| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
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Energie in Stuttgart „Stadtwerke stehen für die Energiewende“

Wolfgang Schulz-Braunschmidt, vom 26.01.2012 13:42 Uhr
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„Es wird nicht zu einer Verspargelung kommen“, verspricht Franz Untersteller, Umweltminister (Grüne) Foto: dpa
„Es wird nicht zu einer Verspargelung kommen“, verspricht Franz Untersteller, Umweltminister (Grüne) Foto: dpa

Stuttgart - Die Stadt drückt beim Thema Stadtwerke mächtig aufs Tempo, um ihren Bürgern von Herbst an Ökostrom anbieten zu können. Am Mittwoch haben sich vier Bewerber für den Posten des technischen Geschäftsführers den Aufsichtsräten vorgestellt. Unter den von Headhuntern handverlesenen Fachleuten soll sich mindestens ein Bewerber aus der Region befinden.

Bereits am Dienstag hatten sich – wie ausführlich berichtet – im Aufsichtsrat der neuen städtischen Energietochter mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), den Stadtwerken Aachen (Stawag) und dem kommunalen Energieverbund Thüga drei mögliche Partner in Sachen Ökostrom- und Gasvertrieb vorgestellt. Bei der Sitzung kam auch zur Sprache, dass die EWS sogar bis zu 10.000 Kunden in die Stadtwerke Stuttgart einbringen könnten. Wenn es zur Kooperation komme, solle aber jeder Stuttgarter Kunde der Stromrebellen aus dem Schwarzwald vorher gefragt werden, ob er mit dem Wechsel einverstanden sei.

Entscheidung fällt im Februar

„Die Grundsatzentscheidung, mit welchem Partner die Stadtwerke beim Strom- und Gasvertrieb strategisch zusammenarbeiten, fällt im Februar“, betont Finanz-und Wirtschaftsbürgermeister Michael Föll. Anschließend müssten noch die vertraglichen Details geregelt werden. „Spätestens bis Juni sollte alles klar sein.“ Auch beim Thema technischer Geschäftsführer werde eine „zeitnahe Entscheidung angestrebt“. Das sei auch möglich, weil alle vier Bewerber hochqualifiziert seien.

„Wir wollen neue kommunale Stadtwerke, die für die Energiewende stehen“, betont Föll. Außerdem solle die städtische Tochter ein besonders bürgernahes Unternehmen sein. „Die Stuttgarter können sich über Energiegenossenschaften finanziell an der Stadtwerke-Produktionsgesellschaft für erneuerbare Energien beteiligen“, kündigt der Stadtkämmerer an. In den nächsten zehn Jahren sollten mindestens 700 Millionen Euro in Windparks, Sonnenstrom- und Biogasanlagen investiert werden. Als Standorte für Windräder favorisiert der Finanzbürgermeister die Hochflächen auf der Schwäbischen Alb. „Ich bin kein Freund von Windparks in der Nord- oder Ostsee.“

Auch für die Bürger finanziell recht attraktiv

Föll kann sich vorstellen, dass bis zu 25 Prozent des Investitionskapitals der Stadtwerke aus genossenschaftlichen Anteilen kommen. Das stärke nicht nur den Gedanken der kommunalen Daseinsvorsorge; die Investition in die Stadtwerke sei auch für die Bürger finanziell recht attraktiv: „Ich halte eine Rendite zwischen vier und fünf Prozent für möglich.“

Um die politische Kontroverse über eine Beteiligung der EnBW oder anderer Energiekonzerne zu befrieden, ist für Föll „auch eine Beteiligung der Bürger am Strom- und Gasnetz“ vorstellbar. „Diese Netze sollen der Stadt mindestens zu 51 Prozent gehören.“ Darüber hinaus könne er sich aber auch noch einen zusätzlichen genossenschaftlichen Anteil vorstellen, der den kommunalen Eigentumsanteil erhöhe.

Nach Ansicht des Finanz- und Wirtschaftsbürgermeisters dürfen sich die Stadtwerke nicht mit der Erzeugung und dem Vertrieb umweltfreundlicher Energie zufriedengeben. „Stadtwerke müssen heute auch Dienstleister für ihre Kunden sein.“ Dazu gehörten Wartung und Service für Heizzentralen. Es müsse auch möglich sein, moderne und sparsame Heizungen von den Stadtwerken zu leasen.

Energiepolitisch unerfreulicher Umstand

Auch den energiepolitisch unerfreulichen Umstand, dass in Stuttgart viele Häuser und Wohnungen in den Stadtbezirken als Erblast aus dem vergangenen Atomzeitalter nur mit Nachtstrom beheizt werden können, soll die neue städtische Energiewerkstatt möglichst rasch beenden. „In solchen Gebieten brauchen wir mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke, die die Bürger gleichzeitig mit Strom und Wärme versorgen können.“ Alle Aufgaben seien aber nicht von heute auf morgen zu schaffen, schränkt Föll ein. „Unsere Stadtwerke brauchen ganz sicher eine Anlaufphase von mehreren Jahren.“ Das Unternehmen könne Energie und Dienstleistungen auch nicht zu Billigpreisen, wohl aber zu angemessenen Kosten liefern.

