Stuttgart - Der erste Werbespot für die seit Juli 2011 als leere GmbH-Hülle existierenden Stadtwerke Stuttgart ist schon gelaufen: „Schon im Sommer können sie Strom von der Stadt kaufen“, warb SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind beim Neujahrsempfang der Genossen in der vergangenen Woche. Es könnte auch noch ein wenig länger dauern. Es könnte durchaus Herbst werden, bis die neue städtische Energietochter ihren Kunden garantiert sauberen Ökostrom liefern kann.
Der Zeitpunkt dürfte auch vom Verlauf der Sitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrats am Dienstag abhängen. Auf dieser stellen drei potenzielle Stromvertriebspartner ihre Konzepte und Offerten vor. In der auf mehrere Stunden anberaumten Sitzung sind nach Informationen der Stuttgarter Zeitung neben den Stadtwerken Aachen (Stawag) auch Vertreter der Thüga, des größten kommunalen Netzwerks lokaler und regionaler Energieversorger, und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) aus dem Schwarzwald mit von der Partie. Von den zahlreichen Versorgern, die sich als Partner angeboten haben, ist nach der Vorauslese dieses Trio übrig geblieben.
Stromrebellen gelten als Favorit
Der gesuchte Vertriebspartner soll künftig ausschließlich sauberen Ökostrom nach Stuttgart liefern, der von den Stadtwerken dann als eigene Marke, etwa als „Stuttgart-Strom“, angeboten wird. Nach und nach soll schon in naher Zukunft immer mehr saubere Elektrizität aus der eigenen dezentralen Erzeugung hinzukommen. Dafür will die städtische Energietochter im Jahr mindestens 70 Millionen Euro in neue Wasser-, Windkraft und Sonnenstromanlagen investieren.
Unter Kennern der Verhältnisse gelten die EWS beim Thema Vertrieb als klarer Favorit. „Die sind schließlich die Pioniere des Ökostroms“, ist aus der Verwaltung zu hören. Die Vorreiter in Sachen saubere Energie hätten zudem auch das beste Marketingkonzept auf den Tisch gelegt und genössen als Anbieter aus dem Land auch einen gewissen Heimvorteil.
Das Angebot aus dem Schwarzwald enthält zudem aus Stuttgarter Sicht ein besonders lukratives Bonbon: „Die Schönauer sind bereit, ihre gut 1000 Stuttgarter Stromkunden, den neuen Stadtwerken zu übertragen“, heißt es im Rathaus. Dieses Startkaptal gilt intern als „gewaltiges Pfund“, weil die städtische Energietochter dann bereits beim Start eine erkleckliche Zahl von Kunden vorweisen könnte.
