Einzelhandel in Stuttgart Im Gerber schließt der erste Laden

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Der erste Händler wirft im neuen Einkaufszentrum Gerber schon das Handtuch. Er kritisiert das Management des gerade mal vier Monate alten Centers und beklagt die geringe Kundenfrequenz.

Der Schuhhändler Evita räumt das Feld. Am 24. Januar ist der letzte Verkaufstag im Einkaufszentrum Gerber. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der Schuhhändler Evita räumt das Feld. Am 24. Januar ist der letzte Verkaufstag im Einkaufszentrum Gerber.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Erst vor vier Monaten hat das neue Einkaufszentrum Gerber an der Ecke Paulinen- und Tübinger Straße eröffnet. Das Center wurde als großer neuer Anziehungspunkt der Innenstadt beworben. Nun verlässt mit dem Schuhhändler Evita jedoch bereits der erste Mieter das Shoppingcenter und klagt über Qualitätsmängel und zu geringe Kundenfrequenz. Die Kritik richtet sich in erster Linie gegen das Centermanagement.

Stephan Keck ist Geschäftsführer von Evitalys. Die Firma verkauft unter dem Namen Evita im obersten Stockwerk des Einkaufscenters italienische Schuhe. „Eigentlich sind wir ein Onlinehändler und haben zudem zwei Filialen“, sagt Keck. Neben dem Shop im Gerber ist die Marke seit Jahren auch in den Königsbaupassagen am Schlossplatz vertreten. „Dort läuft das Geschäft gut“, erklärt Keck und fügt an: „Im Gerber hingegen kommen schlicht zu wenig Leute ins Center.“ Der Umsatz im Königsbau sei auch nach Eröffnung der neuen Einkaufszentren Gerber und Milaneo konstant geblieben, so Keck. Im Gerber sei das Geschäft jedoch nie richtig gelaufen: „Es gibt Tage, an denen läuft kaum ein Kunde am Laden vorbei.“

Kritik am Management des Gerber

Keck kritisiert das Centermanagement: „Die machen sich Gedanken über Inneneinrichtung der Shops und Beleuchtung. Dabei schaffen sie es nicht, Menschen überhaupt ins Center zu locken“, sagt er. Und: „Auch die Qualität lässt zu wünschen übrig. Seit der Eröffnung gab es hier bereits einige Wasserschäden.“ Dabei stehe er im Vergleich zu anderen Händlern im Center noch gut da, so der Geschäftsführer. Andere Händler wollen sich zur aktuellen Situation im Gerber jedoch nicht äußern.

„Es handelt sich bei dem aktuellen Ausverkauf um einen Laden mit einem deutlich kürzeren Mietvertrag als ihn andere Mieter haben“, erklärt Oliver Grünwald, der Centermanager des Gerber. Dieser Weggang sei bedauerlich, so etwas gehöre jedoch zu den normalen Abläufen in einem Einkaufszentrum, so Grünwald. Angesprochen auf die angeblich geringe Kundenfrequenz im Center erklärt der Manager: „Im Schnitt hatten wir bislang täglich rund 20 000 Menschen im Gerber. An Spitzentagen auch mehr als 40 000.“ Zudem gebe es bereits viele Kunden, die mehrmals die Woche im Center einkaufen, so der Manager. Vor der Eröffnung wurde ein Besucherschnitt von 25 000 Menschen pro Tag als Ziel ausgegeben. „Wir sind mit der Frequenz zufrieden“, sagt er. Da man keinen Vergleich zum Vorjahr ziehen könne, ist eine sinnvolle Bilanz erst an Ostern möglich, so Grünwald.

Kein ungewöhnlicher Vorgang

Auch für Stuttgarts Citymanagerin Bettina Fuchs ist die Entwicklung nicht besorgniserregend: „Frühzeitige Mieterwechsel sind keine Seltenheit im Center-Business. Sobald die Eröffnung eines Einkaufszentrums stattgefunden hat, beginnt der Praxis-Test und die Optimierungsphase.“ Fuchs fügt jedoch hinzu, die Frequenzen im Gerber seien ihrer Wahrnehmung nach an manchen Tagen noch ein wenig verhalten. „Doch dass wird sich im Laufe der Zeit sicher noch einspielen“, glaubt Fuchs.

Die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, sagt: „ Ich finde es schwierig, bereits nach wenigen Monaten das Handtuch zu werfen.“ Ein solches Center lasse sich erst nach einem Jahr richtig beurteilen. Angesichts des enormen Zuwachs an Verkaufsfläche in der Stadt sei es jedoch nicht verwunderlich, dass einige darunter zu leiden haben, so Hagmann. Der Kuchen wird lediglich neu verteilt, die Kaufkraft steigt aber nicht“, sagt die Geschäftsführerin mit Blick auf die aktuelle Entwicklung.