei Jahren mit der Aufwertung ihres Stadtquartiers belohnt. „Sie werden ein runderneuertes Gerberviertel vorfinden“, betonte auch Frank Lebsanft vom Projektentwickler Phoenix Real Estate Development.

Laut Investor entstehen 800 neue Arbeitsplätze

Alexander Erdland, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot & Württembergische AG, zu der die Württembergische Leben gehört, erinnerte an die langjährige Verbindung mit dem Standort. Die Entscheidung, die alten Büro- und Geschäftsgebäude abzureißen und das mit Zukäufen erweiterte Areal völlig neu zu bebauen, sei ein Beitrag zur Stadtentwicklung, der zeigen solle, dass sich die Württembergische Leben Stuttgart verpflichtet fühle. Zudem sei das Gerber ein gute Kapitalanlage für die Versicherung, sozusagen ein Baustein zur privaten Altersvorsorge der Kunden. Erdland betonte, dass mit der Investition 800 neue Arbeitsplätze geschaffen würden.

Wie am Rande der mit Einlagen der Kleinen Tierschau aufgepeppten Grundsteinlegung zu erfahren war, stehen die Investoren kurz vor dem Abschluss eines Mietvertrags mit einem weiteren Hauptmieter. Ein Textilunternehmen will 1500 der insgesamt 23 500 Quadratmeter Handelsfläche anmieten, bisher sind bereits mehr als 40 Prozent der Flächen vergeben. Wie berichtet, werden neben vielen kleinen Läden auch große Nahversorger wie Edeka, Aldi und dm einziehen. Im April 2014 soll das Gerber eröffnet werden.

Webcam der Baustelle http://www.das-gerber.de/baufortschritt/webcams
7 Kommentare Kommentar schreiben

800 _neue_ Arbietsplätze?!! Ganz neue?: Neu bedeutet, sie werden nicht aus einem anderen Teil der Stadt abgezogen sondern _zusätzlich_ geschaffen. Klar. In einem Einkaufszentrum. Und dann weitere _neue_ in diesem Milaneo (Frei nach Schuster: Tausend Schönheitsfehler). Für wie dumm hält die STZ ihre Leser?

Alles unter einem Dach: grauenhaft schön, wie es sich anbietet! Einfach spacey http://youtu.be/5GXoIM6y3nk

Hurra, ein weiter Einkaufsbunker wird geboren!: Nun wird in Stuttgart gebaut und gebaut und gebaut und abgerissen, gebaggert und gebaggert. Herrlich und für wahr, für ein weiteres Flanieren in dicker Luft ist gesorgt. Ein weiterer Stickstofftempel quasi, in dem man künftig nicht nur als Kapitalanleger und als Geschäftsmann zu sicherlich fast unerschwinglichen Pachtpreis in den Kampf um sein oder nicht sein jumpen kannst. Los geht´s! Wer will noch mal, wer hat noch nicht. In Stuttgart Vaihingen in deren bekannten 'Vaihinger Markt' stehen immer mehr dieser beliebten Verkaufsflächen nach der Bruchlandung des Pleitegeiers zur Vermietung leer. Auch in der Passage von Strauss Inovationen ist z.B. klar zu erkennen, rein und am besten ganz schnell wieder raus zu wollen. Die City´s sterben aus und so ein Bunker für Einkaufswütige lässt rundum die kleinen, putzigen und ums Überleben kämpfenden Geschäftsläden verrecken. Ob wir das wirklich brauchen und ob es uns glücklich macht, alles und jeden Pups ums Eck und vor allem im Haus zu bekommen, möchte ich bezweifeln. Uns fehlt die frische Luft beim Einkauf und bei der Arbeit. Wie viele solcher Zentren braucht es eigentlich noch? So ist das Stuttgart, dass einst so schön, mit all seinen florierenden und reizenden Läden aus den 80ern dem Verderb ausgeliefert worden. Die Städteplaner kotzen mich so richtig an. Tüten sich doch bitte Stuttgart komplett ein! Jeglicher Liebreiz mutwillig zerschlagen!

Eintritt: 10 Euro Eintritt, damit Geld vorhanden ist die Investionswüste oder die Königstraße, Calwerstraße wieder abzureißen. Stuttgart hat nicht genügend Einwohner für einen fünften H&M oder wie die gesichtslosen Filialisten auch heißen.

Ohh - wie toll !!: ... eine Aussichtsplattform, um das Elend von oben betrachten zu können, die 'Stadtverschönerung', das 'Zusammenwachsen' der Stadt! Da halte ich es doch lieber mit dem Motto von Jo Bauer von der STN: Heute Schippen morgen shoppen übermorgen poppen! Freuen wir uns also auf 'übermorgen'! Vorher komme ich mit Sicherheit nicht mehr in diese Gegend...

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