Eishockey „Jeder will zu Olympia“

Von Johannes Nedo 

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft spielt am Donnerstagabend in Bietigheim gegen die Niederlande. Für Kapitän Michael Wolf ist es auch eine Rückkehr an seine erste Station als Profi.

Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf kehrt zurück an seine erste Profistation. Foto: dpa
Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf kehrt zurück an seine erste Profistation.Foto: dpa

Stuttgart - Wenn die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am Donnerstag (19.30 Uhr/Sport 1) in Bietigheim gegen die Niederlande antritt, geht es um sehr viel: Die Partie ist der Auftakt des Olympia-Qualifikationsturniers. Für den Kapitän Michael Wolf ist sie zugleich die Rückkehr an seine erste Profistation. Der Stürmer von den Iserlohn Roosters spielte von 2001 bis 2004 für die Steelers.


Herr Wolf, als Sie noch in Bietigheim spielten, war der damalige Clubpräsident Eduard Fehr berüchtigt dafür, emotionsgeladen aufs Eis zu stürmen. Wie würde Ihnen am Sonntag eine kollektive Eissturm-Jubelaktion des Publikums gefallen?
Wichtig ist nur, dass wir die Olympiaqualifikation schaffen. Wie wir dann jubeln oder feiern, ist egal. Da werden wir schon die richtigen Ausdrucksformen finden.

Was bedeutet es Ihnen, als Kapitän für dieses wichtige Turnier an Ihre erste Profistation zurückzukehren?
Ich freue mich einfach, wieder hier zu sein. Ich hatte eine schöne Zeit in Bietigheim, es waren drei tolle Jahre. Wir haben es immer bis ins Halbfinale geschafft – und sind dann leider immer gegen den späteren Zweitligameister ausgeschieden. Dennoch habe ich nur positive Erinnerungen. Und es sollen nur schöne dazukommen.

Wie wichtig war Bietigheim für Ihre weitere Karriere?
Ich wollte bei den Steelers unbedingt Fuß fassen in der zweiten Liga. Das ist mir gelungen. Aber ich brauchte dann einen Wechsel, weil es für mich mit Bietigheim leider nicht weiter nach oben ging. Trotzdem kann ich sagen: Ich habe viel gelernt, denn ich hatte viele gute Mitspieler.

Was ist Ihnen aus der Bietigheimer Zeit besonders im Kopf geblieben?
Die schönsten Spiele waren damals die gegen Heilbronn, als wer weiß wie viele Tausend Leute die alte Eishalle komplett gefüllt hatten – so viele verrückte Eishockeyfans in dem kleinen Schmuckkästchen. Wobei man sagen muss: die neue Arena schaut wirklich sehr schön aus.

In dieser neuen Halle erwarten nun alle, dass die Nationalmannschaft gegen Italien, Österreich und die Niederlande gewinnt. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?
Das ist eine extreme Situation. Jeder denkt, wir haben es schon geschafft. Wir sind mit Sicherheit mental gefordert. Aber wir sind auch alle Profis und müssen damit umgehen können. Wir müssen einfach unser bestes Eishockey abrufen. Denn diese Spiele werden sehr eng.

Wirklich?
Wir dürfen keinen Gegner unterschätzen. Die Niederlande haben sich auf dem Weg zu diesem Turnier gegen vermeintlich stärkere Teams durchgesetzt. Gegen Italien haben wir uns vor einem Jahr beim 3:0-Sieg während der WM auch schwer getan. Und gegen Österreich ist es immer ein knappes Spiel. Wir dürfen uns gegen keine der drei Mannschaften ausruhen.

Das könnte der neue Bundestrainer Pat Cortina nicht besser sagen. Was hat der Italo-Kanadier im Vergleich zu seinem Vorgänger Jakob Kölliker verändert?
Er hat das System wieder umgestellt. Wir hatten ja nicht so viel Zeit, um gemeinsam zu trainieren. Er legt viel Wert darauf, das Forechecking schon in der Offensivzone konsequent zu spielen, weil es dann auch in der Defensive einfacher wird. Nur mit dieser kämpferischen Einstellung können wir erfolgreich sein. Und ich bin überzeugt davon, dass Cortina uns zu diesen Erfolgen führen wird. Ansonsten ist er ein sehr ruhiger Trainer – bis jetzt zumindest. Ich hoffe, es bleibt so.

Hat Pat Cortina Ihnen als Kapitän besondere Aufgaben zugedacht?
Nein, wir haben viele in der Mannschaft, die das Kapitänsamt ausführen könnten. Ich möchte einer von denen sein, die mit gutem Beispiel vorangehen. Ich bin kein Sprücheklopfer. Ich mache das eben auf dem Eis. Schließlich zählt nur eines: dass wir die drei Spiele gewinnen, den ersten Platz haben und dann bei Olympia sind.

Sie waren schon 2010 in Vancouver dabei. Warum ist Olympia so faszinierend?
Wegen des ganzen Drumherums. Im Olympischen Dorf mit den anderen Athleten zu sein. Und von all den anderen großartigen Wettkämpfen etwas mitzukriegen. Das vergisst man nicht. Es ist einfach das größte Sportereignis. Jeder will dorthin.
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