Endlich Fahrradfahren Siebenjähriger Junge aus Afghanistan erfolgreich operiert

Von red 

Mohammad tobt über den Flur des Karl-Olga-Krankenhauses, aber eigentlich würde er viel lieber Fahrradfahren. Das hat er jedoch nie gelernt, denn Mohammad war zwei Jahre alt, als er sich mit heißem Wasser verbrühte. Er überlebte - aber mit schweren Folgen.

PD Dr. med. Thomas Ebinger hat den kleinen Mohammad aus Afghanistan erfolgreich an der Hand operiert.  Foto: Karl-Olga-Krankenhaus GmbH
PD Dr. med. Thomas Ebinger hat den kleinen Mohammad aus Afghanistan erfolgreich an der Hand operiert. Foto: Karl-Olga-Krankenhaus GmbH

Der Junge hat seine Hände bei dem Unfall so schwer verletzt, dass er mit seinen Fingern seither kaum mehr etwas greifen kann. Der heute Siebenjährige konnte nicht einmal schreiben.

Mohammad lebt mit seinen Eltern und Geschwistern im Norden Afghanistans. Hier versorgten die Ärzte unmittelbar nach dem Unfall die schweren Brandverletzungen des kleinen Jungen und konnten so erfolgreich eine Amputation verhindern. Aber es blieben große Narben.

„Es entstanden sogenannte Narbenkontrakturen in der Hohlhand“, erklärt PD Dr. med. Thomas Ebinger, Chefarzt der Klinik für Hand-, Plastische und Mikrochirurgie am Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart.„Das bedeutet, ein Öffnen der Hand ist aufgrund starker Narbenbildung nicht mehr möglich. Als ich Mohammad zum ersten Mal begegnete, sahen seine Hände aus wie zwei kleine Fäustlinge. Da Narben nicht mitwachsen, werden seine Finger massiv in der Entwicklung behindert.“

Die schweren Verletzungen machten Mohammad in seiner Heimat zum Außenseiter. Wenn seine Freunde mit dem Fahrrad unterwegs waren, konnte er nicht mitfahren. Beim Völkerballspiel stand er nur am Rand. Zwar geht er zur Schule - weil er aber keinen Stift halten kann, hat er nie Schreiben gelernt. In Afghanistan konnte ihm niemand helfen, deshalb vermittelte die Hilfsorganisation Friedensdorf International den kleinen Jungen nach Deutschland. Nachdem zunächst drei deutsche Kliniken die Behandlung für technisch zu anspruchsvoll bzw. wenig erfolgversprechend hielten, fand sich mit PD Dr. med. Thomas Ebinger ein Arzt, der die Herausforderung angenommen hat.

Hilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten

Der erfahrene Chirurg operierte Mohammad – zunächst an der rechten Hand - mit Lupenbrille und Mikroskop. Für die Wiederherstellung der Greiffunktion waren insgesamt drei operative Eingriffe unter Vollnarkose notwendig. Dr. Ebinger entnahm dabei unter anderem Gewebe aus dem Unterarm des Jungen um dieses auf die Hand zu transplantieren.

„Eine leichte Einschränkung wird sicherlich immer bleiben“, erläutert der Chirurg, „aber Mohammad trainiert fleißig mit unseren Physio- und Ergotherapeuten und erzielt bereits gute Fortschritte.“ Der kleine Patient sitzt auf seinem Bett und greift stolz nach einem Stück Pizza – bis vor wenigen Wochen noch undenkbar. Ende April wird Mohammad von Dr. Ebinger an der zweiten Hand operiert – dann steht einem Ausflug mit dem Fahrrad endlich nichts mehr im Wege.

Das Karl-Olga-Krankenhaus arbeitet seit mittlerweile 15 Jahren erfolgreich mit der Hilfsorganisation Friedensdorf International zusammen. „Dass wir uns wirklich voll und ganz auf den medizinischen Einsatz konzentrieren können, verdanken wir der Hilfsorganisation Friedensdorf International“, lobt Dr. Ebinger die Zusammenarbeit.

Die Organisation, die seit 1967 verletzten und kranken Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten hilft, kümmert sich um sämtliche Formalitäten, organisierte Mohammads Reise nach Deutschland und übernimmt nach Verlassen der Klinik auch die Nachbetreuung des Kindes ehe der Junge wieder zurück zu seiner Familie nach Afghanistan fliegen darf.