
"Ich gehe nicht hin", sagt der 86-Jährige. Obwohl er vielleicht Vorteile von dem Verfahren haben könnte. Michael Schunn war 20 Jahre alt, als er aus seiner Heimat Siebenbürgen in Rumänien nach Russland verschleppt wurde. Der gelernte Schneider teilte damals das Schicksal mit weiteren zehntausenden von Siebenbürger Sachsen, Männer und Frauen, die im Januar 1945 in Waggons gepfercht und Richtung Osten transportiert wurden, wo sie in Kohlebergwerken, im Straßenbau und in der Landwirtschaft Russlands zu arbeiten hatten. Reparationsleistungen für Russland als Wiedergutmachung für den Krieg. "Viele haben ihre Heimat nie wieder gesehen", sagt Michael Schunn. Er ist nach fünf Jahren harter Zwangsarbeit auf 47 Kilogramm Körpergewicht abgemagert und schwer krank in die damalige DDR entlassen worden und nach wenigen Jahren in den Westen weiter gereist. Seitdem wohnt er in Fellbach.
Seit 2007 ist Rumänien Mitglied der Europäischen Union. 2009 hat Michael Schunn wie viele seiner Landsleute einen Antrag auf eine Entschädigung gestellt. Vor wenigen Tagen bekam der Fellbacher nun Post aus der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Doch der 86-Jährige glaubt nicht an einen Erfolg. Viele seiner Schicksalsgenossen hätten schon Ablehnungen erhalten, weil sie angeblich als nicht politisch Verfolgte galten.
Bis 2009 konnten nur rumänische Staatsangehörige auf einen Aufschlag zur Altersrente hoffen, wenn sie Deportation und Zwangsarbeit nachweisen konnten. Weil die meisten deutschstämmigen Rumänen längst das Land verlassen haben, gab es diese Entschädigung nur für ganz wenige. 2009 wurde das Gesetz geändert. Nun könnte auch Michael Schunn profitieren. Falls er den Weg nach Bukarest im Winter auf sich nimmt.


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