Energiewende Wie teuer darf Strom sein?

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Wegen der Energiewende wird Strom bald zu teurer, sagen Politiker von CDU und FDP. Die Öko-Branche aber sagt, noch werde Energie verschwendet, der Preis müsse steigen.

Umweltminister Peter Altmaier  hat eine Preisdebatte ausgelöst. Foto: dpa
Umweltminister Peter Altmaier hat eine Preisdebatte ausgelöst. Foto: dpa

Stuttgart - Dass die Energiewende höhere Strompreise bringen wird, war eigentlich Konsens. Beim Umweltbundesamt war 2011 von einem moderaten Preisanstieg bis 2030 die Rede, langfristig sei mit einem Sinken der Preise zu rechnen. Es war ein Satz von Umweltminister Peter Altmaier (CDU), der eine Kette von Reaktionen auslöste, und der Konsens scheint gefährdet. „Die Bezahlbarkeit von Strom ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen der Energiewende“, sagte Altmaier verschiedenen Medien. Am 28. August soll ein Stromgipfel in Berlin sich damit befassen.

Aber welche Erwartungen wird man an die Konferenz stellen – geht es nur um den Preis der Wende? Nach Altmaier trat EU-Kommissar Günther Oettinger auf den Plan und warnte, man müsse aufpassen, dass die Strompreise durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht zu stark steigen: „Wir brauchen eine Debatte über das Thema Industriestandort und Strompreis. Teurer darf der Strom nicht werden.“ Am Wochenende schlossen sich Politiker von CDU und FDP dem an und äußerten ihren Unmut über die steigende Kostenbelastung durch die Energiewende. „Die Überförderung der Fotovoltaik führt zu absurden ­Exzessen“, sagte Unions-Vizefraktionschef Michael Fuchs der „Rheinischen Post“. Er fordert eine Gesetzesänderung, um die Belastungen für die Verbraucher zu senken. Auch der nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner warnte vor einer ­finanziellen Überlastung der Bürger. Der Trend müsse gestoppt werden.

Strom muss teurer werden, sagen die Wissenschaftler

Bei Wissenschaftlern, die sich mit Umweltthemen befassen, ist man bestürzt über den neuen Zungenschlag in der Debatte. Das sei „beschämend“, sagt ein Forscher, der namentlich nicht genannt werden will. Christof Timpe, Leiter des Bereichs Energie und Klimaschutz beim Öko-Institut in Freiburg, spricht offen: „Ich halte die von Altmaier gemachte Aussage im wörtlichen Sinne für richtig, in der politischen Wirkung aber für falsch“, sagt Timpe. Denn sie impliziere, dass Strom nicht teurer werden dürfe. „Aber er wird teurer, und das ist richtig so, denn heute wird er noch verschwendet.“ Beispielsweise in der Industrie: während die energieintensiven Unternehmen (Stahl, Zement) – deren Produktionskosten bis zu 40 Prozent auf Strom entfallen – sehr auf die Energieeffizienz achteten, sei dies bei weniger abhängigen Branchen nicht der Fall, sagt Timpe: „Aber die lamentieren am meisten.“

Aus der Statistik des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft geht hervor, dass sich die Summe von Steuern und Abgaben beim Strompreis von 1998 bis heute verzehnfacht hat. Der Posten macht 45 Prozent am Strompreis für Haushaltskunden aus. Den größten Anteil an den Abgaben hat mit 14,1 Milliarden Euro die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien. Diese EEG-Umlage ist eine Art Ökostrom-Soli, ein Zuschlag auf jede Kilowattstunde zur Förderung aus Wind- und Solarkraft. 2004 lag die Umlage bei einem halben Cent pro Kilowattstunde, jetzt beträgt sie 3,59 Cent, eine Anhebung auf fünf Cent im Oktober ist im Gespräch. Die Umlage macht für einen durchschnittlichen Haushalt jährlich 125 Euro aus.

Bald 400 Euro Mehrkosten für eine Familie im Jahr?

Laut Michael Fuchs wird die EEG-Umlage nach Berechnungen der Union wegen der „massiven Einspeisung von Windenergie“ 2014 auf acht Cent pro verbrauchter Kilowattstunde steigen. Dann müsse eine vierköpfige Familie 400 Euro pro Jahr für die Förderung des Ökostroms zahlen.