EnBW-Affäre Abenteuerliche Vorwürfe aus Moskau
Andreas Müller, 12.01.2012 06:46 Uhr
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Ein Russe verklagt die EnBW wegen Scheingeschäften. Foto: dpa
Ein Russe verklagt die EnBW wegen Scheingeschäften. Foto: dpa
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Karlsruhe - Die EnBW wirkte wie eine Festung. Nur das Allernötigste ließ der Energiekonzern zu seinen undurchsichtigen Russlandgeschäften nach draußen dringen. Man habe 130 Millionen Euro abgeschrieben, weil Verträge womöglich nicht erfüllt worden seien. Es gehe um die Lieferung von Atombrennstoff, den Rückbau des Reaktors Obrigheim und ein System zur Überwachung von Nuklearmaterialien - das war alles. Ansonsten verwiesen die Karlsruher stets darauf, dass die interne Aufarbeitung noch laufe. Nachfragen der StZ, etwa zu den russischen Partnern oder den Bezug zu einem Gasgeschäft, wurden abgewimmelt. Der angekündigten Information der Öffentlichkeit stand immer noch irgendetwas entgegen.

Auch innerhalb der Festung war die Transparenz kaum größer. Die Russlandthematik umgab in der EnBW eine gewaltige Geheimniskrämerei, nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten wusste Bescheid. Umso größer war das Geraune quer durch alle Hierarchiestufen: Die Sache habe eine enorme Brisanz, hieß es, wenn sie öffentlich werde, explodiere "eine Bombe".

In Russland spricht man zum ersten Mal

Angeheizt wurden die Spekulationen noch durch Äußerungen des Technikvorstandes Hans-Josef Zimmer. Er war wegen der Affäre zeitweise abgesetzt, von ihm fordert die EnBW immer noch Schadenersatz in Millionenhöhe. Doch der 53-Jährige sieht sich in der Sache - womöglich zu Recht - nicht vorrangig als Akteur, sondern als Bauernopfer. Wenn er noch länger als Sündenbock herhalten müsse, soll er intern gedroht haben, dann werde er sich wehren und die wahren Hintergründe offenlegen. Für die wirklich Verantwortlichen, so wurden seine Andeutungen verstanden, werde es dann sehr unangenehm.

Nun wird erstmals eine Version des Geschehens bekannt, die abenteuerlich klingt, aber das Mauern und die Nervosität erklären könnte. Von der EnBW und ihrem früheren Chef Utz Claassen wird sie allerdings scharf dementiert. Sie stammt von den russischen Geschäftspartnern, die öffentlich bisher nie in Erscheinung getreten sind. Schlüsselfigur ist, wie von der StZ schon 2010 berichtet, ein schillernder Lobbyist und Geschäftsmann aus Moskau: Andrey Bykov. Er hat in Russland beste Kontakte in Wirtschaft und Politik, bis hinauf zu Präsident Putin, er ist besonders in der Energiebranche international engagiert, er versteht sich auch als Mittler zwischen Ost und West. In der Schweiz kontrolliert Bykov ein Firmenkonglomerat, zu dem auch Unternehmen gehören, mit denen die EnBW die fraglichen Geschäfte gemacht hat.

Kommentare (2)
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JAN
12
Realist, 12:24 Uhr

.....wirklich

abenteuerlich?

2
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JAN
12
Karl Heinz Siber, 11:02 Uhr

War das nicht völlig illusorisch?

"Lobbyarbeit in Russland mit dem Ziel, der EnBW die Kontrolle über riesige Gasfelder in Sibirien zu verschaffen." Welches Interesse sollten die Russen haben, einem deutschen Stromkonzern die Kontrolle über Gasvorkommen in Sibirien zu geben? Russland hat die Fähigkeit, diese Vorkommen mit eigenen Mitteln zu erschließen. Aber angenommen, Herr Bykov hätte nicht schwadroniert (was nicht nur russische Großmanager ganz gerne tun), sondern könnte einen solchen Riesen-Gasdeal wirklich einfädeln - warum tut er es nicht, jetzt wo die EnBW unabhängig von der EdF handeln kann? Die Gasfelder, von denen die Rede war, sind doch wohl noch da, oder?

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