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Fußball
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EM-Qualifikation Elf Belgier und der Schweinehund

Marko Schumacher, vom 03.09.2010 12:02 Uhr
Philipp Lahm bleibt vorerst die rechte Hand des Bundestrainers Löw. Foto: ddp
Philipp Lahm bleibt vorerst die rechte Hand des Bundestrainers Löw. Foto: ddp
Brüssel - Der Alltag beginnt in einer reichlich unglamourösen Atmosphäre. Im Hotel Dolce La Hulpe ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft abgestiegen, einem schmucklosen Zweckbau vor den Toren von Brüssel, der den Charme einer Landessportschule verströmt. Üblicherweise sind auf Länderspielreisen ansonsten nur die Fünfsternepaläste in den Innenstädten gut genug für Deutschlands Auswahlkicker - doch diesmal soll offenbar schon die Quartierwahl im Niemandsland signalisieren: jetzt ist es vorerst vorbei mit dem Luxus, jetzt steht die harte Arbeit im Vordergrund.

Gegen Belgien startet die DFB-Equipe in die Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Es ist nicht nur das erste Pflichtspiel in dieser Saison, es ist auch der erste ernstzunehmende Auftritt der deutschen Nationalmannschaft nach der Weltmeisterschaft in Südafrika. Dritter ist sie dort geworden und hat teils begeisternden Fußball gespielt. Allerdings weiß nicht nur der Assistenztrainer Hansi Flick: "Von dieser WM können wir uns jetzt nichts mehr kaufen."

Ein Neustart nach einer WM beinhaltet Tücken


Es geht also wieder bei null los, alles auf Anfang, so lautet die Devise. Drei Punkte zum Auftakt sind fest eingeplant, drei weitere sollen am nächsten Dienstag in Köln gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan folgen. Das klingt einerseits machbar, anderseits ist allen im deutschen Lager klar, dass ein Neustart nach einer WM so seine Tücken beinhaltet. Nach berauschenden Spielen gegen England oder Argentinien ist es nicht die leichteste Übung, sich wieder für den Alltag einer EM-Qualifikation zu motivieren.

Der Bundestrainer ahnt, welche Gefahren in Belgien lauern. "Nach guten Turnieren haben sich auch große Mannschaften oft schwergetan im ersten Spiel", sagt Joachim Löw und erinnert an die Italiener 2006 und die Spanier 2008. Er verlangt daher von seinen Spielern, dass sie "mit voller Konzentration in diese neue Phase starten". Es werde "spannend, zu sehen", meint Hansi Flick, "wie die Mannschaft das annimmt". Neben elf Belgiern erwartet er im König-Baudouin-Stadion einen weiteren Gegner für die deutschen Spieler: "Sie müssen auch den inneren Schweinehund überwinden."

"Es ist nicht einfach, in den Rhythmus zu kommen"


Zumindest der Einsatz muss also stimmen - denn spielerische Wunderdinge erwartet zu diesem Zeitpunkt der Saison ohnehin niemand von der DFB-Mannschaft. Erst vor vier Wochen ist der Großteil der Spieler ins Training eingestiegen, im ersten Testspiel in Dänemark (2:2) sind die meisten WM-Fahrer noch geschont worden. Sie haben seither wenig Zeit für einen vernünftigen Aufbau gehabt, es ging gleich los mit dem DFB-Pokal, dem Europacup, der Bundesliga. "Nach so kurzer Zeit", sagt Flick, "ist es völlig normal, dass die Spieler noch keinen Rhythmus haben."

Viel ist in diesen Tagen von Rhythmusstörungen die Rede und davon, dass es eine Weile dauern werde, bis die Nationalmannschaft wieder zu alter Form aufläuft. Er sei zwar nicht müde, erklärt Philipp Lahm, der in Abwesenheit von Michael Ballack vorerst weiter die Kapitänsbinde tragen darf, "aber es ist nicht so einfach, schon wieder in den Rhythmus zu kommen. Wir müssen daher höllisch aufpassen". Dennoch lässt auch er keinen Zweifel daran, dass die EM-Qualifikation mit einem standesgemäßen Sieg in Belgien zu beginnen habe: "Wir sind der Topfavorit in unserer Gruppe, bei der WM haben wir mit unserem Spiel überzeugt - das wollen wir jetzt fortführen."

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