Elektrofestival in Ludwigsburg Besser im Schlosshof als im dunklen Bunker

Von Patricia Elsner 

Ein Festival der besonderen Art fand am Samstag in Ludwigsburg statt: 6000 Elektrofans feierten im Ehrenhof des Residenzschlosses unter anderem zu Musik von Fritz Kalkbrenner, Karotte und Stephan Bodzin.

Zu Fritz Kalkbrenner tanzten die Raver in der prallen Sonne. Foto: factum/Granville
Zu Fritz Kalkbrenner tanzten die Raver in der prallen Sonne. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Dreißig Grad, pralle Sonne und ein Ort, der prunkvoll und kein bisschen düster ist: Der Rave am Samstag war für viele Technofans ein neues Erlebnis. Statt in einem dunklen Club feierten etwa 6000 Besucher im Ehrenhof des Residenzschlosses Ludwigsburg beim Festival Electrique Baroque.

Um 10 Uhr morgens geht das Programm los. Die ersten Technofans tanzen in der Mittagshitze. Es ist wahnsinnig heiß im Innenhof. Zwischen den Besuchern laufen barock verkleidete, drei Meter hohe Artisten. Teilweise bewegen die sich auf Stelzen besser als so mancher Besucher ohne.

Die meisten Raver kommen in Freizeitkleidung. Jeder Zweite trägt Sonnenbrille und einen Turnbeutel auf dem Rücken. Jürgen und Renée Heyl dagegen haben das barocke Motto aufgegriffen. Sie trägt ein rotes Mieder und eine lange, schwarz-weiße Perücke mit Mini-Hut. Er bevorzugt buntes Jackett und Lederhut. Vor 24 Jahren haben die beiden die erste illegale Technoparty in Stuttgart veranstaltet. In einem Bunker. „Electrique Baroque gehört für mich zu einem dieser unvergesslichen Events. Ein Rave in einem Schlosshof – das ist einfach nur geil“, sagt Renée Heyl.

Der Veranstalter wollte ein Elektrofestival mit Ambiente

Ausgedacht hat sich das Ganze Stefan Pauen. Der 55-Jährige ist Inhaber der Ludwigsburger Marketingagentur Sonar. Eigentlich erstellt er Kommunikationskonzepte im Automobilbereich. Privat hört er gerne Elektromusik. „Ich wollte ein Elektrofestival mit einem besonderen Ambiente und einer Seele. Daher sollte es ein Schloss als Location sein.“ Dass die Party am selben Wochenende stattfindet wie die Venezianische Messe sei Zufall, sagt Pauen.

Gegen 16 Uhr wird es langsam voller auf dem Ehrenhof. Einer der Hauptacts, der DJ Fritz Kalkbrenner, kündigt sich an. Am Eingang haben die Securitys viel zu tun. Drogen werden bei den Kontrollen nur wenige gefunden. Das passt zur Stimmung: keine Pöbeleien und Schlägereien. Auch vor der Bühne gibt es kein Gedränge.

Lange Wartezeiten an den Essenständen

Allerdings wird es um 17 Uhr vor den Essensständen eng. Alle haben zur selben Zeit Hunger. Einige Besucher reagieren genervt und verlassen das Festivalgelände, um in der Stadt etwas zu essen.

Das trübt aber nicht die Stimmung. Bei Kalkbrenner und Karotte tanzen die Raver, Jung und Alt, vor der Bühne. Ellen Glässner (48) ist mit ihren zwei Freundinnen und dem erwachsenen Sohn da. Eigentlich stehen die drei Frauen eher auf Heavy Metal. Aber das Festival und die Musik gefällt ihnen. „Da lernt man ganz neue Tanzstile kennen“, sagt Nicole Borst (43).

Lichtershow bringt das Schloss zum Wackeln

Als es dunkel wird, beginnt die Lichtershow. Auf die Fassade des Schlosses werden Rosen, Engelsflügel und Luftblasen gemalt. Eine der Projektionen vermittelt das Gefühl, als würden die Wände des Schlosses zum Beat der Musik von Butch und Stephan Bodzin wackeln.

Ingrid Fechter (55) von der Security ist die Herrin über Taschen und Parfumflaschen. Nachmittags passen die Rucksäcke und Taschen der Festivalbesucher noch in ein kleines Zelt mit einem Tisch. Am Ende des Abends sind es mehrere aneinandergereihte Tische mit geschätzt einer Gesamtlänge von 20 Metern. Darauf steht alles, was den Besuchern am Eingang abgenommen wurde: große Rucksäcke, Taschen, Parfums, Deos und Lautsprecher. Beim Verlassen des Festivals bekommen die Raver ihre Sachen zurück.