Stuttgart - Die ewige Ruhe findet man in der Landeshauptstadt frühestens in einer Tiefe von 1,80 Meter. Wer sie irgendwann noch mit jemandem teilen möchte, wird sogar 2,40 Meter tief unter die Erde gebettet, damit nach oben hin noch Platz ist. Doch was passiert eigentlich auf den Friedhöfen, wenn die Erdoberfläche vereist ist, wenn die Blumen und Kränze auf den Gräbern nebenan wächsern erstarrt sind und man mit der Schaufel nicht einmal ein paar Millimeter weit in die Erde hineingraben kann?
Gestorben wird immer, das wissen die Mitarbeiter des städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. Und deshalb bleibt den Toten die ewige Ruhe in angemessener Tiefe auch bei minus zehn Grad nicht verwehrt. „Die Kälte macht uns auf den Friedhöfen nichts aus, sie stört unsere Arbeit nicht wirklich“, sagt der Amtsleiter Harald Aust. Wer sich die Stuttgarter Friedhofspraktiken vorstellen mag, darf selbstverständlich nicht an die schaufelnden Totengräber wie bei Shakespeares Hamlet denken. „Wir kommen mit dem Bagger und da interessiert es uns nicht, ob die obersten zwanzig Zentimeter der Erde gefroren sind. Das ist kein Problem für unsere Geräte“, sagt Harald Aust. Zu Verzögerungen im Bestattungsbetrieb komme es daher nicht, alles laufe trotz der eisigen Witterungsbedingungen nach Plan. „Wir hatten im vergangenen Jahr sogar auch mal eine gefrorene Schicht von bis zu 40 Zentimetern, doch das macht nichts aus.“ Auch der Ablauf der Bestattungen verändere sich nicht wegen der tiefen Temperaturen: Am Ende steht die Trauergemeinde vor dem Grab, das war schon immer so und bleibt auch in den kälteren Monaten so, sagt Aust.
Die Arbeit auf den Baustellen ruht größtenteils
Weniger gewohnte Bahnen geht die Arbeit derzeit bei vielen Baufirmen in der Landeshauptstadt. Ab einer gewissen Temperatur wird es kritisch, was den Bau angeht. Holger Braun von der Bauwirtschaft Baden-Württemberg erklärt: „Es gibt zwar Zusatzstoffe für Beton, die bewirken, dass er trotz der Kälte noch aushärten kann.“ Teilweise könnten auch Straßenarbeiten – also das Ausheben von Gräben oder das Verdichten von Asphalt beispielsweise – immer noch ausgeführt werden. „Doch im zweistelligen Minusbereich der Temperaturen geht eigentlich dann gar nichts mehr“. Und Markierungsarbeiten seien schon bei leichtem Frost nicht mehr machbar. „Da hält auf den Straßen nichts mehr“, berichtet Holger Braun.Wenn es im Winter beim Bau für die Mitarbeiter nichts mehr zu tun gibt, müssen diese aber nicht, wie früher oft geschehen, entlassen werden, sondern sie können im Sommer angesammelte Überstunden abfeiern, beziehungsweise sie erhalten Saisonkurzarbeitergeld. „Die Überstunden werden außerdem aus der Winterbeschäftigungsumlage mit 2,50 Euro pro genommener Stunde versüßt“, so Holger Braun.
Gefrierendes Löschwasser ist eine Gefahr
Die Feuerwehr hat es mit den eisigen Temperaturen nicht gerade leicht, doch man ist gegen alle Eventualitäten gewappnet: „Die Geschichten, die man manchmal hört, Löschwasser sei eingefroren und deshalb alles abgebrannt und so weiter – das kann bei uns nicht passieren“, versichert Sebastian Fischer, der Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr. Die Feuerwehrautos stünden in einem beheizten Raum, pro Fahrzeug würden 2000 Liter Wasser in einem Löschwasserbehälter transportiert, das in 90 Prozent der Brände ausreiche. „Wenn noch mehr Wasser aus Hydranten genommen werden muss, dann dürfen die Schläuche eben zu keinem Zeitpunkt ohne Wasserfluss sein, damit es nicht in den Schläuchen einfriert“, sagt Fischer.
Ein gewisses Problem stelle allerdings das auf Straßen sofort gefrierende Löschwasser dar, beispielsweise wenn ein brennendes Fahrzeug gelöscht werden muss. Bevor die Straße wieder für den Verkehr frei gegeben werden kann, muss deshalb erst einmal der Streudienst ran und für rutschfeste Straßen sorgen.


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