Elfgeschossiger Turm in Ludwigsburg Strenger will Hochhaus am Bahnhof bauen

Von  

Die Stadt Ludwigsburg lehnt einen geplanten elfgeschossigen Turm ab, aber die Immobilienfirma verweist auf den gültigen Bebauungsplan. Dieser stammt aus den siebziger Jahren.

Bald kein Parkplatz mehr: an der Karlstraße 8 in Ludwigsburg  könnte ein Haus mit  elf Stockwerken  errichtet werden. Foto: factum/Granville
Bald kein Parkplatz mehr: an der Karlstraße 8 in Ludwigsburg könnte ein Haus mit elf Stockwerken errichtet werden.Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Die Immobilienfirma Strenger will hoch hinaus: An der Karlstraße 8 möchte sie ein elfgeschossiges Haus errichten – und provoziert damit die Stadtverwaltung. Ein Haus in dieser Höhe passe nicht in diese Innenstadtlage, sagt der Stadtplaner Martin Kurt. Der Geschäftsführer Karl Strenger hingegen findet, der geplante Turm auf der Parkplatzanlage in der Nähe des Zentralen Bushahnhofs (ZOB) füge sich ein: „Betrachtet man das mh-Plus-Gebäude sowie das von der Stadt geplante Hochhaus am Kepler-Dreieck, passt unser Projekt perfekt in den städtebaulichen Kontext“, sagt er.

21 Millionen Euro für Wohnturm

Die Stadt wurde von dem Vorstoß der Immobiliengruppe überrascht. „Bisher haben noch keine Gespräche mit dem Unternehmen stattgefunden“, sagt Kurt. „Uns liegt weder eine Bauvoranfrage noch ein Entwurf vor.“ Ein erstes Treffen von Unternehmensführung und Baubürgermeister Michael Ilk sei für den kommenden Montag terminiert, sagt Kurt.

Mit dem von Strenger errichteten Gebäude, das firmenintern als „Long Charles“-Projekt gehandelt wird, gebe es in Ludwigsburg künftig „im Umkreis von 250 Metern drei sehr interessante Hochhäuser“, schwärmt der Geschäftsführer. Die Architektur des Projekts werde „stilvoll und modern“ sein und ausreichend viele Tiefgaragenplätze bieten. Das Grundstück ist 2200 Quadratmeter groß. Die Firma Strenger werde 21 Millionen Euro investieren, um einen Mix aus Studentenwohnungen und Business-Apartments sowie Büros und Eigentumswohnungen zu schaffen. Sie biete damit ein klassisches Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung.

Zumindest das Argument „Nachverdichtung“ überzeugt auch den Stadplaner: „Wir sind froh, dass es der Firma Strenger gelungen ist, diese Fläche zu erwerben“, sagt Kurt. Auch dass dort urban und dicht gebaut werden solle, finde er überzeugend. „Aber ein Hochhaus von diesen Dimensionen sehen wir sehr kritisch, denn nach unserer Ansicht ist das Gelände Teil der historischen Innenstadt.“ Der Verweis auf andere Hochhäuser im 250-Meter-Umkreis ziehe nicht. Die beiden angesprochenen Beispiele – mh-Plus-Haus und geplantes Kepler-Hochhaus – lägen jenseits der Bahngleise. Was dort möglich sei, funktioniere auf der City-Seite noch lange nicht.

„Wir werden das Planungsrecht ändern“

Strenger verweist auf den bestehenden Bebauungsplan für das Areal: Dieser sei auch mit Blick auf eine innerstädtische Nachverdichtung für den Standort Karl-straße aktueller denn je, teilt das Unternehmen mit. Tatsächlich gebe es einen Bebauungsplan aus den siebziger Jahren, der ein so großzügiges Bauen gestatte, räumt Kurt ein. „Aber wir werden das Planungsrecht ändern, denn wir halten ihn für obsolet.“

Glücklicherweise sei dieser Plan nie umgesetzt worden, sagt Martin Kurt. Andernfalls stünde am Bahnhof noch ein Komplex à la Marstallcenter. Die Pläne von einst hätten vorgesehen, das gesamte Carré vom Solitudeparkhaus bis zur Musikhalle abzureißen und dort neu zu bauen. „In den Siebzigern ist man sehr geringschätzig mit der Tradition umgegangen, diese Fehler der Vergangenheit werden wir nicht wiederholen.“

Angesichts von Wohnungsnot und Bevölkerungswachstum trete auch die Stadt für eine hohe Verdichtung ein, sagt Kurt. „Aber nur da, wo das auch verträglich ist.“