Energieagenturen im Land
Auf eigenen Beinen stehen
Andrea Koch-Widmann,
20.08.2010 20:06 Uhr
Foto: dpa
""In der Sache sind wir uns alle einig: die Energieagentur ist ein sehr gutes Angebot.""
Matthias Berg, Vizelandrat des Kreises Esslingen
Starthilfe läuft aus
Akute Finanzierungsprobleme hat die Energieagentur des Landkreises Esslingen mit Sitz in Nürtingen. Dort läuft die Starthilfe des Landes zum Jahresende aus. Der Landkreis zögert, seinen Anteil von derzeit 2000 Euro auf 50.000 Euro jährlich aufzustocken. "Erst müssen die Hausaufgaben gemacht werden", sagt der Erste Landesbeamte des Landkreises, Matthias Berg, und fordert von der Energieagentur ein schlüssiges Geschäftskonzept. "In der Sache sind wir uns alle einig: die Energieagentur ist ein sehr gutes Angebot", betont Berg. Aber der Kreis könne "nicht in ein schwarzes Loch finanzieren".
Die Energieagentur Dreiländereck-Hochrhein gibt es schon seit Jahresende 2009 nicht mehr. Diese war allerdings nicht eigenständig, sondern angegliedert an die Wirtschaftsförderung Südwest der Landkreise Lörrach und Waldshut-Tiengen. "Ein Geburtsfehler", wie es heißt.
Bemühungen für ein neues Modell laufen
Derzeit aber laufen laut Umweltministerium Bemühungen, "ein neues Geschäftsmodell" zu erarbeiten. "Alle beteiligten Akteure sind zuversichtlich, eine tragfähige Lösung zu finden", teilt die Umweltministerium Tanja Gönner (CDU) dem Abgeordneten Untersteller mit. "Weitere Fälle einer unzureichenden Anschlussfinanzierung sind derzeit nicht bekannt ", sagt Gönner.
Der Energieexperte der Grünen ist mit dieser beschwichtigenden Antwort nicht zufrieden. Es reiche nicht aus, wenn die Umweltministerin ständig neue Energieagenturen eröffne. Gönner sei auch gefordert, "wenn es bei diesen Projekten in finanzieller Hinsicht teilweise schon lichterloh brennt".
Kreishandwerkerschaften sollen mehr eingebunden werden
Untersteller fordert die Ministerin auf, möglichst rasch die an den jeweiligen Energieagenturen beteiligten Träger an einen Tisch zu holen, um gemeinsam tragfähige Finanzierungskonzepte zu entwickeln. Er will etwa die Kreishandwerkerschaften - in einigen Agenturen bereits als Träger beteiligt - mehr einbinden. "Das Handwerk profitiert wie kein zweiter Akteur von einem guten Angebot an Beratung und Öffentlichkeitsarbeit für das Dämmen von Häusern, zur Modernisierung von Heizungen oder zur Errichtung von Solaranlagen auf dem eigenen Hausdach", sagt der Grüne.
Zweitens könnten sich auch die örtlichen Sparkassen und Volksbanken als Gesellschafter engagieren. Auch sie hätten einen Nutzen aus der Beratungsarbeit der Energieagenturen, wenn sie Kredite für Modernisierungsmaßnahmen vergeben würden.
Aber auch einige Kommunen und Landkreise könnten nach Ansicht des Grünen-Abgeordneten selbst mehr zur Sicherung der Energieagenturen beitragen. Deren Finanzierungsbeiträge seien höchst unterschiedlich - sie liegen zwischen 2000 Euro (Kreis Esslingen), 15.000 Euro (Kreis Reutlingen) und 40.000 Euro (Kreis Tuttlingen). Nachdenken müsste man auch, sagt Untersteller, über eine bessere Kooperation zwischen der baden-württembergischen Verbraucherzentrale, die selbst Energieberatung anbietet, und den regionalen Energieagenturen, wie es etwa im Landkreis Reutlingen bereits praktiziert werde.
Land versäume, Förderkriterien zu definieren
Dort ist man sehr zufrieden mit der Kooperation mit der Verbraucherzentrale, sagt Jürgen Schipek, der Geschäftsführer der Reutlinger Klimaschutzagentur. Er sieht dennoch finanzielle Probleme auf sich kommen, zumal das Land es versäumt habe, klare Förderkriterien zu definieren.
Die Stuttgarter Umweltministerin aber erkennt keine Probleme. Die Förderung durch das Ministerium "war immer explizit als reine Anschubfinanzierung ausgewiesen", betont Ministerin Gönner. Die Sicherstellung einer Anschlussfinanzierung obliege grundsätzlich den Betreibern der jeweiligen Einrichtung.
Durch ein breitgefächertes Angebot - etwa die Zertifizierung für den European Energy Award, kommunales Energiemanagement, Beratungen für Kirchen, Kommunen und Unternehmen - kann sich etwa die Energieagentur Ravensburg samt den eigenständigen Niederlassungen Bodenseekreis und Sigmaringen bereits behaupten.
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