Beim Wasser strebt die Stadt – gemäß dem erfolgreichen Bürgerbegehren „Hundertwasser“ – einen vollständigen Rückkauf des Netzes von der EnBW an. „Wir möchten die Anteile an der Bodensee- und Landeswasserversorgung sowie das Stuttgarter Netz zurückkaufen und bis 2014 kommunale Wasserwerke als eigenständige Gesellschaft gründen“, sagt Föll. Die Verhandlungen gestalteten sich allerdings schwierig, die Positionen lägen noch weit auseinander. „Es läuft noch nicht richtig, der Hahn tröpfelt nur.“

Das sehen auch andere Kenner der Verhältnisse ähnlich: „In der EnBW herrscht immer noch die alte Denke, man will allein das Sagen haben und bestimmen.“

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Kommentare (4)
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JAN
26
21:06 Uhr, geschrieben von Stuttgarter Bürger
Sachverwalter
Wie schön, noch so ein "Gutbürger", der genau zu Wissen glaubt was gut und was böse ist. Vielleicht denken Sie bei Gelegenheit auch mal darüber nach, dass die "EnBW2 nicht nur ein anonymes Etwas ist, sondern Menschen dahinter stehen, die Sie mit Ihrem Kommentar treffen.
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JAN
26
15:31 Uhr, geschrieben von R.M.
Eine kleine Hypothese......
....zur Endstehung der neuen Stuttgarter Stadtwerken. Die derzeitige Situation ist die, seit dem 18. Februar 2011 besitzt das Land Baden-Württemberg über seine 100 % Tochter Neckarpri GmbH den Aktienanteil der EdF. Somit hält Neckarpri 45,01 Prozent der Aktien an der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und verfügt damit über Stimmrechte aus 112.517.569 Stammaktien.Neben der Neckarpri GmbH (mit 45,01 Prozent) halten (Stand: 18. Februar 2011) die OEW Energie-Beteiligungs GmbH (OEW) ebenfalls 45,01 Prozent der EnBW-Aktien, die Badische Energieaktionärs-Vereinigung (BEV) hält 2,54 Prozent, der Gemeindeelektrizitätsverband Schwarzwald-Donau (G.S.D.) 1,28 Prozent, der Landeselektrizitätsverband Württemberg (LEVW) 0,54 Prozent, der Neckar-Elektrizitätsverband (NEV) 0,69 Prozent sowie weitere kommunale Aktionäre 0,78 Prozent der EnBW-Aktien. Die EnBW selbst hält 2,30 Prozent; 1,85 Prozent der EnBW-Aktien sind im Streubesitz. Da im Rahmen des Verkaufs des EdF-Anteils rund 3,08 Prozent der weiteren Aktionäre von ihrem Verkaufsrecht zum mit den Franzosen vereinbarten Wert Gebrauch machen wollten, erhöhte sich der Anteil von Neckarpri und OEW auf jeweils rund 46,55 Prozent. Das heist die EnBW ist zum derzeitigen Stand ein fast 100%-tiges Landes-und Kommunal-Unternehmen. Dieser Zustand dürfte den Damen und Herren im Stuttgarter Rathaus wohl schon seit geraumer Zeit bekannt sein. Auf Grund dieser Faktenlage dürften Verhandlungen über die Rückkäufe der Stuttgarter Versorgungsnetze ( Strom, Gas und Wasser ) mit den derzeitigen Eignern wohl keine großen Schwierigkeiten bereiten, es sei den politische Gewichtungen sprechen dagegen ( Landesregierung Grüne/SPD, OEW Energie-Beteiligungs GmbH überwiegend CDU geführte Kommunen ). Der derzeitige Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis scheidet zum 30.September 2012 aus dem Unternehmen aus. Die Strategie des Stuttgarter Stadtrates im Bezug auf Neugründung von Stadtwerken ist somit leicht durchschaubar nachvollziehbar. Diese Cleverness ist nicht dem Stuttgarter Stadtrat sondern externen Beratern geschuldet. Wieder mal ein schönes Beispiel wie Politik funktioniert. Jeder mache sich seinen eigenen Reim darauf. Es bleibt zu Hoffen das die Belegschaft der jetzigen EnBW Regional AG Stuttgart die Belegschaft der neuen Stuttgarter Stadtwerke sein werden, egal wie die politischen Winkelzüge der Verhandlungspartner aussehen und wie das Ganze ausgeht. Sie haben es wahrlich verdient. MfG. R.M. ( EnBW/NWS-Ruheständler )
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JAN
26
14:38 Uhr, geschrieben von gilbert neugebauer
Eigene Stadtwerke Energiewende
Nur eigene Stadtwerke können eine reale Energiewende bewirken, denn die ENBW, sofern sie den Willen hätte, muss die AKW´s unterhalten. Daher sind eigene Stadtwerke Grundvoraussetzung für die Zukunft, und die Weichen fallen jetzt. Dabei ist es sehr wichtig, dass die Netze selbst berieben werden und es reicht eben nicht nur eine finanzielle Mehrheit zu besitzen, wie es uns M. Föll im Sinne der ENBW gerne verkaufen möchte. Aus Fehlern lernen - aus dem Wasserverkauf lernen.
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