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Einzelhandel in Vaihingen Eine tote Ecke mehr im Ortskern

Alexandra Kratz, 08.01.2013 11:11 Uhr

Vaihingen - Anne-Renate Schlumberger ist geradezu empört. „Es ist doch unglaublich, wie mit gut florierenden und für Vaihingen immens wichtigen und das Stadtbild sehr belebenden Geschäften umgegangen wird“, schreibt sie in einem Brief an die Filder-Zeitung. Gemeint ist der Karambole-Scharr-Markt am Vaihinger Markt 14. Dieser hatte im Sommer 2006 eröffnet. Die „äußerst agilen, beliebten und fleißigen Ladeninhaber“ seien binnen kurzer Zeit „fast zur Institution geworden“, lobt Schlumberger die Familie Kanbur, welche den Laden betreibt.

Erdogan Kanbur sagt, der Mietvertrag sei nach sechs Jahren ausgelaufen. Er habe einen neuen Vertrag angeboten bekommen. Doch die Konditionen seien nicht akzeptabel. Bislang habe man pro Monat gut 7000 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Nebenkosten gezahlt. Das sei kein Pappenstiel. Künftig hätten es 1920 Euro mehr sein sollen. Gleichzeitig hätte die Familie einige Quadratmeter von ihrer Verkaufsfläche abgeben müssen. „Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Kanbur. Schließlich müsse auch er kalkulieren, und schließlich habe auch er eine Familie zu ernähren.

Eigentümerin des Gebäudes ist die Leisure Investment GmbH Stuttgart. Die Geschäftsführerin Susanne von Rothenburg schildert die Lage anders. „Die Familie zahlt ihre Miete verspätet oder gar nicht. Sie schuldet uns inzwischen einen fünfstelligen Betrag.“ Darum habe man den Kanburs im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten fristlos gekündigt. Außerdem habe ihr Unternehmen wegen der ausstehenden Beträge Klage eingereicht.

Erdogan Kanbur bestreitet diese Vorwürfe kurz und knapp. Für ihn ist das Kapitel Vaihingen abgeschlossen. Auch wenn die Familie nur schweren Herzens gehe. „Wir haben hier viele nette Kunden gehabt, und wir haben auch viel Geld und Zeit in diesen Standort investiert“, sagt Kanbur. Er wird demnächst an der Wilhelmstraße im Heusteigviertel einen neuen Laden eröffnen. Das Geschäft am Vaihinger Markt hat noch bis Ende der Woche geöffnet. Am Freitag soll dann ein Ausverkauf stattfinden. Anne-Renate Schlumberger befürchtet, dass es danach wieder eine tote Ecke mehr in Vaihingen geben wird.

Kein Ladensterben in Vaihingen

Von einem Ladensterben will Ingo Vögele, der Sprecher des Verbunds Vaihinger Fachgeschäfte (VVF), aber nicht sprechen. „Wir haben in Vaihingen den geringsten Leerstand im gesamten Stadtgebiet“, sagt er. Aber dennoch sei es bedauerlich, dass es den Karambole-Markt künftig nicht mehr gebe. Fakt sei auch, dass einige der Hauseigentümer in der Vaihinger Ortsmitte zu „überzogenen Mietforderungen“ neigten, was den Standort als attraktive Geschäftslage langfristig ruinieren könne.

Den aktuellen Fall will Vögele nicht kommentieren, weil er die Hintergründe nicht kenne, wie er sagt. Nur so viel: „Der VVF hat Kontakt mit dem Vermieter aufgenommen. Uns ist es wichtig, uns mit dem Hauseigentümer kurzfristig zusammenzusetzen.“ Der VVF werde darauf drängen, dass es für die Flächen am Vaihinger Markt 14 „schnell eine attraktive Lösung“ gebe. Zudem werde man die Wirtschaftsförderung, die Betreuungsstadträte und das Bezirksamt über die Situation informieren, um von möglichst vielen Seiten Druck auf die Leisure Investment GmbH ausüben zu können. Denn viele VVF-Mitglieder am Vaihinger Markt seien wegen der aktuellen Entwicklung verunsichert.