Eisdielen in Stuttgart Neuentdeckungen aus der Eiszeit

Von Ina Schäfer und  

In Stuttgart gibt es in dieser Saison drei neue Eisdielen. Ein Besuch in der Schleckerei im Osten, bei Theos auf dem Killesberg und bei Claus im Süden.

In der Schleckerei wird gespachtelt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
In der Schleckerei wird gespachtelt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Ob Schokolade, Pistazie oder Basil Smash – steigen die Temperaturen, steigt auch die Lust auf ein erfrischendes Eis. Da trifft es sich gut, dass die Stadt in dieser Saison Zuwachs zu den altbekannten Eisdielen wie Santin, Old Bridge und Pinguin bekommen hat.

Theos Eisdiele

Frisches Eis ist auf dem Killesberg ein rares Gut. Kein Wunder, dass die ganze Nachbarschaft erleichtert war, als Theos Eisdiele eröffnet hat. „Endlich wieder Eis“, hätten die Kinder ihr zugerufen, erzählt Betriebsleiterin Nicolin Wehling, als sie Ende April wieder eröffnet hat. „Es sind sogar zwei bis drei kleine Theos dabei.“

Neu ist die Eisdiele am Killesberg eigentlich nicht. Zum Scholz am Park gehörte auch eine Eisdiele, die mit der Insolvenz des Restaurants ebenfalls geschlossen wurde. Christian List hat nun beide Räume übernommen und will dort in Kürze auch ein neues Restaurant namens Heuss am Park eröffnen. List ist in der Stuttgarter Gastrowelt kein Unbekannter: Der Rote Hirsch in Bad Cannstatt und das VfB-Restaurant mit dem Namen 1893 gehören unter anderem ihm. Zusammen mit einem Geschäftspartner ist List auch für Speisen und Getränke in Staatsoper und Schauspielhaus sowie für den Stadtstrand am Neckarufer oder das Cantina am Friedrichsbau verantwortlich.

An der Killesberghöhe zeigt er nun sein Gespür für Eis. Genauer gesagt, Nicolin Wehling tut das. Die gelernte Restaurantfachfrau hat sich schnell in die ganze Materie eingearbeitet. Im Theos jagt man nicht jedem Trend hinterher – klassische Sorten wie Schokolade, Vanille und Erdbeer sind dort immer noch beliebt. Ein Traum ist das weiße Schokoladeneis mit Mango, das im Übrigen auch bei den kleinen Theos am besten ankommt. Sie verspeisen es am liebsten direkt vor der Tür; Theos ist kein Café mit Sitzplätzen. Eis gibt es nur to go.

Nicolin hat sich auch an die modernen Ernährungsgewohnheiten der Menschen angepasst. Das Milchspeiseeis ist glutenfrei, die Sorbets sind vegan, sogar das Erdbeereis ist dort ein Sorbet und deshalb für Menschen mit Lebensmittelintoleranzen geeignet. „Auch im Schokoeis sind garantiert keine Spuren von etwas“, sagt sie. Sie kenne alle ihre Lieferanten persönlich und wisse, welche Zutaten sie verwenden.

Zur Schleckerei

Auf die Zutaten kommt es auch in der neuen Eisdiele Zur Schleckerei im Stuttgarter Osten an. „Wir machen unser Eis ohne Zusatzstoffe, ohne künstliche Aromen oder Ähnliches“, so Joelle Massen. Gemeinsam mit ihrem Mann Fabiano hat sie den Laden vor wenigen Wochen eröffnet. Geplant war eine Eröffnung ohne Vorankündigung und Werbung, um als Neu-Gastronomen entspannt in das Abenteuer Eisdiele starten zu können. Das Vorhaben ist nicht ganz geglückt, der Termin fiel direkt mit heißen Temperaturen zusammen – die Schleckerei war prompt an fast jedem Tag ausverkauft.

Massen ist Grafikdesignerin, ihr Mann Musiker und außerdem Nachkomme einer italienischen Eisfamilie. Sein Vater hat jahrelang aus VW-Bussen Eis verkauft. Als er vor wenigen Jahren starb, ist der Wunsch des Sohnes immer größer geworden, die Tradition der Familie weiterzuführen. Aus dem Bus ist jetzt ein Laden geworden, der sichtlich mit viel Liebe umgebaut und gestaltet worden ist. Vor allem in der Nachbarschaft ist die Freude über die Schleckerei groß. „Eigentlich wollte ich am Mittag essen gehen, aber ich kann hier einfach nicht vorbeilaufen“, sagt eine Dame lachend und bestellt ein Schokoladeneis.

Um sich auf das neue Metier vorzubereiten, haben die beiden ein Eis-Diplom gemacht, der Rest war und ist Learning by Doing. „Wir experimentieren sehr viel“, sagt Massen. Dabei kommen immer wieder ausgefallene neue Rezepte heraus, wie etwa Eis mit Ziegenkäse, Karamell, Walnüssen, Kürbiskernen und Honig oder mit Ananas, Ingwer und Feige. Aber auch traditionell-italienische Sorten hat die Schleckerei im Angebot. Die Sorten wechseln täglich, manchmal sogar im Laufe eines Tages – je nachdem, welches Obst und andere Zutaten gerade zur frischen Verarbeitung am Morgen zur Verfügung stehen.

Eismanufaktur Claus

Auch die dritte neue Eisdiele im Bunde, die Eismanufaktur Claus an der Tübinger Straße, setzt auf frische Zutaten und vor allem auf außergewöhnliche Sorten und Kreativität. Tim Schaber und Claudio Estasi haben ihre Eisdiele Anfang April eröffnet, seitdem gehen Sorten wie Rüblikuchen-Eis, Gurke-Minze oder Mohn-Marzipan über die Ladentheke. Die beiden experimentieren viel in ihrer Küche. „Es gibt auch Sorten, die am Ende gar nicht raus gehen“, sagt Schaber. Was ein gutes Eis ausmacht? „Nur hochwertige Zutaten und ein ausgefeiltes Rezept machen ein Eis perfekt. Gutes Eis ist zudem nicht zu süß“, sagt Schaber. Auch sollte Eis nicht knallbunt sein: „Ein Pistazien-Eis kann nicht giftgrün sein.“

Im Moment tüfteln die beiden an einem Eis mit Gin und an einer Art Eiscreme-Sandwich. Die Lust am Experiment war es auch, die das Gründerduo zur eigenen Eisdiele bewogen hat. „Unsere Fantasie ist mit uns durchgegangen, und wir haben uns die verrücktesten Sorten ausgemalt. Irgendwann musste einfach eine eigene Eisdiele her“, sagt Estasi. Angefangen hatte schließlich alles mit einem alten VW-Bus, aus dem die beiden ihr Eis auf Streetfood-Märkten verkauft haben – mit großem Erfolg. Die Entscheidung, gemeinsam eine richtige Eisdiele eröffnet zu haben, bereuen die beiden ganz und gar nicht: „Es macht großen Spaß. Jeder freut sich über ein Eis. Ob man einen schlechten oder einen guten Tag hat – sobald die Eistüte in der Hand ist, fängt man an zu strahlen“, sagt Schaber.