Energie Städte investieren in Energiesparlampen

Von Reinhard Huschke 

Sind Städte wirklich gut beraten, wenn sie jetzt bei der Straßenbeleuchtung auf effiziente, aber teure LED-Technik umrüsten?

In Stuttgart vor dem alten Schloss gibt es LED-Lampen. Foto: Martin Stollberg
In Stuttgart vor dem alten Schloss gibt es LED-Lampen. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Die LED wird kommen“, da ist sich Josef Potthoff von den Stadtwerken Ochtrup sicher. Trotzdem will er jetzt noch keine LED-Straßenleuchten in der nahe der niederländischen Grenze gelegenen Kleinstadt aufstellen, sondern lieber das Ende der „Gründerzeit“ der noch jungen Technologie abwarten. So lange setzt er weiter auf die zwar veraltete, aber sehr kostengünstige HQL-Technik. HQL steht für die Hochdruck-Quecksilberdampflampe, die derzeit noch in jeder dritten deutschen Straßenleuchte steckt, wegen ihrer mangelnden Energieeffizienz aber im April 2015 die EU-Zulassung verlieren wird. Deshalb will Potthoff für die Zeit nach 2015 HQL-Ersatzlampen horten und dann gegen Ende des Jahrzehnts weitersehen, ob die Zeit für eine Umstellung auf LED-Technik reif ist.

Für viele Kommunen ist der absehbare Mangel an Ersatzlampen eher Anlass, ihre verbliebenen HQL-Leuchten lieber heute als morgen zu ersetzen. Die Frage ist nur: Womit? Schon lange gibt es wesentlich effizientere Leuchtmittel, die ebenfalls auf dem Funktionsprinzip der Gasentladung basieren, wie die gelb leuchtenden Natriumdampf-Hochdrucklampen, die weißen Halogen-Metalldampflampen und die ebenfalls weißen Kompaktleuchtstofflampen. Oder man stellt gleich auf LED-Technik um. Aber die ist derzeit noch mindestens doppelt so teuer wie eine Natriumdampflampe. „Dafür lässt sich mit LEDs gegenüber HQL 60 bis 70 Prozent der Energie einsparen“, erklärt Tran Quoc Khanh, Professor für Lichttechnik an der Technischen Universität Darmstadt. Zudem seien die LEDs, so die Hersteller, während ihrer gesamten Lebensdauer nahezu wartungsfrei.

Ob sich der höhere Anschaffungspreis tatsächlich über die geringeren Strom- und Wartungskosten wieder hereinholen lässt, daran gibt es in Fachkreisen noch Zweifel. Zum einen verringert sich über die Jahre die Lichtausbeute der wärmeempfindlichen LEDs, so dass die erwarteten 50 000 Brennstunden – bei einer durchschnittlichen Brenndauer von elf Stunden pro Tag entspricht dies einer Betriebsdauer der Leuchte von 12,5 Jahren – möglicherweise gar nicht erreicht werden. Da LED-Straßenleuchten erst seit wenigen Jahren im Einsatz sind, liegen noch keine verlässlichen Daten zur Langzeitstabilität der LEDs vor; das Verhalten der konventionellen Leuchtmittel kennt man dagegen genau.

Viele Kommunen haben die Gunst der Stunde bereits genutzt

Trotz dieser Unwägbarkeiten setzen immer mehr Städte und Gemeinden auf die LED-Technik, zumal in den vergangenen Jahren großzügige Förderungen von bis zu 100 Prozent der Investitionskosten winkten. Auch in diesem Jahr können LED-Umrüstungsprojekte, die zu einer mindestens 60-prozentigen Senkung der CO2-Emissionen führen, mit einer 25-prozentigen Förderung im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums und zudem mit zinsgünstigen KfW-Krediten rechnen. Ein lukratives Angebot für Gemeinden, die ihre alten HQL-Leuchten ersetzen wollen: Nach Berechnung von Khanh kann sich eine Investition in LED-Technik schon nach acht bis neun Jahren amortisieren – einer vergleichsweise kurzen Zeit, wenn man bedenkt, dass die Leuchten eine Langzeitinvestition für mindestens 25 Jahre darstellen.

Viele Kommunen haben deshalb schon die Gunst der Stunde genutzt. So gibt es in Stuttgart bereits rund 700 LED-Leuchten – allein 400 davon wurden im vergangenen Jahr in Bad Cannstatt aufgestellt, wobei 80-Watt-HQL- durch 21-Watt-LED-Leuchten ersetzt wurden. „2009 waren wir noch skeptisch“, berichtet Andreas Lorey von der EnBW Regional, die in Stuttgart für die Betriebsführung der Straßenbeleuchtung verantwortlich ist. „Inzwischen hat sich aber unser Meinungsbild zu Gunsten der LEDs gewandelt. Wenn man die richtigen Produkte auswählt, ist die Technik jetzt einsetzbar und wirtschaftlich.“ Zudem sei das Risiko einer Fehlinvestition in einer Großstadt geringer als in kleineren Gemeinden, da immer nur ein kleiner Teil des Gesamtbestandes getauscht werde.

Henry Rönitzsch, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Außenbeleuchtung, steht dem „LED-Hype“ eher skeptisch gegenüber. Er sieht den realen Effizienzvorsprung von LED-Systemen gegenüber Natriumdampf-Hochdrucklampen (NAV) nur bei 10 bis 15 Prozent und empfiehlt deshalb den Kommunen, sich nicht von Fördermitteln blenden zu lassen, sondern sorgfältig nachzurechnen: „Bei einer Vollkostenbetrachtung über 25 Jahre ist LED bei niedrigen Beleuchtungsniveaus und hohen Strompreisen geringfügig besser als NAV, bei hohen Beleuchtungsniveaus auf Hauptverkehrsstraßen sind häufig noch die konventionellen Technologien im Vorteil.“ Zudem bleibe das technische Risiko aufgrund der fehlenden Langzeiterfahrung mit den LEDs.

„Inzwischen befinden wir uns in der Verfeinerungsphase“

Um das Risiko einer LED-Investition besser abschätzen zu können, untersucht Tran Quoc Khanh zurzeit Leuchtdioden, um Aufschluss über deren Langzeitstabilität zu erhalten. Erste Ergebnisse bestätigen die Vermutung, dass längst nicht alle LEDs nach 50 000 Stunden Brenndauer noch die verlangten 70 Prozent der anfänglichen Lichtausbeute erreichen werden; andere zeigen hingegen auch nach mehreren Tausend Brennstunden nur einen geringen Leistungsabfall. Diese Erkenntnis sowie Ergebnisse aus LED-Feldtests veranlassen Khanh zu einer differenzierten Empfehlung: „Es gibt nachweislich sehr gute LED-Straßenleuchten, aber auch sehr große Qualitätsunterschiede.“ Er rät deshalb den Gemeinden, nur bei solchen Herstellern zu kaufen, die im Bereich der ­Straßenbeleuchtung Erfahrung hätten und auch langfristig Ersatzteile und Unterstützung anbieten könnten.

Die „Gründerzeit“ der LED-Technik ist laut Khanh vorbei: „Inzwischen befinden wir uns in der Verfeinerungsphase. Am Gehäuse, der Optik und der Elektronik der Leuchten kann man nicht mehr viel verbessern – was sich noch steigern lässt, ist die Effizienz der LEDs selbst.“ Deren Lichtausbeute werde in den kommenden drei Jahren um 25 bis 30 Prozent zunehmen, wodurch sich die Rentabilitätsrechnung in Anbetracht steigender Strompreise deutlicher zu Gunsten der LEDs verschiebe.