Einzelhandel in Vaihingen Eine tote Ecke mehr im Ortskern

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Der Karambole-Scharr-Markt am Vaihinger Markt 14 schließt. Die Gründe liegen im Dunkeln. Der Vermieter spricht von Kündigung wegen offener Mietzahlungen. Der Mieter gibt an, dass er eine angekündigte Mieterhöhung nicht habe zahlen wolle und daher gehe.

Der Karambole-Scharr-Markt am Vaihinger Markt macht dicht. Foto: Alexandra Kratz
Der Karambole-Scharr-Markt am Vaihinger Markt macht dicht.Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Anne-Renate Schlumberger ist geradezu empört. „Es ist doch unglaublich, wie mit gut florierenden und für Vaihingen immens wichtigen und das Stadtbild sehr belebenden Geschäften umgegangen wird“, schreibt sie in einem Brief an die Filder-Zeitung. Gemeint ist der Karambole-Scharr-Markt am Vaihinger Markt 14. Dieser hatte im Sommer 2006 eröffnet. Die „äußerst agilen, beliebten und fleißigen Ladeninhaber“ seien binnen kurzer Zeit „fast zur Institution geworden“, lobt Schlumberger die Familie Kanbur, welche den Laden betreibt.

Erdogan Kanbur sagt, der Mietvertrag sei nach sechs Jahren ausgelaufen. Er habe einen neuen Vertrag angeboten bekommen. Doch die Konditionen seien nicht akzeptabel. Bislang habe man pro Monat gut 7000 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Nebenkosten gezahlt. Das sei kein Pappenstiel. Künftig hätten es 1920 Euro mehr sein sollen. Gleichzeitig hätte die Familie einige Quadratmeter von ihrer Verkaufsfläche abgeben müssen. „Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Kanbur. Schließlich müsse auch er kalkulieren, und schließlich habe auch er eine Familie zu ernähren.

Eigentümerin des Gebäudes ist die Leisure Investment GmbH Stuttgart. Die Geschäftsführerin Susanne von Rothenburg schildert die Lage anders. „Die Familie zahlt ihre Miete verspätet oder gar nicht. Sie schuldet uns inzwischen einen fünfstelligen Betrag.“ Darum habe man den Kanburs im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten fristlos gekündigt. Außerdem habe ihr Unternehmen wegen der ausstehenden Beträge Klage eingereicht.

Erdogan Kanbur bestreitet diese Vorwürfe kurz und knapp. Für ihn ist das Kapitel Vaihingen abgeschlossen. Auch wenn die Familie nur schweren Herzens gehe. „Wir haben hier viele nette Kunden gehabt, und wir haben auch viel Geld und Zeit in diesen Standort investiert“, sagt Kanbur. Er wird demnächst an der Wilhelmstraße im Heusteigviertel einen neuen Laden eröffnen. Das Geschäft am Vaihinger Markt hat noch bis Ende der Woche geöffnet. Am Freitag soll dann ein Ausverkauf stattfinden. Anne-Renate Schlumberger befürchtet, dass es danach wieder eine tote Ecke mehr in Vaihingen geben wird.

Kein Ladensterben in Vaihingen

Von einem Ladensterben will Ingo Vögele, der Sprecher des Verbunds Vaihinger Fachgeschäfte (VVF), aber nicht sprechen. „Wir haben in Vaihingen den geringsten Leerstand im gesamten Stadtgebiet“, sagt er. Aber dennoch sei es bedauerlich, dass es den Karambole-Markt künftig nicht mehr gebe. Fakt sei auch, dass einige der Hauseigentümer in der Vaihinger Ortsmitte zu „überzogenen Mietforderungen“ neigten, was den Standort als attraktive Geschäftslage langfristig ruinieren könne.

Den aktuellen Fall will Vögele nicht kommentieren, weil er die Hintergründe nicht kenne, wie er sagt. Nur so viel: „Der VVF hat Kontakt mit dem Vermieter aufgenommen. Uns ist es wichtig, uns mit dem Hauseigentümer kurzfristig zusammenzusetzen.“ Der VVF werde darauf drängen, dass es für die Flächen am Vaihinger Markt 14 „schnell eine attraktive Lösung“ gebe. Zudem werde man die Wirtschaftsförderung, die Betreuungsstadträte und das Bezirksamt über die Situation informieren, um von möglichst vielen Seiten Druck auf die Leisure Investment GmbH ausüben zu können. Denn viele VVF-Mitglieder am Vaihinger Markt seien wegen der aktuellen Entwicklung verunsichert.

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5 KommentareKommentar schreiben

:(: Vaihingen war unserseits die schönste stelle die wir hatten...so traurig und der Umzug macht es uns auch nicht leicht :(

Eine Katastrophe: Die Schließung des Karambole-Markts ist für Vaihingen eine Katastrophe. Wir haben bei der Familie Kanbur immer sehr gern eingekauft, weil sie stets eine riesen Auswahl von absolut frischem Obst und Gemüse und wunderbaren Fisch hatte. Alle Familienmitglieder waren kompetent und freundlich, das Einkaufen hat Spaß gemacht. So eine Qualität und Auswahl bietet das Kaufland oder Neukauf bei weitem nicht! Wo finde ich jetzt in Vaihingen diese Frische und auch ausgefallene Dinge wie Zitronengras, Ochsenherztomaten oder bayerische Pfifferlinge? Die beiden Brüder Kanbur sind seit über 20 Jahren als Obsthändler tätig, diese Erfahrung merkt man. Sie hatten viele zufriedene Kunden, samstags bildeten sich vor der Kasse lange Schlangen. Glückwunsch an die Bewohner des Heusteigviertels, wo die Familie Kanbur jetzt ein neues Geschäft eröffnet. Hingehen, einkaufen, genießen!

Dafür hat Vaihingen jetzt aber ein schönes Einkaufszentrum von Häussler - da wechseln zwar gerade auch die Mieter -: und eigentlich weiß keiner, was er dort soll. Aber so ist das nun mal - wenn ohne Sinn und Bedarf neue Läden gebaut werden. Irgendwo droht dann auch Dauer halt 'Leerstand'. Wer hat denn das auch so genehmigt und gebaut? Der Herr Häussler ind Personalunion mit dem EXOB? Die sind weg vom Fenster - keine Verantwortung, die sie weiter tragen müssen. Wartet nur in Stuttgart, wenn es die ersten Leerstände auf der Kö gibt!

.: Über das Ladensterben und Mietrückstände braucht man sich nicht wundern, wenn Investoren immer mehr Rendite erwirtschaften wollen. Und das Ladensterben wird erst noch so richtig losgehen, wenn die Darlehenszinsen wieder ansteigen (und damit - durch die Umlage der Zinsaufwendungen vom Vermieter an die Mieter- auch die Geschäftsmieten). Ünd liebe Vermieterin: Amtsgericht und Verwaltungsgericht sollte man schon auseinander halten können :-) Wenn man realistische Mieten verlangt und weniger prozessiert klappt es vielleicht auch mit pünktlicheren Nebenkostenabrechnungen ;-)

ne klar: ausstehende Mieten klagt man über das VG ein?!? Na, dann viel Spaß... Und wer ist ist A. Schlumberg-Schlagmichtot, muss man die kennen?

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