Michael Maxelon leitet seit knapp drei Jahren den neu gegründeten städtischen Versorgungsbetrieb. Jetzt kehrt er Stuttgart den Rücken und zieht in seine Heimatstadt Kassel zurück. Für Anfang 2016 wird nun ein Nachfolger gesucht.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Die Nachricht hat am Mittwoch viele überrascht: Michael Maxelon, der die neu gegründeten Stadtwerke Stuttgart seit knapp drei Jahren leitet und diese mit aufgebaut hat, gibt seine Tätigkeit in Stuttgart zum Jahresende auf. Er ist am Mittwoch vom Aufsichtsrat der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) zum Vorsitzenden der Geschäftsführung gewählt worden. Die KVV ist die Holding der Stadtwerke, der Verkehrsbetriebe und der Abfallwirtschaft in Kassel mit 1869 Mitarbeitern. Die Holding selbst hat 109 Beschäftigte, bei den Stadtwerken sind es 40.

 

Im neuen Job dürfte Maxelon kaum mehr verdienen

Den Ausschlag für den Wechsel dürften emotionale Gründe gegeben haben: Kassel ist Maxelons Heimatstadt, und sein Metier ist die Energiewirtschaft – die Chance, an die Spitze seines „Heimatversorgers“ KVV zu rücken, hätte sich so schnell wohl nicht wieder aufgetan. Er habe sich nicht selbst beworben, sondern sei angesprochen worden, betonte Maxelon gegenüber den Mitarbeitern. Das Gehalt dürfte dagegen für die Bewerbung nicht so entscheidend gewesen sein. Wie man dem neuesten Beteiligungsbericht entnehmen kann, verdient Maxelon in Stuttgart 359 000 Euro pro Jahr; in Kassel sollen es laut einem Bericht der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen etwa 350 000 Euro sein.

Allerdings gab und gibt es in Stuttgart durchaus Reibereien. Dass die Stadtwerke in der Großstadt Stuttgart auch unter starkem politischem Einfluss stehen, hat Michael Maxelon womöglich irritiert. Umgekehrt waren viele verwundert, dass OB Fritz Kuhn (Grüne) Ende des vergangenen Jahres ein Energiekonzept vorgestellt hat, die Expertise der Stadtwerke aber dazu gar nicht ernsthaft eingeholt hatte. Das soll erst jetzt im Rahmen der Beteiligung von Bürgern und Institutionen geschehen. Mit dem kaufmännischen Kollegen in der Geschäftsführung, Martin Rau, hat sich Michael Maxelon nur bedingt verstanden. Auch die zähen Verhandlungen mit der EnBW wegen der Hochspannungsnetze kosteten den Geschäftsführer sicher reichlich Nerven.

Bei der Kundenzahl liegen die Stadtwerke weit hinter Plan

Die Stadtwerke Stuttgart sind im Mai 2012 formal gegründet worden, seit Juli 2012 war Maxelon mit Martin Rau Geschäftsführer. In dieser Zeit haben die Stadtwerke mehrere Windparks erworben und sind so verstärkt in die Energieerzeugung eingestiegen. Auch die Planung der zwei Windräder im Tauschwald gehört zu Maxelons Aktivposten. Im vergangenen Jahr wurde zudem das Konzessionsverfahren abgeschlossen. Seither betreiben EnBW und Stadtwerke gemeinsam das Strom- und Gasnetz in Stuttgart. Schon seit Februar 2013 bieten die Stadtwerke Strom und Gas an; die Zahl der Kunden hat der 45-jährige Maxelon aber nicht im erwarteten Maße steigern können.

OB Kuhn sagte am Mittwoch, mit Maxelon verlören die Stadtwerke einen „profunden Kenner des Energiesektors, der den  Stadtwerken wichtige Impulse gegeben hat“. Maxelon selbst betonte, die Stadtwerke seien grundsolide aufgestellt und hätten als eine der größten Neugründungen bereits „wesentliche Entwicklungsschritte erfolgreich abgeschlossen“.

Da Maxelon seine neue Stelle erst zum 1. Januar 2016 antritt, bleiben zehn Monate Zeit zur Suche eines Nachfolgers.