Elektromobilität „Schaufenster bietet eine Riesenchance“

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Baden-Württemberg wird vom Großversuch mit Elektroautos profitieren, sagt der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid.

Der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid ist vom Erfolg des Großversuchs mit Elektrofahrzeugen im Südwesten überzeugt. Foto: ddp
Der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid ist vom Erfolg des Großversuchs mit Elektrofahrzeugen im Südwesten überzeugt.Foto: ddp

Stuttgart - Baden-Württemberg wird eines von vier Schaufenstern der Elektromobilität in Deutschland und erhält Fördermittel des Bundes, um die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben voranzubringen. Der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sieht dies im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung als „Riesenchance“. Erstens könne das Land damit Leitanbieter für Elektromobilität werden, und so gleichzeitig mit dem Schaufenster Leitmarkt werden, sagt Schmid mit Hinweis auf die mehr als 3100 Fahrzeuge, die im Rahmen dieses Großversuchs auf die Straße kommen sollen. „Damit wird Elektromobilität im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar“, meint der Minister.

Rund 120 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand sind wie berichtet an 41 Einzelprojekten mit einem Gesamtvolumen von rund 153 Millionen Euro beteiligt. Knapp ein Drittel des Geldes soll vom Bund kommen. Nils Schmid, der an führender Stelle die Bewerbung mit vorbereitet hat, glaubt, dass nicht nur die harten Fakten der Projekte bei der Kür des Südwestens als Schaufenster dieser neuen Technik überzeugt haben, sondern auch der hier spürbare Geist.

Es sei Teil der Kultur im Südwesten, „immer wieder Neues zu wagen, im positiven Sinne technikverliebt zu sein und gleichzeitig verliebt ins Gelingen von Neuem“. Diese mentale Prägung, dass man mit Technik Wohlstand schaffen könne, habe man bei der Vorbereitung gespürt, und dies habe auch zur Entscheidung der 13-köpfigen Jury unter der Leitung des Innovationsforschers Dietmar Harhoff von der Technischen Universität München beigetragen.

Zur Jury gehörten auch VDA-Chef Matthias Wissmann und IG-Metall-Chef Berthold Huber. Insgesamt gab es 23 Bewerbungen. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, ging dabei ebenso leer aus wie etwa Hessen.

Nils Schmid meint, dass das Image von Elektroautos vom geplanten Großversuch profitieren werde. Das Image hat nach einer anfänglichen Phase der Begeisterung in jüngster Zeit etwas gelitten, seit Autotester belegten, dass die Reichweite der Batterien im Winter viel geringer ist, als von den Autobauern angegeben und General Motor die Produktion des hoffnungsvoll gestarteten Elektroautos Ampera vorübergehend einstellen musste, weil es zu wenig Bestellungen gab. Der Gefahr einer zunehmenden Skepsis werde man mit dem Schaufenster entgegenwirken, sagt der Minister und weist auf die zahlreichen Projekte hin, bei denen die Fahrzeuge unter unterschiedlichsten Bedingungen, im Individualverkehr und in der Logistik sowie verknüpft mit öffentlichen Verkehrsmitteln erprobt würden. Zudem weist der Minister darauf hin, dass die Topografie im Raum Stuttgart mit ihren vielen Steilstrecken sehr anspruchsvoll sei. „Das ist ja nicht das flache Land, wo Elektroautos einfach dahinschnurren können, sondern ein echter Härtetest in der Praxis.“

Das Land beteiligt sich nach Angaben von Schmid auf zwei Wegen an der Förderung der Elektromobilität. Erstens koordiniere die Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie (e-mobil BW) die Aktivitäten von Wirtschaft, Verbänden und öffentlicher Hand, bringe somit alle Akteure im Sinne einer dialogorientierten Wirtschaftspolitik an einen Tisch. Zweitens werde die vor drei Jahren gestartete Landesinitiative Elektromobilität fortgesetzt. In diesem Rahmen sollen bis 2014 insgesamt 50 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Diese Landesinitiative enthält laut Schmid Bausteine, die gezielt für das Schaufenster Elektromobilität eingesetzt werden können. Dazu gehört etwa der Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben in den Fuhrparks von Ministerien und Behörden oder die Bereitstellung von Ladesäulen für Elektroautos. Es werde auch überlegt, so Schmid, Fahrzeuge mit alternativem Antrieb auf dem Stuttgarter Flughafen einzusetzen.

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1 KommentarKommentar schreiben

Riesenchance: Wenn ich diesen Bericht richtig verstehe, sollen hier für 150 millionen Euro 3100 E-Fahrzeuge bei Ministerien und Behörden im Fuhrpark plaziert werden. Was hat denn der Normalverbraucher davon? Das Geld sollte lieber in die Entwicklung neuer Accutechnologien investiert werden. Die Energiedichte und die Leistung unter 15 Grad Temperatur reicht derzeit für den Betrieb von E-Autos nicht aus. Zudem sollten lieber Pedelecs gefördert werden. China hat in Grossstädten durch staatliche Förderung sämtliche Mopeds auf E-Antrieb umgestellt, in Österreich gibt es 300 Euro Prämie vom Staat für eine Anschaffung. Hier nichts! Aber dafür extrem teure Elektro-Spielzeugautos ohne Reichweite die nichts taugen für Staatsbedienstete.

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