Plochingen - Der Winter hält nicht nur das Land in seinem eisigen Griff. Auch zu Wasser geht inzwischen nichts mehr. Seit Dienstag ruht der Schiffsverkehr auf dem Neckar. Weil die Funktion der Torantriebe und der Verschlusssysteme unter der Eislast leidet, hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Stuttgart den Betrieb der Neckarschleusen eingestellt.
Von der Stuttgarter Zentrale aus werden die Schleusenkammern zwischen Deizisau und Stuttgart-Hofen ferngesteuert. Die Schiffe, die zu diesem Zeitpunkt neckarabwärts unterwegs waren, durften den kritischen Bereich noch in Richtung Heilbronn verlassen. Am Abend dann schalteten die Ampeln auf der gesamten Strecke von Besigheim (Flusskilometer 136,3) bis hinauf nach Deizisau (Flusskilometer 199,6) auf Dunkelrot.
Neckarhafen Plochingen überrascht
Zumindest für den Neckarhafen Plochingen ist die Sperrung überraschend gekommen. Am frühen Nachmittag noch hatte sich der Hafendirektor, Eberhard Weiß, optimistisch gezeigt. „In unserem großen Hafenbecken ist das Eis rund sechs Zentimeter dick. Da pflügt ein normales Schiff locker durch“, sagte er. Dass das Frachtschiff, das am frühen Nachmittag noch beladen worden war, vermutlich längere Zeit im Hafen festliegen würde, konnte Weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.
Ohnehin erinnert sich der Hafenchef, der im März seit 20 Jahren auf der Kommandobrücke steht, nicht daran, dass der Plochinger Hafen jemals komplett ausgefallen gewesen wäre – zumindest nicht, seit er das Sagen hat. Allerdings hängt in Weiß’ Büro ein Ölgemälde aus dem Jahr 1985, das Eisschollen auf einem damals offenbar dick zugefrorenen Neckar zeigt.
Ende der Sperrung noch nicht absehbar
„Es ist die Aufgabe des Wasser-und Schifffahrtsamts, die Fahrrinne frei zu halten“, sagt Weiß. Im Wasser- und Schifffahrtsamt dagegen argumentiert man nicht nur mit der Sorge um die technische Funktionsfähigkeit der Schleusen. „Die Schiffe schieben so viele Eisschollen vor sich her, dass sie selbst gar nicht mehr in die Schleusenkammern passen“, heißt es in Stuttgart. Wie lange die Sperrung aufrechterhalten werde, sei noch nicht abzusehen.
Des einen Leid, des anderen Freud: im Kreis Esslingen nutzen viele Eissportler die von der Natur präparierten Spielflächen. Vor allem auf den Baggerseen im Neckartal und auf den Bürgerseen bei Kirchheim werden fleißig die Schlittschuhe geschnürt. Sehr zum Missfallen jener, die im wahrsten Sinne des Wortes einspringen müssen, wenn es schiefgeht. „Im Landkreis Esslingen gibt es keine Eislaufseen“, betont Christian Althaler, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Esslingen. Wer sich dieser Tage auf das Eis begibt, bewegt sich seinen Worten zufolge auch rechtlich auf brüchigem Grund. „Wenn ein Eigentümer einen See für den Wintersport frei gibt, dann müsste er auch haften, wenn etwas passiert“, sagt Althaler. Dieses Risiko wolle niemand eingehen. Weil im Gegenzug auch Otto Normalschlittschuhläufer das Risiko nicht abschätzen könnte, lautet sein dringender Rat: die Seen genießen, aber vom Ufer aus.
Eisretter in Einsatz
Dessen ungeachtet sind die Lebensretter für den Notfall gerüstet. 4000 Mitglieder zählt der DLRG-Bezirk Esslingen, eine gute Handvoll von ihnen, meist Strömungsretter, haben auch eine Ausbildung als Eisretter absolviert. „Mit ihnen werden wir in naher Zukunft eine am wirklichen Notfall orientierte Alarmübung durchführen“, sagt Althaler. Immer in der Hoffnung, dass es nicht zum Ernstfall kommen möge.

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