| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
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Energiewende Stadtwerke-Start mit tausend Kunden?

Wolfgang Schulz-Braunschmidt, vom 24.01.2012 13:44 Uhr
Schon bald soll mehr Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Stuttgart fließen. Foto: VISUM
Schon bald soll mehr Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Stuttgart fließen. Foto: VISUM

Stuttgart - Der erste Werbespot für die seit Juli 2011 als leere GmbH-Hülle existierenden Stadtwerke Stuttgart ist schon gelaufen: „Schon im Sommer können sie Strom von der Stadt kaufen“, warb SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind beim Neujahrsempfang der Genossen in der vergangenen Woche. Es könnte auch noch ein wenig länger dauern. Es könnte durchaus Herbst werden, bis die neue städtische Energietochter ihren Kunden garantiert sauberen Ökostrom liefern kann.

Der Zeitpunkt dürfte auch vom Verlauf der Sitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrats am Dienstag abhängen. Auf dieser stellen drei potenzielle Stromvertriebspartner ihre Konzepte und Offerten vor. In der auf mehrere Stunden anberaumten Sitzung sind nach Informationen der Stuttgarter Zeitung neben den Stadtwerken Aachen (Stawag) auch Vertreter der Thüga, des größten kommunalen Netzwerks lokaler und regionaler Energieversorger, und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) aus dem Schwarzwald mit von der Partie. Von den zahlreichen Versorgern, die sich als Partner angeboten haben, ist nach der Vorauslese dieses Trio übrig geblieben.

Stromrebellen gelten als Favorit

Der gesuchte Vertriebspartner soll künftig ausschließlich sauberen Ökostrom nach Stuttgart liefern, der von den Stadtwerken dann als eigene Marke, etwa als „Stuttgart-Strom“, angeboten wird. Nach und nach soll schon in naher Zukunft immer mehr saubere Elektrizität aus der eigenen dezentralen Erzeugung hinzukommen. Dafür will die städtische Energietochter im Jahr mindestens 70 Millionen Euro in neue Wasser-, Windkraft und Sonnenstromanlagen investieren.

Unter Kennern der Verhältnisse gelten die EWS beim Thema Vertrieb als klarer Favorit. „Die sind schließlich die Pioniere des Ökostroms“, ist aus der Verwaltung zu hören. Die Vorreiter in Sachen saubere Energie hätten zudem auch das beste Marketingkonzept auf den Tisch gelegt und genössen als Anbieter aus dem Land auch einen gewissen Heimvorteil.

Das Angebot aus dem Schwarzwald enthält zudem aus Stuttgarter Sicht ein besonders lukratives Bonbon: „Die Schönauer sind bereit, ihre gut 1000 Stuttgarter Stromkunden, den neuen Stadtwerken zu übertragen“, heißt es im Rathaus. Dieses Startkaptal gilt intern als „gewaltiges Pfund“, weil die städtische Energietochter dann bereits beim Start eine erkleckliche Zahl von Kunden vorweisen könnte.

