Energiewende Bayerischer Strom für Stuttgart

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In der Region Stuttgart gibt es wenige Windräder. Auch deshalb haben die Stadtwerke Stuttgart vier Windräder bei Dinkelsbühl erworben – und planen weitere Zukäufe.

Die Stadtwerke wollen weitere Windräder zukaufen. Foto: dpa
Die Stadtwerke wollen weitere Windräder zukaufen.Foto: dpa

Stuttgart - Die Kasse ist noch immer reichlich gefüllt: Am Freitag haben die Stadtwerke Stuttgart mitgeteilt, dass sie für 25 Millionen Euro vier leistungsstarke Windräder südlich von Dinkelsbühl (Kreis Ansbach) gekauft haben – die Anlagen mit je 3,3 Megawatt Nennleistung sind im Bau und sollen spätestens vom Herbst an Strom für bis zu 12 000 Haushalte liefern. Vor Ort sind die Räder, wie man aus Dinkelsbühl hört, nicht umstritten gewesen; Bürgerproteste habe es kaum gegeben. Geplant wurde und betrieben wird der Park vom Projektentwickler ABO Wind in Wiesbaden.

Dinkelsbühl ist bereits der vierte größere Windpark, den die Stadtwerke in den vergangenen zwei Jahren erworben haben – jetzt stehen 22 Windenergieanlagen für einen Gesamtpreis von gut 100 Millionen Euro im Stuttgarter Portfolio. Das Geld stammt von der Stadt Stuttgart, oder exakter: aus dem Verkauf der Energieaktien Stuttgarts an die EnBW um das Jahr 2000. Dieses Geld sieht die Stadt gut angelegt. Denn erstens förderten die Stadtwerke mit dem Kauf der Windräder die Energiewende. Und zweitens gebe es für den Betrieb von Windkraftanlagen oft eine prächtige Rendite zwischen fünf und zehn Prozent.

Das Ziel: eigenen Strom für 300 000 Haushalte erzeugen

Und der Zukauf ist noch nicht abgeschlossen, wie Bettina Ambacher mitteilt; sie ist bei den Stadtwerken verantwortlich für die Windprojekte. Mit Beginn des Jahres 2017 verschlechtere sich die Vergütung nach dem EEG; aus diesem Grund wollten die Stadtwerke bis dahin „die Investitionen noch signifikant fortführen“, sagt Ambacher. Derzeit würden mehrere Projekte geprüft, aber es sei zu früh, um Konkretes zu vermelden. Bei der Windenergie handele es sich um einen Verkäufermarkt: Es gebe viel mehr Kaufinteressenten als fertige Windparks; so könne man nur hoffen, den Zuschlag zu bekommen. Das bedeutet umgekehrt aber auch: Die Förderung der Energiewende durch die Stadtwerke ist einigermaßen abstrakt – würden sie nicht investieren, gingen die Windparks dennoch weg.

Ziel der Stadtwerke ist es, bis zum Jahr 2020 so viel Strom in eigenen regenerativen Kraftwerken zu erzeugen, dass alle 300 000 Privathaushalte Stuttgarts damit versorgt werden können. Im Moment ist man bei 50 000 Haushalten angelangt. Andere Erzeugungsformen als die Windkraft spielen bisher kaum eine Rolle.

Weitere Zukäufe sind 2015 und 2016 geplant

Der Stuttgarter Gemeinderat steht hinter den Erwerbungen in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dennoch gibt es zunehmend Stimmen, die mahnen, dass die Energiewende auch lokal stattfinden müsse. Die zwei geplanten Windräder im Stuttgarter Tauschwald sind also für die Stadtwerke – und auch für Oberbürgermeister Fritz Kuhn – von großer Bedeutung.

Und gerne würden die Stadtwerke weitere Windparks in der Nähe, also in der Region Stuttgart oder in Baden-Württemberg erwerben: „Das ist aber ziemlich schwer, und die Realisierung dauert zwei bis vier Jahre“, sagt Bettina Ambacher. Schlüsselfertige Angebote gebe es im Land kaum, aber man schaue sich dennoch intensiv um.

Daneben planen die Stadtwerke einen Windpark im Welzheimer Wald in Eigenregie. Das spart im Übrigen viel Geld. Im Tauschwald geben die Stadtwerke, so hat Geschäftsführer Michael Maxelon vor kurzem verraten, etwa 380 000 Euro aus für die Planung und das Genehmigungsverfahren; würde man so ein Projekt schlüsselfertig übernehmen, ließe sich dies der Projektierer mit einer Million Euro vergüten.

2014 sind in Baden-Württemberg acht Räder entstanden

Das geringe Angebot in der Region Stuttgart hängt damit zusammen, dass auch nach vier Jahren Planungszeit noch immer kein endgültiger Beschluss des Verbandes Region Stuttgart (VRS) vorliegt, wo Windräder genehmigungsfähig sind. Dieser Beschluss soll am 22. Juli ergehen, derzeit sind noch 85 Standorte im Rennen. Thomas Kiwitt, der Planungsdirektor des VRS, hat diese Woche betont, dass sein Verband aber nicht schuld sei an der Verzögerung; vielmehr seien grundsätzliche Fragen, wie beispielsweise zum Artenschutz, lange nicht beantwortet worden. Dieser Gruß gilt wohl der Landesregierung. Um die Energiewende nicht zu behindern, habe der VRS unstrittige Standorte, wie jenen bei Lauterstein im Kreis Göppingen, vorab bewilligt. Im Jahr 2014 sind in Deutschland 1766 Windräder neu gebaut worden – gerade acht davon in Baden-Württemberg. Derzeit stehen im Land 393 Räder.

Welche Kriterien für die Auswahl der Standorte in der Region am Ende gelten, ist noch nicht ganz klar. So wird diskutiert, ob Standorte erst ab 5,7 Metern pro Sekunde Windstärke aufgenommen werden. Die Regionalräte haben darüber bisher, trotz versprochener Transparenz, nur in zwei nichtöffentlichen Sitzungen gesprochen. Die öffentliche Debatte findet am 20. Mai statt. Die Vorlage wird 500 Seiten umfassen.