England-Fan in Stuttgart Ein kühles Guinness auf den Sieg
Viola Volland, 26.06.2010 12:25 Uhr
Perks ist siegessicher. Foto: Factum-Weise
Perks ist siegessicher. Foto: Factum-Weise
Stuttgart - Es ist nicht einfach gewesen in den ersten Tagen für den England-Fan David Perks. Zuerst dieser peinliche Torwartfehler im USA-Spiel. Dann der müde Kick gegen Algerien. Aber seit dem Sieg am Mittwoch ist Perks' Laune deutlich gestiegen. "It's a game with two halfs" - ein Spiel hat zwei Halbzeiten, sagt der 37-Jährige. Das Blatt könne sich noch total wenden. Deshalb ist er auch zuversichtlich, was das morgige Achtelfinale angeht. "Wir haben noch nicht das Beste vom englischen Team gesehen - bei den Deutschen ist das umgekehrt", sagt er. Außerdem habe das Ghana-Spiel gezeigt, wie man die jungen unerfahrenen Deutschen schlagen könne. Wenn man - anders als die Ghanaer - nur das Tor trifft. Im Fall Englands, glaubt Perks, wird Wayne Rooney endlich zu seiner Topform zurückfinden und die Löwen ins Viertelfinale schießen.

Dennoch, die Nervosität ist riesig im Hause Perks. Viel wird der zweifache Familienvater am Sonntag wohl nicht runter bekommen. Wahrscheinlich gibt es zum Frühstück ein Bacon-Sandwich. Dann geht's im Trikot mit den drei Löwen schon um 14 Uhr in den Irish-Pub, um sich einen guten Platz zu sichern. Entweder im O'Reilly's in der Reuchlinstraße oder im Biddy Early's in der Marienstraße wird Perks morgen sein Guinness bestellen, auch wenn ihm gerade zu diesem Spiel ein English Bitter am liebsten wäre. Die Biersorte gehört zu den wenigen Dingen, die Perks manchmal in Deutschland vermisst.

Doch eigentlich fehlt ihm nicht wirklich etwas in Stuttgart, und er wundert sich schon lange nicht mehr, wie man in Deutschland nur Chips mit Erdnussgeschmack verkaufen kann. Er lebe schon so viele Jahre hier, dass er in England sogar Probleme mit dem Linksverkehr habe, erzählt der Entwicklungsingenieur bei Hewlett Packard in Böblingen.

Ein Leben ohne Fußball ist für Perks unvorstellbar


Zehn Jahre ist es nun her, dass er auf einem Campustag an der Universität in Staffordshire von HP angeworben worden ist und mit seiner Frau Sandra in den Stuttgarter Westen zog. Die Söhne Henry und Joseph sind beide hier geboren. Mit ihren vier und zwei Jahren sind sie inzwischen alt genug, um ihrem Papa auf dem Fußballfeld zuzujubeln, wenn er mit seinem Verein ABV-Stuttgart in der Kreisliga kickt. David Perks scheint ein Multitalent zu sein: "Ich spiele überall: Abwehr, Mittelfeld, Sturm - was gebraucht wird." Ein Leben ohne Fußball? Kaum vorstellbar. Perks hat schon als kleiner Junge angefangen zu spielen, in seinem Heimatort Rugeley in der Nähe von Staffordshire in den West Midlands. Wenn er über die Kleinstadt mit ihren knapp 23000 Einwohnern erzählt, kommt der typische schwarze britische Humor raus. Rugeley sei für zwei Dinge bekannt: ein großes Kohlekraftwerk und William Palmer, der im 19. Jahrhundert mehrere Menschen vergiftet hat.

An Stuttgart gefällt Perks, wie international die Stadt ist - und dass es die Stuttgarter Kickers gibt. Er hatte schon immer ein Faible für die "Underdogs". In England schlägt sein Herz nicht für Manchester United oder Chelsea, sondern für Shresbury Town. In Stuttgart hat er eine Dauerkarte für die Kickers: "Sie sind cool." Dass man beim Spiel anders als in englischen Stadien stehen dürfe, gefällt ihm zudem sehr. Während der Fußball-WM 2006 in Deutschland ist David Perks jedesmal im Stadion gewesen, wenn England gespielt hat. Er war auch in Gelsenkirchen dabei, als die Mannschaft im Viertelfinale ausgeschieden ist. Mindestens so weit sollen es die Löwen auch diesmal schaffen - und bitte auf keinen Fall gegen Deutschland ins Elfmeterschießen müssen. "Das verlieren wir nämlich immer", sagt David Perks. Was dann angesagt wäre auf der Insel? "Die große Depression."
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