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EnergiewendeStadtwerke-Start mit tausend Kunden?

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt, aktualisiert am 24.01.2012 um 13:47
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Schon bald soll mehr Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Stuttgart fließen. Foto:

Stuttgart - Der erste Werbespot für die seit Juli 2011 als leere GmbH-Hülle existierenden Stadtwerke Stuttgart ist schon gelaufen: „Schon im Sommer können sie Strom von der Stadt kaufen“, warb SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind beim Neujahrsempfang der Genossen in der vergangenen Woche. Es könnte auch noch ein wenig länger dauern. Es könnte durchaus Herbst werden, bis die neue städtische Energietochter ihren Kunden garantiert sauberen Ökostrom liefern kann.

Der Zeitpunkt dürfte auch vom Verlauf der Sitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrats am Dienstag abhängen. Auf dieser stellen drei potenzielle Stromvertriebspartner ihre Konzepte und Offerten vor. In der auf mehrere Stunden anberaumten Sitzung sind nach Informationen der Stuttgarter Zeitung neben den Stadtwerken Aachen (Stawag) auch Vertreter der Thüga, des größten kommunalen Netzwerks lokaler und regionaler Energieversorger, und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) aus dem Schwarzwald mit von der Partie. Von den zahlreichen Versorgern, die sich als Partner angeboten haben, ist nach der Vorauslese dieses Trio übrig geblieben.

Stromrebellen gelten als Favorit

Der gesuchte Vertriebspartner soll künftig ausschließlich sauberen Ökostrom nach Stuttgart liefern, der von den Stadtwerken dann als eigene Marke, etwa als „Stuttgart-Strom“, angeboten wird. Nach und nach soll schon in naher Zukunft immer mehr saubere Elektrizität aus der eigenen dezentralen Erzeugung hinzukommen. Dafür will die städtische Energietochter im Jahr mindestens 70 Millionen Euro in neue Wasser-, Windkraft und Sonnenstromanlagen investieren.

Unter Kennern der Verhältnisse gelten die EWS beim Thema Vertrieb als klarer Favorit. „Die sind schließlich die Pioniere des Ökostroms“, ist aus der Verwaltung zu hören. Die Vorreiter in Sachen saubere Energie hätten zudem auch das beste Marketingkonzept auf den Tisch gelegt und genössen als Anbieter aus dem Land auch einen gewissen Heimvorteil.

Das Angebot aus dem Schwarzwald enthält zudem aus Stuttgarter Sicht ein besonders lukratives Bonbon: „Die Schönauer sind bereit, ihre gut 1000 Stuttgarter Stromkunden, den neuen Stadtwerken zu übertragen“, heißt es im Rathaus. Dieses Startkaptal gilt intern als „gewaltiges Pfund“, weil die städtische Energietochter dann bereits beim Start eine erkleckliche Zahl von Kunden vorweisen könnte.


Schwieriger verlaufen offenbar die Erörterungen zum Thema Netze. Die Stadt hat – wie berichtet – die zu Ende 2013 auslaufenden Konzessionsverträge für Strom, Gas und Wasser europaweit ausgeschrieben. Gleichzeitig hat der Gemeinderat beschlossen, die Versorgung in die kommu­nale Hand zu nehmen. Alle ­Versorgungsnetze müssen al­­lerdings von der EnBW, dem amtierenden Konzessionsinhaber, zurückgekauft werden.

Die Gutachter haben im Vorfeld eine „schlanke Lösung“ empfohlen. Dabei soll die Stadt das Eigentum an allen Versorgungsnetzen erwerben, beim Betrieb aber erfahrene Kooperationspartner beteiligen. Ein Interesse am Strom und Gasnetz haben bereits aber neben der Stadt selbst noch fünf große Energieversorgungsunternehmen bekundet. Neben den EnBW sind die Energie in Bürgerhand aus Freiburg, die Kommunalpartner, eine Beteiligungsgesellschaft von Stadtwerken aus dem Land, die EWS-Netzgesellschaft aus Schönau und die Thüga mit von der Partie. Die Interessen der Stadt werden von der Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (SVV), der städtische n Beteiligungsgesellschaft, vertreten.

„Die Gespräche sind zäh“, heißt es schon vor den eigentlichen Verhandlungen über die Konzessionsvergaben, die im März beginnen sollen. Die EnBW bestünden beim Stromnetz auf einem Anteil von mindestens 51 Prozent, ist zu hören. „Andere Unternehmen sind bescheidener und bereit, sich mit der Rolle eines Minderheitsgesellschafters abzufinden“, heiß es. Geprüft wird noch, ob Stuttgarter Bürger Anteile an der neuen Netzgesellschaft erwerben können. Der Wunsch kritischer Bürger, die Stadt solle alle Netze allein besitzen und betreiben, sei kaum zu erfüllen, heißt es. „Die Bundesnetzagentur verlangt von Netzbetreibern ein großes Maß an Erfahrung, die neue Stadtwerke nicht vorweisen können“, ist im Rathaus zu hören.

Mehr Geld für das Wassernetz

Auch die Verhandlungen zwischen Stadt und EnBW über den Rückkauf des Wassernetzes und der Bezugsrechte für Bodensee- und Landeswasser verlaufen „kompliziert“. Der Energiekonzern soll inzwischen viel mehr Geld für das noch 2010 gemeinsam mit der Stadt auf rund 160 Millionen Euro geschätzte Stuttgarter Wassernetz verlangen. Außerdem beanspruchten die Konzernstrategen auch noch Sondernutzungsrechte, um Großkunden, etwa US-Stützpunkte im Land, weiterhin selbst mit Wasser versorgen zu können. Die Stadt plant, den Eigenbetrieb Stadtentwässerung bis 2014 zu den Kommunalen Wasserwerken Stuttgart (KWS) zu erweitern.