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Kommentare (7)
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JAN
26
13:31 Uhr, geschrieben von Barbara Kern
Stadtwerke - Start mit tausend Kunden
Den Kommentar von R.M.zum Stromwechsel muss man voll unterstützen. Es werden jedenfalls keine dezentralen Energiestrukturen geschaffen, indem über norwegische Wasserkraftstromanbieter Strom virtuell bezogen wird. Das führt zu keiner Energiewende! EnBW verliert einen ANTEIL vom Gewinn, das ist alles. - Aber noch wichtiger ist, dass die StuttgarterInnen von politischer Seite derzeit darauf vorbereitet werden, dass EnBW wieder den BETRIEB der Netze übernehmen soll - wenn es nach dem Willen des Rathauses geht. Wissen die Stuttgarter, dass das große Fernwärmenetz nicht zurückgekauft werden soll? Dass es komplett bei EnBW bleiben soll? Dass es ohne Fernwärmenetz sehr schwer würde, dezentrale Energiestrukturen in unserer Stadt aufzubauen? In einer Stadt läuft die dezentrale Strom- und Wärmeerzeugung nun mal in erster Linie über Kraft-Wärme-Kopplung, in Zukunft über Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung der Bürger. Entscheidend in der ganzen Stadtwerke-Diskussion ist die Frage, was die Stadtwerke können werden, wer die Gestaltung unserer Stadt in der Hand hat. Und das ist der, der die Netze betreibt, denn der hat die wirkliche Kontrolle. Und wenn wir mitgestalten, mitbestimmen und kontrollieren wollen, dann müssen es die Stuttgarter Stadtwerke alleine tun. Sie müssen alle Netze: Wasser-, Strom-, Gas und Fernwärme selbst betreiben. Das ist rechtlich möglich, dafür steht das Bürgerbegehren "Energie- & Wasserversorgung Stuttgart".
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JAN
24
19:48 Uhr, geschrieben von J.M.
Stuttgart und eigene Stadtwerke
Liebe Stuttgarter Bürger Lasst euch vom Rathaus nicht täuschen. Wer will denn die Stadtwerke finanzieren? Stuttgart? Mit was? Seit ihr nicht zu frieden mit dem jetztigen Stromversorger? Könnt ihr nicht schon jetzt wechseln wohin ihr wollt? Wer soll Stuttgart vor künftigen Störungen Gas/Wasser/Strom schnell wieder versorgen.? Liebe Stuttgarter Bürger bitte denkt und Rechnet nach. Wer soll das bezahlen und was wird besser ???
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JAN
24
18:58 Uhr, geschrieben von R.M.
Ergänzender Kommmentar zu den neuen Stadtwerken der Stadt Stuttgart
Eine kleine aber feine Hintergrundgeschichte : Die Neckarwerke Stuttgart entstanden durch Fusion der Neckarwerke Elektrizitätsversorgungs AG (NW) in Esslingen am Neckar mit den Technischen Werken der Stadt Stuttgart AG (TWS) in Stuttgart am 1. Januar 1997. Versorgt wurde der Raum Mittlerer Neckar mit Elektrizität, Gas, Fernwärme und das Stadtgebiet Stuttgart auch mit Trinkwasser. Zum 1. Oktober 2003 wurden die Neckarwerke Stuttgart von der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) übernommen. ( Quelle Wikipedia ) Stuttgart erwägt Verkauf der Neckarwerke Wie die Stuttgarter Zeitung (28.10.) berichtet, erwägt die Stadt Stuttgart, sowohl ihre neunprozentige Beteiligung an der Energie Baden-Württemberg (EnBW) als auch ihren Anteil von 42,5 Prozent an den Neckarwerken Stuttgart (NWS) zu verkaufen. Den Hintergrund bilde dabei die Überlegung, daß der Wert dieser Beteiligungen im liberalisierten Markt eher abnehmen werde, während sich jetzt noch ein respektabler Preis erzielen lasse. Bereits vor Wochen habe Oberbürgermeister und NWS-Aufsichtsratschef Wolfgang Schuster mit EnBW-Chef Gerhard Goll über eine Übernahme des städtischen Aktienanteils an den Neckarwerken durch die EnBW verhandelt. Alternativ werde auch RWE als Käufer in Betracht gezogen. Der NWS-Vorstand favorisiere dagegen eine Allianz mit einem starken Partner unter Beibehaltung der Selbständigkeit. ( Quelle www.udo-leuschner.de/energie-chronik/030807.htm ) Drei Tranchen umfasste der Deal mit der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Erstens verkaufte die Stadt ihr EnBW-Aktienpaket. Zweitens stieß sie 17,5 Prozent der Neckarwerke Stuttgart (NWS) ab - zusammen erhielt die Stadt dafür 1,35 Milliarden Euro. Drittens übertrug man im Jahr 2002 auch den restlichen 25-prozentigen Anteil an den NWS für eine weitere Milliarde Euro an die EnBW.Im Nachhinein stellen sich viele Fragen zum Verkauf. Jetzt, da der Gemeinderat in der Sitzung am 12. Mai neue Stadtwerke gründet und so den alten Zustand teilweise wiederherstellt, ist der richtige Zeitpunkt, sie nochmals zu stellen. Warum hat die Stadt überhaupt ihre Anteile an den NWS verkauft? Ende der 90er Jahre ging die Angst um: Nach der Liberalisierung des Energiemarktes sanken die Strompreise und die Erlöse der NWS; zudem konnte jetzt jeder Stuttgarter seine Energie auch in Flensburg oder Tübingen bestellen. Die Furcht, die NWS seien bald keinen Pfifferling mehr wert, wurde gestützt durch ein Gutachten der Unternehmensberatung AT Kearny, die bei den NWS einen jährlichen Umsatzrückgang im dreistelligen Millionenbereich prophezeite. "Ich sehe meinen Auftrag darin, den Wert des Unternehmens und damit das Vermögen der Bürger zu erhalten", argumentierte OB Wolfgang Schuster im November 1999. Wer vertrat welche Position? Schuster erhielt im Gemeinderat breite Unterstützung: CDU, die Freien Wähler, die FDP und selbst die Grünen waren der Ansicht, dass die NWS alleine nicht überlebensfähig seien. Der damalige wie jetzige Grünen-Sprecher Werner Wölfle bezeichnet sein Ja zum Verkauf heute aber als "einen historischen Fehler". Michael Föll, der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende und heutige Finanzbürgermeister, hält die Entscheidung dagegen für "mehr denn je richtig": Ansonsten wäre Stuttgart weiter Mitbesitzer von drei Atomkraftwerken. Falsch sei lediglich gewesen, das Wasser mit zu verkaufen, so Föll. Jedoch heulten nicht alle mit den Wölfen. Zumindest ein Teil der SPD wollte ein so kostbares und historisch gewachsenes Unternehmen nicht weggeben; die Fraktion stimmte aber zuletzt zu, so dass es am 16. Dezember 1999 sogar zu einem einstimmigen Beschluss im Rat kam. Warnende Stimmen hatte es viele gegeben. Die Geschäftsführung der NWS begehrte öffentlich gegen ihre Chefs im Rathaus auf. Der Neckar-Elektrizitätsverband (NEV), in dem alle Kommunen mit NWS-Aktien saßen, war verärgert über den Alleingang Stuttgarts. Und die Chefs anderer Stadtwerke, wie in Bietigheim-Bissingen, dürften sich über die Stuttgarter Hasenfüße amüsiert haben. Sie behielten die kommunale Struktur bei - und machen seither satte Gewinne. Die Prognose der Stuttgarter Berater war nämlich krottenfalsch: Die Strompreise stiegen bald wieder kräftig. "Es gab eine gesellschaftliche Grundstimmung, von der auch ich mich habe mitreißen lassen", sagt Werner Wölfle rückblickend. Manfred Kanzleiter sieht es ähnlich - wer eine andere Meinung wagte, galt als Ewiggestriger. So lehrt dieses Beispiel, dass auch Politiker nur aus der Bedingtheit ihrer Zeit heraus Beschlüsse treffen können. Wer weiß, ob es mit der heute unumstrittenen Energiewende nicht auch so kommt, zumindest teilweise? Vielleicht wird die nächste Generation die jetzige dafür schelten, dass sie den letzten Naturraum der Region, die Alb, mit Windrädern voll gepflastert hat ( Quelle StZ vom 09.05.2011 ). Mehr ist dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen.........
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